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Medizin

Struktur des „Marihuana“-Rezep­tors CB1 entschlüsselt

Freitag, 21. Oktober 2016

Shanghai – Chinesische und amerikanische Wissenschaftler haben die Struktur des Cannabinoid-Rezeptors 1 (CB1) entschlüsselt. Ihre in Cell (2016; doi: 10.1016/j.cell.2016.10.004) vorgestellten Ergebnisse schaffen eine wichtige Voraussetzung zur Erforschung der Freizeitdroge, die zunehmend auch zu medizinischen Zwecken verordnet wird.

Extrakte aus Cannabis sativa werden seit Jahrhunderten als Drogen und Arzneimittel eingesetzt. Der Wirkstoff delta9-Tetrahydrocannabinol (THC) wurde in den 1960er Jahren isoliert. Zunächst vermuteten die Forscher, dass das Mittel aufgrund seiner hohen Lipophilie eine unspezifische Wirkung auf die Zellmembranen hat.

Ende der achtziger Jahre wurde dann der erste Rezeptor, heute CB1 genannt, entdeckt, der vor allem von Zellen des zentralen Nervensystems gebildet wird. Kurz darauf folgte die Entdeckung von CB2, der außerhalb des Gehirns und im Immunsystem verbreitet ist. Inzwischen kennt man auch körpereigene Substanzen wie Anandamid, das als Endocannabinoid an CB1 bindet.

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Ein Team um Zhi-Jie Liu vom iHuman Institute in Shanghai hat zusammen mit Forschern mehrerer US-Institute jetzt die dreidimensionale Struktur von CB1 ermittelt. Sie ist Voraussetzung für die genaue Erforschung von körpereigenen Cannabinoiden und solchen, die als Droge oder Arzneimittel dem Körper zugeführt werden. Die 3D-Struktur erlaubt das „Design“ von weiteren Wirkstoffen am Computer. Dies erfolgt immer mit dem Ziel, die gewünschten von den unerwünschten Wirkungen zu trennen.

Das medizinische Interesse an CB1-Agonisten und CB1-Antagonisten ist in den letzten Jahren gestiegen. Die THC-Droge wird heute als Mittel zur Behandlung von neuro­tischen Schmerzen eingesetzt. Auch bei der Multiplen Sklerose und bei neurodegene­rativen Erkrankungen wird eine Wirkung diskutiert. Auch Mittel, die den Rezeptor blockieren, könnten wertvoll sein: Zwischen 2006 und 2008 war in Europa der CB1-Antagonist Rimonabant als Appetitzügler zugelassen. Der Hersteller nahm das Mittel jedoch wegen der Gefahr von schweren Depressionen wieder vom Markt. CB1-Antagonisten sind weiter als mögliche Mittel zur Behandlung der Adipositas oder zur Raucherentwöhnung in der Diskussion.

Die Forscher konnten bereits den Teil des Rezeptors ermitteln, an dem die endogenen und exogenen Cannaboide binden. Sie ist laut den Autoren ungewöhnlich „groß und komplex“. Ob dies das breite Spektrum der Wirkungen erklärt, bleibt abzuwarten. Die Forscher suchen derzeit auch nach Erklärungen für die unterschiedliche Toxizität der Substanzen, die an CB1 binden. Während THC in der Regel auch in höherer Dosierung keine gefährlichen Wirkungen hat, können synthetische Cannabinoide wie „K2“ oder „Spice“ tödliche Reaktionen hervorrufen. © rme/aerzteblatt.de

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