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Medizin

Zervixkarzinom: HPV-Impfung kann Vorsorgetermine ersparen

Dienstag, 18. Oktober 2016

dpa

Boston – Mädchen und junge Frauen, die sich gegen Infektionen mit dem humanen Papillomavirus (HPV) impfen lassen, können später auf viele Termine zur Vorsorge­untersuchung des Zervixkarzinoms verzichten, rechnen Forscher im Journal of the National Cancer Institute (2016; doi: 10.1093/jnci/djw216) vor.

Das Zervixkarzinom ist (nach heutigem Kenntnisstand) zu 100 Prozent Folge einer chronischen Infektion mit onkogenen Varianten des humanen Papillomavirus (HPV). Der erste Impfstoff gegen HPV wurde 2007 eingeführt. Mädchen, die damals im Alter von 12 Jahren an der Impfung teilnahmen, erreichen jetzt mit 21 Jahren das Eintrittsalter für die Vorsorgeuntersuchung.

Die US-Gesellschaften empfehlen den Frauen alle drei Jahre einen Abstrich mit Pap-Zytologie mit der Option, ab dem 30. Lebensjahr zusätzlich einen HPV-Nachweis durchführen zu lassen – wodurch sich das Intervall auf fünf Jahre verlängert. In Deutschland zahlen die Krankenkassen eine jährliche Pap-Zytologie, der HPV-Test ist aktuell noch nicht im gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm.

Da die Impfstoffe der ersten Generation gegen zwei beziehungsweise vier onkogene HPV-Varianten schützen, stellte sich die Frage, ob die geimpften Frauen weiter an der Vorsorge teilnehmen müssen. Die Antwort, die Jane Kim von der Harvard T. H. Chan School of Public Health in Boston und Mitarbeiter geben, lautet „ja“. Denn die beiden HPV-Varianten, vor denen der (in den USA zuerst eingeführte) bivalente Impfstoff schützt, sind nur für etwa 70 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich. Die jungen Frauen könnten jedoch etwas später mit dem Screening beginnen und das Intervall auf fünf Jahre verlängern. Kim schlägt zwei Alternativen vor: Ein regelmäßiger Pap-Abstrich ab 30 Jahren oder ein HPV-Test ab 25 oder 30 Jahren.

Dies kam bei mathematischen Berechnungen zur Kosteneffektivität heraus. Den Versicherern ist aus US-Perspektiven die Finanzierung eines Screenings nur dann zuzumuten, wenn die Kosten für ein durch das Screening gerettetes Lebensjahr in guter Lebensqualität (quality-adjusted life-year, QALY) den Rahmen von 50.000 bis 200.000 US-Dollar nicht überschreiten. Für ein Screening-Intervall von fünf Jahren ab dem Alter von 25 oder 30 Jahren berechnet Kim Kosten von 138.560 US-Dollar pro QALY.

Nach einer Impfung mit der neuen Vakzine, die vor neun HPV-Varianten schützt, die für 90 Prozent aller Zervixkarzinome verantwortlich sind, könnte nach den Berechnungen von Kim ein Screening-Intervall von zehn Jahren ausreichen. Das Screening könnte ohne Pap-Zytologie allein durch Virusnachweis mit dem HPV-Test erfolgen. Für einen Beginn im Alter von 35 Jahren errechnet Kim Kosten von 40.210 pro QALY. Wenn sie im Alter von 30 Jahren beginnen, müssten 127.010 US-Dollar pro QALY aufgewendet werden. Das lange Intervall und der späte Beginn würden bedeuten, dass Frauen nach der Neunfachimpfung zeit ihres Lebens nur noch vier Vorsorgetermine hätten.

Ob sich die Fachgesellschaften auf diese Empfehlungen einlassen werden, bleibt abzuwarten. Eine Entscheidung dürfte allerdings in den nächsten Jahren notwendig werden. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 18. Oktober 2016, 19:35

Falsche Abbildung

Diese Abbildung zeigt definitiv eine falsche Impftechnik! Viel zu Schultergelenk-nah mit Verletzungsgefahr am linken Schultergelenk. Der M. deltoideus wird nicht mittig getroffen, sondern dort, wo er am dünnsten ist.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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