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Ärzteschaft

Entlassmanagement: Klinikärzte erhalten lebenslange Arztnummer

Montag, 17. Oktober 2016

/dpa

Berlin – Um Schnittstellenprobleme bei der Entlassung von Patienten aus dem Kranken­haus zu verringern, hat der Gesetzgeber mit dem Versorgungsstärkungsgesetz die Vor­gaben verschärft. Kliniken müssen seitdem in einem Entlassplan die medizinisch un­mittel­bar erforderlichen Anschlussleistungen festlegen. Die Details sollte die Selbst­ver­waltung beschließen, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), GKV-Spitzenverband und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) konnten sich aber nicht einigen. Nun regelt ein Schiedsspruch strittige Punkte.

Vorgesehen ist, dass das Entlassmanagement für alle stationär behandelten Patienten gilt. Die Kliniken sind verpflichtet, auf allen Verordnungen die lebenslange Arztnummer (LANR) sowie die Betriebsstättennummer (BSNR) anzugeben. Da die meisten Kliniker nicht über eine LANR verfügen, müssen sie sich registrieren. Das wird voraussichtlich bei den Kassenärztlichen Vereinigungen erfolgen. Die DKG spricht von 50.000 betroffenen Klinikärzten. Zudem sind Softwaresysteme in den Krankenhäusern analog zur vertrags­ärztlichen Software zu zertifizieren, die Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit der Verordnung gelten auch für Kliniker.

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Aus der KBV heißt es zum Schiedsspruch, das Entlassmanagement greife in die ambu­lante Versorgung ein, daher müsse es ähnliche Regeln für die Klinikärzte wie für Ver­trags­ärzte geben. Der GKV-Spitzenverband spricht von künftigen einheitlichen Standards und einem Gewinn für die Patienten. „Die Entscheidung des Bundes­schieds­amtes wird helfen, den Rechtsanspruch der Patienten endlich in allen Krankenhäusern durchzu­setzen“, erklärte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstands­vor­sitzen­der des GKV-Spitzenverbandes. Künftig werde die Entlassung aus dem Kranken­haus zielgerichteter geplant, damit der Übergang von der Klinik zum weiter­behandelnden Arzt oder zur nächsten Versorgungseinrichtung reibungsloser klappe.

Die DKG kritisiert hingegen den Schiedsspruch. Sie spricht von einem „bürokratischen Monster“ und zusätzlichem Zeitaufwand. „Zu diesem formalen Entlassmanagement ge­hören Aufklärungsgespräche und das Ausfüllen von zwei Formblättern, mit der Möglich­keit des Patienten, datenschutzrechtliche Einwände zu erheben. Zeitlich bedeutet das, dass mindestens 50 Millionen Minuten Arbeitszeit gebraucht werden, das sind circa 100.000 Arbeitstage“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Die Vereinbarung soll ab dem 1. Juli 2017 gelten. Entlassbrief und Medikationsplan sind dann Teil des Entlassmanagements. Kliniker können auch Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für bis zu sieben Tagen verord­nen. Für diese Zeit kann darüber hinaus eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt werden. © may/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #108046
Mathilda
am Dienstag, 18. Oktober 2016, 17:28

Stimme zu

Die Bürokratie wird ja nur vom ambulanten Arzt auf den Klinikarzt verlagert. Bisher war es häufig so, dass der ambulante Arzt (tw. der Hausarzt) nur auf den vom Patienten mitgebrachten Arztbrief hin Medikamente ,häusliche Krankenpflege etc. aufschreiben sollte.

Besonders unsinnig bei der häuslichen Krankenpflege: diese dient nach § 37 Abs. 1 SGB V u.a. dazu, Krankenhausbehandlung zu verkürzen - dann muss doch aber auch der Krankenhausarzt diese verordnen!
Avatar #648603
normalerdoktor
am Dienstag, 18. Oktober 2016, 01:22

Endlich

Auch wenn da sicher wieder einmal viel zusätzliche Bürokratie kommt, eine Maßnahme erscheint ja doch sehr sinnvoll: Krankenhausärzte dürfen für bis zu 7 Tage Arzneimittel verordnen. Endlich vorbei die Tage, an denen man Patienten heimlich noch ein paar Pillen aus dem Stationsvorrat mitgegeben musste weil das Wochenende bevorstand oder der Hausarzt im Urlaub ist.
LNS
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