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Medizin

Ribociclib verlängert progressionsfreies Überleben bei Brustkrebs

Freitag, 14. Oktober 2016

Houston – Der CDK4/6-Inhibitor Ribociclib, der in hormonabhängigen Brustkrebszellen den Zellzyklus stoppt, hat in einer Phase 3-Studie in einer Erstlinientherapie in Kombination mit Letrozol das progressionsfreie Überleben von postmenopausalen Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom verlängert. Die Studienergebnisse wurden auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology in Kopenhagen vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1609709) publiziert.

CDK4/6-Inhibitoren (CDK steht für „Cyclin-dependent kinases“) greifen in den Zellzyklus ein, also die Abfolge von Mitose, Ruhe- und Synthesephase, die bei vielen Krebser­krankungen beschleunigt ist. Es kommt beispielsweise zu einem Block in der G1-Phase und die Krebszelle hört auf, sich zu teilen. Beim hormonabhängigen Mammakarzinom kommt es zu einer starken Expression von CDK4/6, weshalb dieser Tumor zu einem Einsatzgebiet der CDK4/6-Inhibitoren werden könnte. Mit Palbociclib wurde im letzten Jahr in den USA der erste CDK4/6-Inhibitor zugelassen, dessen Einführung in Europa ebenfalls bevorsteht.

Der zweite Vertreter dieser Wirkstoffklasse könnte Ribociclib sein, der in der MONALEESA-2-Studie an 223 Zentren in 29 Ländern getestet wurde. 668 postmenopausale Patientinnen mit Östrogen- und/oder Progesteron-positivem, HER2-negativem fortgeschrittenem Brustkrebs erhielten in der Erstbehandlung zusätzlich zu einer Antihormontherapie mit Letrozol Ribociclib oder Placebo. Primärer Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben.

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Wie Gabriel Hortobagyi vom MD Anderson Cancer Center in Houston und Mitarbeiter berichten, waren im Ribociclib-Arm nach 18 Monaten noch 63,0 Prozent der Patien­tinnen ohne erneute Tumorprogression gegenüber 42,2 Prozent in der Placebo-Gruppe (also unter alleiniger Letrozol-Behandlung). Die Autoren errechnen eine Hazard Ratio von 0,56 für das progressionsfreie Überleben, die mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 0,43 bis 0,72 statistisch signifikant war. Das mediane progressionsfreie Überleben betrug im Placebo-Arm 14,7 Monate, während es in der Ribociclib-Gruppe noch nicht erreicht wurde.

Die Studie wird fortgesetzt und die Zulassungsbehörden dürften abwarten, ob Ribociclib neben dem progressionsfreien Überleben auch das Gesamtüberleben verbessert. Bislang sind erst 43 Patientinnen gestorben, und es dürfte noch einige Zeit dauern, bis Klarheit in diesem Endpunkt besteht.

Während die Hormonbehandlung mit Letrozol gut verträglich ist, führt die Kombination mit Ribociclib zu einer für die Chemotherapie typischen Knochenmarktoxizität. Der Anteil der Patientinnen mit einer Neutropenie stieg von 1 auf 59 Prozent. Eine Leukopenie trat bei 21 gegenüber 1 Prozent auf, eine Lymphopenie wurde bei 7 Prozent gegenüber 1 Prozent gefunden. Ribociclib kann zudem zu einem Anstieg der Leberenzyme führen. Die Abbruchrate aufgrund von Nebenwirkungen erhöhte sich von 2,1 auf 7,5 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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hans.pohlmann
am Samstag, 15. Oktober 2016, 23:19

Mamma-Ca-CDK4/6-Palpo

Ärzteblatt zur Studie aus NEJM
LNS

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