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Ärzteschaft

Auf Schlaganfall folgen oft Depression und Demenz

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Berlin – Das Angebot der 291 zertifizierten Stroke Units garantiert in Deutschland die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten. Hinzu kommt ein Netzwerk von Rehabilitationskliniken. Dennoch sei die Weiterversorgung weder strukturiert noch qualitätsgesichert, bemängelte Armin Grau, Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) auf einer Pressekonferenz in Berlin. Anlässlich des Weltschlaganfalltags plädiert die DSG dafür, neue Nachsorgekonzepte zu entwickeln, um Rezidive und Angststörungen zu verhindern. Eine entsprechende Checkliste liege bereits vor, würde aber kaum genutzt, erklärte Grau nur eine von mehreren möglichen Ansätzen.

„Vor allem bei der Weiterversorgung mit Heilmitteln existiert in Deutschland eine Unterversorgung“, sagte Grau. Dazu zählt er Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie – hier gebe es im ambulanten Bereich Verzögerungen und Schnittstellen­probleme. „Auch Depressionen werden noch zu selten erkannt und therapiert“, ist sich Grau sicher. Das zeige eine Studie des AQUA-Instituts. Depressionen können bereits in der Akutklinik beginnen, oder später, wenn der Patient wieder zu Hause ist und in 90 % der Fälle den Hausarzt aufsucht. In erster Linie müssten daher Neurologen und Hausärzte bei Schlaganfallpatienten aufmerksam für die Symptome einer Depression sein, so Grau.

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Die Weltschlaganfall Organisation hat bereits vor einigen Jahren eine Checkliste zur Nachsorge entwickelt. Diese kann der Patient ausfüllen und anschließend mit dem Arzt besprechen. Diese Checkliste in einer etwas abgewandelten Form in Deutschland einzusetzen, hält Grau für ein sinnvolles Werkzeug. Derzeit würden Ärzte sie jedoch kaum anwenden.

Ein anderer Ansatz, die Nachsorge zu verbessern, wäre ein regionales Schlaganfall­netzwerk mit Schlaganfallkoordinatoren und spezialisierten Pflegekräfte, sogenannten Stroke nurses. Ein solches Netzwerk würde die DSG gerne erproben und hat dieses Vorhaben auch im Rahmen des Innovationsfonds eingereicht. In Kürze wird sich entscheiden, ob das Projekt eine Förderung erhält.

Nach einem Schlaganfall bleibt etwa jeder zweite alltagsrelevant behindert. Jeder dritte entwickelt im ersten Jahr eine Angsterkrankung oder eine Depression, 10 % entwickeln eine Demenz, 50 % stürzen. Etwa 5 bis 6 % der Schlaganfall-Patienten erleiden in den ersten 90 Tagen nach dem Ereignis ein Rezidiv. Das zeigen Studien aus Rheinland-Pfalz.

Rezidive verhindern mit präventiven Maßnahmen

  • Antiaggregation
  • Statine
  • Antihypertensiva
  • Diät
  • Körperliche Aktivität

Dabei ließen sich Simulationsstudien zufolge etwa 80 % der Rezidiv­schlaganfälle verhindern durch fünf präventive Maßnahmen (siehe links). In einer Querschnittsstudie erreichten nach einem Schlaganfall lediglich 43 % beziehungsweise 25 % der Patienten in Deutschland ein leitliniengerechtes Ziel bei Blutdruck und Cholesterinspiegeln, 78 % warenübergewichtig und 17 % rauchten weiterhin. © gie/aerzteblatt.de

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