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Ärzteschaft

Umfrage: Niedergelassene Ärzte sind trotz hoher Belastung mit ihrer Arbeit zufrieden

Donnerstag, 20. Oktober 2016

/dpa

Berlin – Mehr als 90 Prozent der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sind mit ihrer Arbeit zufrieden. 96 Prozent von ihnen macht die Arbeit Spaß und 98 Prozent finden sie nützlich und sinnvoll. Bei den Psychotherapeuten lagen die Zufrieden­heitswerte noch höher als bei den Ärzten.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von mehr als 10.000 nieder­gelassenen und angestellten ambulant tätigen Ärzten und Psychotherapeuten, die das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) zwischen Februar und Juni im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des NAV-Virchowbundes durch­führte. Nach 2012 und 2014 war dies die dritte Befragung dieser Art.

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Solche Zufriedenheitswerte seien eine Spezialität des Arzt- und Psychotherapeuten­berufs, sagte infas-Geschäftsführer Menno Smid heute bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse des sogenannten Ärzte­monitors in Berlin. „Solche Werte findet man in anderen Berufen nie.“ Er führte dies im Wesentlichen darauf zurück, dass die Ange­hörigen beider Berufe selbst entscheiden könnten, wie sie ihre Arbeit erledigten. Trotz der hohen Zufriedenheitswerte beklagten jedoch 56 Prozent der Ärzte, sie hätten zu wenig Zeit für ihre Patienten.

Immerhin 29 Prozent der Ärztinnen und Ärzte antworteten, sie fühlten sich durch ihre Arbeit ausgebrannt. Infas-Geschäftsführer Smid hält diese Aussage jedoch angesichts der enorm hohen generellen Zufriedenheitswerte von über 90 Prozent für „nicht richtig operationalisiert“. Er betonte zudem, dass die ambulant tätigen angestellten Ärztinnen und Ärzte genauso zufrieden mit ihrer Arbeit seien wie die selbstständig Tätigen.

Deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Situation
„Die Befragungsergebnisse deuten zudem auf eine deutliche Verbesserung der wirt­schaft­lichen Situation in den vergangenen Jahren hin“, sagte Smid. 70 Prozent der Hausärzte erklärten danach, sie seien mit ihrem persönlichen monatlichen Einkommen zufrieden. 2012 waren es lediglich 58 Prozent und zwei Jahre später 61 Prozent gewesen. Dabei sind die Hausärzte zufriedener mit ihrem Einkommen als die Fachärzte. Von denen sagten nur 64 Prozent, sie seinen zufrieden mit ihrem Monatseinkommen (2012: 55 Prozent, 2014: 59 Prozent).

Zwei Drittel der Ärzte sind darüber hinaus mit der wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis zufrieden, wobei wiederum die Hausärzte mit 73 Prozent zufriedener sind als die Fachärzte (61 Prozent). Die Psycho­therapeuten sind dagegen deutlich unzufriedener mit ihrem monatlichen Einkommen und der wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis. Fanden 2012 noch 61 Prozent ihr Einkommen angemessen, waren es 2014 nur noch 41 Prozent und in diesem Jahr 45 Prozent. Ähnliches gilt für die Bewertung der wirtschaft­lichen Situation der Praxis: 50 Prozent waren damit zufrieden (2012: 67 Prozent, 2014: 46 Prozent).

Nach den Rahmendaten des Ärztemonitors waren 82 Prozent der Ärzte selbstständig und 17 Prozent angestellt ambulant tätig. Bei den Psychotherapeuten spielt die Anstellung dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Gerade einmal drei Prozent der Psychotherapeuten arbeiteten als Angestellte in einer Praxis.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist seit 2012 in beiden Berufsgruppen tenden­ziell gesunken. Arbeiteten die Hausärzte 2012 im Durchschnitt 57,6 Stunden, waren es 2014 55,7 und in diesem Jahr 53,4 Stunden. Die Fachärzte arbeiteten 2012 noch durch­schnittlich 55,3 Stunden in der Woche, 2014 waren es 52,5 und in diesem Jahr 51,3 Stunden. Die Psychotherapeuten kamen im Schnitt auf 41 Stunden in der Woche (2012: 42,2 Stunden, 2014: 42,7 Stunden).

Schwierige Suche nach einem Praxisnachfolger
Konkrete Pläne, ihre Praxis in den nächsten fünf Jahren abzugeben hat dem Ärztemonitor zufolge jeder Vierte Arzt (24 Prozent), wobei die Mehrheit (71 Prozent) die Suche nach einem Nachfolger als schwierig empfindet. Dagegen tragen sich bei den Psychotherapeuten lediglich 16 Prozent mit dem Gedanken, in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis abzugeben, und die Suche nach einem Nachfolger wird überwiegend entspannt gesehen. 69 Prozent sagten, sie hielten diese für „sehr leicht“ oder „eher leicht“.

Über eine Ermächtigung zur Weiterbildung des fachärztlichen Nachwuchses verfügt mehr als ein Drittel der Ärzte (37 Prozent), 44 Prozent haben in den vergangenen fünf Jahren einen Weiterbildungsassistenten beschäftigt und 54 Prozent beabsichtigen das in den kommenden fünf Jahren zu tun.

Unterschiedliche Entwicklung der Honorare gibt Grund zur Sorge
Es sei bemerkenswert, dass die Zufriedenheitswerte mit der eigenen Arbeit seit der ersten Befragung im Jahr 2012 unverändert hoch ausgefallen seien, kommentierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen das Umfrageergebnis. Er interpretiere das Ergebnis aber auch dahingehend, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV gute Arbeit leisteten.

Dem KV-System gelinge es, die Folgen so mancher gesetzlicher Vorgaben abzumildern. Nach Ansicht von Gassen zeigt der Ärztemonitor drei kritische Brennpunkte auf: die Schwierigkeit der niedergelassenen Ärzte, einen Nachfolger zu finden, den Mangel an Zeit für die Patienten und die als überbordend empfundene Bürokratie.

Für die KBV bedeute das, dass sie all die Bemühungen fortsetzen müsse, die sie bereits seit Jahren verfolge: die Stärkung von Allgemeinmedizin und Niederlassung in der Aus- und Weiterbildung, die Stärkung der Nieder­lassungs­förderung gerade im ländlichen Bereich und nicht zuletzt die Stärkung des Honorars. „Wenn jeder dritte Arzt mit seinem monatlichen Einkommen nicht zufrieden ist, ist das ein Alarmsignal“, erklärte Gassen.

Auch der NAV-Vorsitzende Dirk Heinrich sieht hier Grund zur Sorge. Zwar sei die gene­relle finanzielle Zufriedenheit der Ärzte eine „gute Nachricht für die ambulante Versor­gung und ein wichtiges Signal an die Adresse der nachrückenden Arztgene­ration“, erklärte Heinrich. Doch der Anstieg bei den Zufriedenheitswerten verlaufe nicht für alle Fachgruppen gleich. Während die Hausärzte seit 2012 ein erfreuliches Plus verzeichnen konnten und die Fachärzte bei den Zufriedenheitswerten überholt hätten, hielten insbesondere die grundversorgenden Fachärzte bei dieser Entwicklung nicht Schritt. „Diese Kluft ist seit 2012 kontinuierlich größer geworden“, kritisierte Heinrich. Das mache sich auch bei der Suche nach einem Nachfolger negativ bemerkbar. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #713610
Dr.Jones
am Donnerstag, 20. Oktober 2016, 22:28

Fragwürdig

Sehr geehrter HK,
bei insgesamt, laut Bundesärztekammer ca. 150000 niedergelassenen Kollegen sind 10000 ausgewertete Antworten nicht wirklich repräsentativ. Es sind deutlich weniger als 10%! Von diesen fühlen sich knapp ein Drittel ausgebrannt und immerhin über 5000 Kollegen von 10000 haben zu wenig Zeit für Ihre Patienten.
Die Überschrift die Sie wählten ist geradezu unglaublich irreführend!

Die "breite Front" spiegelt unser Gesundheitssystem sicherlich realistischer wieder: schlechte, bis gar keine vernünftige Weiterbildung der jüngsten Kollegen. Schlechte Bezahlung der Auszubildenden sowie viele Kollegen (die ich persönlich kenne), die als niedergelassene Kollegen über unser System stöhnen und gerade als jüngere Ärzte häufig honorarärztlich tätig sind, damit Ausgaben gedeckt werden können... na gut zumindest bleibt man sein eigener Herr/Frau...

Ich bin der womöglich mathematisch korrekten Interpretation der Zahlen vs der Realität unseres Gesundheitssystems ziemlich sprachlos. Sie sollten in solchen Artikeln mit "reißerischer" Überschrift mal in die Gesichter derer Kollegen sehen, die sowas lesen.

Wäre schön, wenn Funktionäre neben solchen Umfragen, die offensichtlich nicht der Realität entsprechen können (bei nicht repräsentativer Umfrage) wieder ein bisschen mehr der Realität in's Auge sehen würden.
LNS

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