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Medizin

Metabolisches Syndrom erhöht Leberkrebsrisiko

Dienstag, 18. Oktober 2016

Atlanta – Ein Anstieg von Body-Mass-Index und Taillenumfang sowie ein Typ-2-Diabetes sind für US-Amerikaner mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Leberkrebs zu erkranken. Dies ergab eine Analyse von mehreren prospektiven Studien in Cancer Research (2016; 76; 6076-83), die nach Gründen für den starken Anstieg der Erkrankungszahlen sucht.

Die Zahl der Leberkrebserkrankungen hat sich in den USA seit  Mitte der 1970er-Jahre verdreifacht. Das hepatozelluläre Karzinom ist dort inzwischen die sechsthäufigste Krebserkrankung, und sie endet in der Regel tödlich. Bekannte Risikofaktoren wie chronische Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus oder dem Hepatitis-C-Virus, ein übermäßiger Alkoholkonsum oder bestimmte seltene Stoffwechselstörungen (etwa die Hämochromatose) können den Anstieg nicht erklären. Das National Cancer Institute (NCI) hat deshalb das Liver Cancer Pooling Project ins Leben gerufen. Das Team um Peter Campbell von der American Cancer Society in Atlanta hat jetzt die Daten von 14 US-basierten Kohortenstudien mit 1,57 Millionen Erwachsenen ausgewertet.

Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Alkoholkonsum, Rauchen und ethnischer Herkunft ergab sich eine signifikante Assoziation mit Body-Mass-Index (BMI), Taillen­umfang und Typ-2-Diabetes, die neben den nicht untersuchten Faktoren Hypertonie und Dyslipidämie zum metabolischen Syndrom zählen, das als Folge eines Lebensstils mit zu wenig körperlicher Bewegung und einer hyperkalorischen Ernährung gedeutet wird.

Ergebnis: Jede Zunahme des BMI um 5 kg/m2 war mit einem Anstieg des Leber­krebs­risikos um 38 Prozent für Männer und 25 Prozent für Frauen verbunden. Die Hazard Ratio (HR) von 1,38 bei Männern war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,30 bis 1,46 ebenso signifikant wie die Hazard Ratio von 1,25 für Frauen (1,17–1,35).

Beim Taillenumfang ermittelten die Autoren für jede Zunahme um fünf Zentimeter einen Anstieg um acht Prozent bei beiden Geschlechtern (HR 1,08; 1,04–1,13).

Die Diagnose eines Typ-2-Diabetes war mit einem um 2,61 erhöhten Leberkrebsrisiko verbunden (2,61; 2,34–2,91).

Die Ergebnisse waren eindeutig, und wegen der Häufigkeit der drei Risikofaktoren sind sie nach Ansicht von Campbell von enormer Public-Health-Bedeutung. Die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen Menschen ist in den letzten Jahrzehnten stark gestie­gen. Bei insgesamt 6,5 Prozent der Teilnehmer war ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden.

Das Lebenszeitrisiko eines US-Amerikaners, an Leberkrebs zu erkranken, liegt Campbell zufolge bei etwa einem Prozent. In jedem Jahr kommen auf 100.000 Erwachsene acht Neuerkrankungen. © rme/aerzteblatt.de

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