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Politik

Acht Thesen zur Öko­nomi­sierung in der Medizin

Montag, 24. Oktober 2016

Berlin – Eine wirtschaftliche und effiziente Gestaltung des Gesundheitssystems – also eine „Öko­nomi­sierung – sind ethisch geboten, solange dies den Zielen der Medizin dient. Die­se Auffassung vertreten Autoren der Kommissionen „Gesundheit“ und „Wissen­schafts­­­­ethik“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in einem neuen Reader zum Thema.

Die Medizin hat bekanntlich die Aufgabe, Krankheiten soweit möglich zu heilen, zu lindern und ihnen vorzubeugen. „Der Patient muss sich darauf verlassen können, dass Ärzte und das medizinische Fachpersonal nur entsprechend dieser Aufgabe handeln“, heißt es im Begleittext zu der neuen Publikation.

Seit einiger Zeit beschäftigten sich verschiedene Akteure in Veranstaltungen, Stellung­nah­men und Analysen mit möglichen Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen und ins­be­sondere mit den Ursachen, Symptomen und Folgen einer wahrgenommenen „Ökono­mi­sierung“, welche unter Umständen zu Therapieentscheidungen führe, die medizinisch nicht indiziert seien.

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Die beiden Kommissionen der Leopoldina haben dies zum Anlass genommen, in einem Symposium im Januar 2016 in Berlin das grundsätzliche Verhältnis zwischen Medizin und Ökonomie in den Blick zu nehmen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem akut-stationären Bereich. Der vorliegende Reader ist auf der Grundlage dieses Symposiums entstanden.

Die Autoren formulieren darin acht Thesen. Diese lauten:

  • Ökonomisches Handeln im Gesundheitssystem ist geboten – aber ausschließlich zum Wohl des einzelnen Patienten und der Gesellschaft.
  • Mehr Geld macht ein System nicht automatisch leistungsfähiger.
  • Vorhandene Überkapazitäten dürfen nicht dazu führen, dass außermedizinische Überlegungen die Indikationsstellung beeinflussen.
  • Eine Weiterentwicklung des DRG-Systems allein reicht nicht aus, um die öko­no­mi­schen Fehlentwicklungen zu beheben.
  • Qualifiziertes medizinisches Personal ist derzeit im Grunde ausreichend vorhan­den, aber auf zu viele Häuser verteilt.
  • Eine angemessene Analyse des Gesundheitssystems braucht Transparenz und den Zugang zu Informationen.
  • Wettbewerb hat Grenzen.
  • Die Gesundheitsversorgung braucht klare und verlässliche politische Rahmen­setzungen, innerhalb derer ein Qualitätswettbewerb stattfinden kann. Es braucht zusätzlich politischen Mut, die notwendigen Strukturveränderungen anzugehen.

Die Autoren plädieren in ihren Stellungnahmen dafür, die vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen besser zu verteilen. Wichtig sei, die Zahl der Krankenhäuser zu verringern und nicht nur die Bettenzahl. © hil/aerzteblatt.de

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