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Ausland

Mehr Engagement gegen Müttersterblichkeit gefordert

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Berlin – Experten haben verstärktes Engagement Deutschlands bei der Bekämpfung von Mütter- und Kindersterblichkeit gefordert, um die „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ (SDG) der Vereinten Nationen zu erreichen.

In einem Fachgespräch des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent­wicklung sagte Marwin Meier von der Orga­nisation World Vision, dass die Bundesregie­rung Empfehlungen der Weltgesund­heitsor­ga­nisation (WHO) zur internationalen Ge­sund­heitsfinanzierung nur zu rund einem Drittel erfülle. Meier forderte die Bundesre­gie­rung auf, mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr in den „Globalen Fonds zur Bekäm­pfung von Aids, Tuberkulose und Malaria“ einzuzahlen. Rund 45 Prozent dieser Mittel haben einen unmittelbaren Effekt auf die Reduzierung von Mütter- und Kindersterb­lich­keit, sagte er.

„Jede zwei Minuten stirbt eine Frau während der Schwangerschaft oder Geburt, 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern“, sagte Naveen Rao von der Initiative Merck for Mothers. Gesundheitsversorgung sei nicht rechtzeitig zugänglich oder werde zu spät in Anspruch genommen. Fachpersonal und medizinische Geräte seien zu weit entfernt oder nicht bezahlbar, benannte Rao die Hauptgründe für Müttersterblichkeit in Entwick­lungs­ländern. Unternehmen könnten bei der Bekämpfung der Müttersterblichkeit nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch Expertise einbringen, sagte Rao und plädierte für mehr Kooperation von öffentlichem und privatem Sektor.

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Rund 290 Millionen Kinder weltweit würden bei der Geburt nicht registriert und tauchten daher in keinem Bildungs- oder Gesundheitsplan auf, ergänzte Yosi Echeverry Burck­hardt von Unicef Deutschland. Auch das Recht auf Bildung könnten viele Kinder nicht verwirklichen. Der gleichberechtigte Zugang zu Bildung sei jedoch essenziell für Kinder­schutz und Kinderrechte. Bildungskampagnen müssten religiöse und traditionelle Füh­rungsfiguren einbeziehen, um Wirkung zu erzielen, sagte Burckhardt.

Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), be­zeich­nete es als grundlegend, Armut zu bekämpfen, Bildung, Gendergerechtigkeit sowie den Zugang zu Familienplanung zu fördern. „Die SDG können wir nur erreichen, wenn wir Gesundheitssysteme als Ganze stärken“, sagte sie. Dazu brauche es neben Finan­zen, Infrastruktur und Medikamenten vor allem ausgebildetes Personal. Deutschland solle die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal in Entwicklungsländern finanziell unterstützen, forderte Schneider.

Detlef Virchow von Plan International Deutschland wies auf lückenhafte Geburtsregister und Gesundheitsdaten hin. Mehr als 100 Länder besäßen keine Systeme zur zivilen Re­gistrierung und Bevölkerungsstatistik. Nach Geschlechtern differenzierte Daten seien aber notwendig, um Gründe für Ungleichheiten zu identifizieren. Zudem betonte er, dass viele Mädchen und Frauen ihre sexuellen und reproduktiven Rechte aufgrund von tief verwurzelten Geschlechterungerechtigkeiten nicht wahrnehmen könnten. Im Hinblick auf das UN High Level Political Forum 2017 in New York forderte er Nachbesserungen der SDG in den Bereichen Gesundheit und Geschlechtergerechtigkeit.

Einig waren sich die Experten, dass anstelle von Einzelprojekten multisektorale Ansätze wichtig sind, bei denen die verschiedene Politikfelder verzahnt werden. © hib/aerzteblatt.de

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