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StudiMed: Medizinstudium auf Eis gelegt

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Köln – Eigentlich sollten ab dem Wintersemester 2016/2017 Studenten der Medizi­ni­schen Universität (MU) Sofia (Bulgarien) große Teile ihres Studiums in Köln absolvieren können. Das hatte die Kölner Agentur „StudiMed GmbH“ versprochen und die Studien­plät­ze bereits vergeben. Nun offenbart sich, der neue Campus kommt erst einmal nicht. Das be­rich­tete der Spiegel kürzlich. Im Regen stehen die Abiturienten, Betrugsvorwürfe weist StudiMed zurück.

Die Kooperation sah eigentlich vor, dass die Studierenden die ersten beiden Jahre in Köln absol­vieren und ihr Studium nach Abschluss des vollständig anerkannten vorklinischen Studienabschnitts an der Medizinischen Universität (MU) Sofia in Bulgarien fortführen. Die Aner­ken­nung der Stu­dien­leistungen sei europaweit gesetzlich gewähr­leistet, hieß es. „Bei uns werden 2.800 Studenten aus 64 Ländern ausgebildet. Unsere Absolventen sind in den besten Univer­si­täten und Krankenhäusern in Europa und in den USA tätig“, sagte im April dieses Jahres Vanyo Mitev, Akademischer Rektor der MU Sofia.

Hendrik Loll, Geschäftsführer von StudiMed, sieht die Schuld für die Verzögerung in der Klage eines Mitbewerbers und einer darauf folgenden sehr intensiven Betriebsprüfung bei der MU Sofia. Im Ergebnis handele es sich bei dem Campus in Köln nicht wie ursprünglich vorgesehen um ein „Zentrum“, sondern um eine „Niederlassung“. „Die for­mellen Anforderungen an eine Niederlassung sind deutlich höher, es bedarf einer geson­derten Akkreditierung und eines Beschlusses des staatlichen Ministerrats“, sagte Loll dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) auf Nachfrage. Betroffen sei nicht nur Köln, sondern auch andere Studienzentren, die den Lehrbetrieb einstellen mussten.

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Die Verärgerung der geprellten Abiturienten kann Loll verstehen. Das einzige Angebot, das derzeit aber gemacht werden könne, sei, das Studium vor Ort in Sofia anzutreten. „Ich weiß, dass das nicht das Angebot ist, das die Bewerber im Auge hatten. Wir betrei­ben Schadenminderung, wo möglich“, so Loll. Er erklärte, es sei nun der Plan, den Beschluss des Ministerrats einzuholen. Ziel sei es, den Lehrbetrieb zum Sommerse­mes­ter 2017, spätes­tens zum Wintersemester 2017/2018 aufzunehmen, verspricht er.

Geprellte Eltern und Studierende sind verärgert und fühlen sich getäuscht. „Die Studien­ge­bühr betrug 13.600 Euro pro Jahr, die Vermittlungsgebühr ebenfalls 13.600 Euro“, heißt es in einer Beschwerde einer Ärztin, die sich an das gewendet hatte. Bei einem Abitur von 2,1 sei ihr das Angebot als gute Lösung er­schie­nen, dass ihr Kind ohne lange Warte­zeiten auf einen Studienplatz Medizin studieren könne. Zusammenfassend sei aus ihrer Sicht aber festzustellen, dass es sich „anschei­nend um Betrug“ handele.

Für die Betrugsvorwürfe von Eltern und Studierenden zeigte Loll Verständnis, wies diese aber zugleich zurück. Die Entwicklung hätten weder er noch die MU Sofia vorhersehen können. „Wenn ich jemanden betrügen wollte, würde ich versuchen, einen Weg zu wäh­len, der für mich selbst wirtschaftlich unschädlich ist und mich vor allem bereichert“, so Loll. Es seien weder Studiengebühren noch Vermittlungsprovisionen in Rechnung ge­stellt oder bezahlt worden. Loll wies darauf hin, dass er selbst den größten finanziellen Schaden habe, schließlich habe er ein Campusgebäude mit 1.800 Quadratmetern und zehn­jähri­ger Bindung angemietet, das im Moment wirtschaftlich nicht genutzt werden könne.

Der Jungunternehmer versprach, dass bereits erfolgte Zahlungen fürs Semesterticket rückabgewickelt werden. Kosten für die freiwillige Rück­trittsversicherung, wenn diese Option gewählt wor­den sei, habe StudiMed bereits erstattet. Wie Loll dem erklärte, könnten Studierende auch ganz von ihrem Vertrag zurücktreten. Studien- und Ver­mittlungsgebühr in Höhe von jeweils 13.600 Euro fielen dann nicht mehr an. Bislang hätten zehn Bewerber diese Mög­lich­keit genutzt, so Loll.

Sonstige Kosten, wie etwa bereits gemietete Zimmer oder Wohnungen in Köln, über­nimmt StudiMed nicht. Loll bietet aber an, auf Wunsch bei der Untervermietung behilflich zu sein. „Der Wohnungsmarkt ist so angespannt, dass dabei im Zweifel ein Gewinn erzielt wird“, erklärte er.

© may/aerzteblatt.de

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