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Mythen und Fehlinformationen halten Menschen von der Grippeimpfung ab

Dienstag, 25. Oktober 2016

/dpa

Berlin – Schwangere, ältere Menschen, immungeschwächte Patienten oder chronisch Kranke sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Darauf hat Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in einem Video auf KV.on hingewiesen.
Besondere Verantwortung tragen aus Sicht von Feldmann Praxisteams, die häufig Kon­takt mit Risikogruppen haben. „Zum einen, um sich nicht selbst anzustecken. Zum ande­ren, um gerade auch ihre geschwächten Patienten zu schützen“, so die KBV-Vorständin.

Sie empfiehlt Menschen, die viel Kontakt zu anderen Menschen haben, sich ebenfalls impfen zu lassen. Das gelte etwa für Mitarbeiter in Kindereinrichtungen oder Kaufhäu­sern. „Eigentlich könnte man sogar sagen, dass sich Menschen, die jeden Tag in großen Menschenansammlungen aufhalten müssen, auch im öffentlichen Nahverkehr, sicherer sind, wenn sie sich diese Impfung in ihrer Arztpraxis abholen“, betonte sie.

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Feldmann rät Arztpraxen darüber hinaus, Patienten intensiv aufzuklären. „Wir haben immer ein ganz großes Schild an der Wand hängen und auf dem Tresen stehen, Grippe­impfstoff ist eingetroffen, bitte lassen Sie sich impfen und die Patienten werden bei uns alle am Tresen angesprochen“, berichtete Feldmann. Die Durchimpfungsrate mit Grippe­impfungen in ihrer Praxis sei seit vielen Jahren „sehr hoch“.

Die Bedeutung der Grippeimpfung gerade für ältere und chronisch kranke Menschen betonte auch die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Die Fachgesellschaft be­klagt, die Akzeptanz der Impfung sei in Deutschland „besorgniserregend gering“.

Erschreckende Zahlen
Das zeigen auch neue Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Danach ist die Impfrate deutschlandweit in den vergangenen Jahren sogar zurück­ge­gangen: von knapp über 60 Prozent auf rund 54 Prozent. Das Zi bezieht sich dabei auf Personengruppen, für welche die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung ausdrücklich empfiehlt.

„Das sind besorgniserregend schlechte Quoten, wenn man bedenkt, dass gerade diese Gruppen durch Influenza besonders gefährdet sind“, sagte Bernd Salzberger, Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg und Vorstandsmitglied der DGI. In der gesamten Bevölkerung liege die Influenza-Impfrate bei etwa 30 Prozent.

Die wichtigsten Gründe für diese Zurückhaltung sind unzureichendes Vertrauen in die Impfung und die Ansicht, Influenza sei keine gefährliche Erkrankung. Das zeigt eine 2015 veröffentlichte Umfrage von Forschern des Robert Koch-Instituts unter 1.519 Erwachse­nen (doi 10.1186/s12889-015-1970-4).

So war beispielsweise die Hälfte der älteren und chronisch kranken Menschen – also der­jenigen, denen die Impfung explizit empfohlen wird – der Ansicht, die Influenza-Im­pfung könne die Erkrankung selbst auslösen. „Das ist ein Mythos, der sich hartnäckig hält“, so Salzberger.

Die DGI empfiehlt vor allem älteren und chronisch kranken Menschen, sich beim Haus­arzt zur Influenza-Impfung beraten und impfen zu lassen. „Oktober und November sind die ideale Zeit für die Impfung“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

KBV und Kassenärztliche Vereinigungen halten für Ärzte Infomaterial fürs Wartezimmer bereit.

© hil/may/EB/aerzteblatt.de

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