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Medizin

HIV: Könnte Crohn-Medikament Vedolizumab die Virusreplikation stoppen?

Freitag, 14. Oktober 2016

dpa

Atlanta – Ein sogenannter Integrin-Antikörper, der Entzündungszellen den Zugang zur Darmschleimhaut versperrt, hat in einer Studie verhindert, dass SIV-infizierte Makaken nach dem Absetzen von antiretroviralen Medikamenten einen Rückfall erlitten. Die in Science (2016; 354: 197-202) publizierten Ergebnisse haben bereits eine klinische Studie veranlasst, in der der Integrin-Antikörper Vedolizumab zum Einsatz kommt, der zur Behandlung von entzündlichen Darm­er­krank­ungen zugelassen ist.

Die Replikation von HI-Viren kann heute mit Medikamenten so effektiv unterdrückt werden, dass nach kurzer Zeit keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind. Doch nach jeder längeren Unterbrechung der Medikamenteneinnahme kommt es zur erneuten Virusvermehrung. Die dafür verantwortlichen Virusreservoire werden unter anderem im Darm vermutet, der die größte Ansammlung von Abwehrzellen des menschlichen Körpers beherbergt, darunter auch zahllose CD4-Zellen, die das HI-Virus infiziert.

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Seit 2014 ist mit Vedolizumab ein Antikörper zugelassen, der die Einwanderung von Abwehrzellen in den Darm verhindert. Vedolizumab blockiert auf der Oberfläche von T-Zellen (zu denen auch die CD4-Zellen gehören) das Integrin alpha4 beta7. Mit diesem Protein binden die Abwehrzellen an den Endothelien der Blutgefäße. Dies ist Voraus­setzung für das Eindringen der Abwehrzellen in das Immungewebe des Darms (auch „homing“ genannt). Vedolizumab wird mit Erfolg in der Behandlung von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn eingesetzt, wo es Entzündungsschübe verhindert.

Ein Team um Aftab Ansari von der Emory Universität in Atlanta hat einen entsprechenden Antikörper für Makaken entwickelt. Das Ziel war jedoch nicht die Behandlung entzündlicher Darm­er­krank­ungen. Vielmehr sollte eine akute Entzündung des Darms nach einer frischen Infektion mit dem simianen Immundefizienz-Virus (SIV) verhindert werden, einem Verwandten (mit gleicher evolutionärer Herkunft) des humanen Immundefizienz-Virus (HIV).

Die Rhesusaffen erhielten von der fünften Woche nach der Infektion bis zur 18. Woche täglich ein antiretrovirales Medikament wie es auch beim Menschen eingesetzt wird. Ab der neunten Woche wurde diese Behandlung mit dem Integrin-Antikörper kombiniert. Die Antikörperbehandlung wurde alle drei Wochen bis zur Woche 32 wiederholt. Eine Kontrollgruppe erhielt nur die antiretrovirale Therapie und ein Placebo. Danach wurde jegliche Behandlung der Affen eingestellt.

Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass es in beiden Gruppen zu einer erneuten Virusreplikation kommt. Dies war in der Kontrollgruppe nach dem Absetzen der antiretroviralen Medikamente auch passiert. Bei den Tieren, die mit dem Intengrin-Antikörper behandelt wurden, blieben die Viren jedoch weiter unter der Nachweisgrenze und die CD4-Zahlen erholten sich. Dieser Zustand hält seit nunmehr zwei Jahren an. Das Immunsystem der Tiere ist intakt und sie sind gesund. 

Die Forscher gehen nicht davon aus, dass die SIV-Infektion ausgeheilt ist. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass das Immunsystem eine Möglichkeit gefunden hat, die Infektion zu kontrollieren. Wie dies geschieht, wissen sie nicht. Neutralisierende Antikörper gegen SIV scheinen die Tiere nicht gebildet zu haben.

Die Forscher fanden jedoch nicht-neutralisierende Antikörper, die gegen eine Stelle des Hüllproteins von SIV (den V2 Loop) gerichtet waren. Ähnliche Antikörper waren auch in der Studie RV144 aufgetreten, die in Thailand zwei Impfstoffe gegen HIV getestet hatte. Die Studie ist zwar gescheitert. Bei einigen Teilnehmern wurde jedoch ein Teilschutz erreicht. Laut Ansari waren dies die Teilnehmer, bei denen ähnliche nicht-protektive Antikörper aufgetreten waren, wie jetzt bei den Affen beobachtet wurden.

Obwohl der Wirkungsmechanismus derzeit unklar ist, wurde in den USA bereits mit einer ersten klinischen Studie begonnen. Insgesamt 20 HIV-Patienten, die unter einer antiretroviralen Therapie eine gute Kontrolle der Virusreplikation erreicht haben, sollen über 30 Wochen mit Vedolizumab behandelt werden. Danach sollen die antiretroviralen Medikamente abgesetzt werden. Vorläufige Ergebnisse werden bis Ende 2017 erwartet. © rme/aerzteblatt.de

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