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Ärzteschaft

Ärztemangel: Nachwuchsprobleme im Südwesten

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Stuttgart – Hausärzte in ländlichen Regionen in Baden-Württemberg sind Mangelware
– es fehlt an Nachwuchs. Die Gründe sind vielfältig, ein Patentrezept dagegen gibt es nicht. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) werden in den nächsten fünf Jahren bis zu 500 Hausarztpraxen nicht neu besetzt.

„Geht ein Hausarzt in den Ruhestand, ist es schwierig, die Praxen wieder zu vergeben. Je ländlicher der Standort ist und je weniger Ärzte in der Praxis arbeiten, desto schwerer ist es“, erklärte KVBW-Sprecher Kai Sonntag. Zudem bevorzugten Ärzte Festan­stellun­gen oder Teilzeitstellen und wollten daher keine eigene Praxis eröffnen.

Der Lehrbereichsleiter der Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik Freiburg, Wilhelm Niebling, sieht das ähnlich. Junge Ärzte wollen ihm zufolge eher ein Angestellten-Ver­hält­nis eingehen oder in Gruppenpraxen arbeiten. Zudem habe Freizeit einen höheren Stellen­wert als früher. Daher bräuchte das Land eine höhere Zahl an Ärzten.

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„Finanzielle Förderung von neuen Praxen und Medizin-Stipendien zeigen aber bereits Erfolge. Die Talsohle des Mangels ist wahrscheinlich schon überwunden“, sagte Niebling. Zwingen könne man niemanden, seine Praxis auf dem Land zu eröffnen. Auch eine Land­arztquote würde Niebling zufolge nicht den gewünschten Erfolg bringen.

KVBW-Sprecher Sonntag hält zudem die Auswahl der Studienbeginner für unaus­ge­wo­gen: „Die jungen Menschen mit einem Schnitt von 1,0 möchten oft in die Fachrichtun­gen, mit denen Preise gewonnen werden können.“ Daher stelle sich die Frage, ob diese Stu­denten die Richtigen seien, um in der Hausarztbranche zu arbeiten. Hochschulen haben Sonntag zufolge die Möglichkeit, Medizinstudenten nach anderen Kriterien als Noten aus­zuwählen, nutzten dies aber nicht. Denkbar seien beispielsweise soziale Eignungs­test.

Roman Duelli, Leiter des Studiendekanats der Medizinischen Fakultät in Heidelberg, hält die aktuelle Auswahl der Studenten dagegen für passend. „Wir haben durch die ver­schie­denen Auswahlwege Studenten mit einem Schnitt schlechter als zwei, und sie leisten ebenso gute Arbeit.“ Nach Ansicht von Niebling sind soziale Kriterien und eine stärkere Berücksichtigung der Medizinertests zwar sinnvoll. Dies reiche jedoch nicht aus. Die Allgemeinmedizin sollte das ganze Studium präsent sein, sagte er.

Bund und Länder wollen das Studium mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ praxisnäher gestalten, damit mehr Studierende in Richtung Allgemeinmedizin gehen. Zudem sollen deutlich mehr Studienplätze angeboten werden. © dpa/aerzteblatt.de

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