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Medizin

US-Präventions­institut: Ärzte sollen Stillen nach der Geburt fördern

Donnerstag, 27. Oktober 2016

dpa

Washington – Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) sieht angesichts der Vorteile des Stillens Ärzte in der Pflicht. Sie könnten und sollten die Mütter dazu an­halten, ihr Kind für mindestens sechs Monate zu stillen, heißt es in einer Empfehlung des unabhängigen Gremiums, das im Auftrag des US-Ge­sund­heits­mi­nis­teriums Empfehlungen herausgibt. Die Begründung wird in einem Evidenzreport im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 316: 1694-1705) veröffentlicht.

Wie in den meisten Ländern ist die Bereitschaft von Schwangeren, ihr Kind später zu stillen, in den USA zunächst groß. Etwa 80 Prozent der Frauen wollen dies, doch die meisten geben in den ersten Wochen auf. Nach sechs Monaten liegt die Stillquote nur noch bei etwa 20 Prozent. Dabei raten die Welt­gesund­heits­organi­sation und auch alle Fachgesellschaften jungen Müttern dazu, ihr Kind mindestens sechs Monate zu stillen.

Es hat in den letzten Jahren nicht an Vorschlägen gefehlt, wie die Stillquote gesteigert werden könnte. Ärzte, Hebammen und Pflegepersonal gelten als potenzielle Motiva­teure. Ein Team um Carrie Patnode vom Forschungszentrum des Krankenversorgers Kaiser Permanente in Portland hat für die USPSTF eine Reihe von Studien zu verschiedenen Interventionen analysiert.

Der Evidenzreport unterscheidet zwischen Interventionen auf individueller Ebene und Systemveränderungen. Interventionen auf individueller Ebene reichen von praktischen Ratschlägen bis zu Gruppensitzungen oder Schulungen von stillenden Müttern. Die Auswirkungen auf das Stillverhalten waren häufig gering und sie wiesen keineswegs immer in die gewünschte Richtung. Bei den individuellen Interventionen reichte die Bandbreite von einer Zunahme der Stillquote um 14,1 Prozent bis zu einem Rückgang um 18,4 Prozent.

Die Systemveränderungen streben beispielsweise an, die Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt zu verkürzen oder die Verfügbarkeit von Schnullern in der Geburtsklinik zu begrenzen. Die Studienergebnisse waren hier ebenfalls nicht konsistent. Die größten Erfolgschancen scheinen nach den Ergebnissen einer großen Beobachtungsstudie bei Frauen mit geringem Bildungsgrad zu bestehen, bei denen die Informationsdefizite am größten sind.

Die Auswirkungen der Interventionen für Mutter und Kind wurden ebenfalls in Studien untersucht. In einer Studie kam heraus, dass Kinder von Müttern, die an einer Intervention zur Förderung des Stillens teilgenommen hatten, in den ersten drei Monaten nur halb so häufig Durchfallerkrankungen erleiden. Eine zweite Studie konnte dies nicht bestätigen. Eine weitere Studie fand keinen Einfluss der Stillintervention auf die Häufigkeit einer Otitis media. Immerhin: Drei von vier Studien kamen zu dem Ergebnis, dass gestillte Kinder seltener wegen Krankheiten behandelt werden müssen. 

Die eigentlichen Vorteile des Stillens, die Experten in der Förderung der Hirnentwicklung sehen, waren nicht Gegenstand des Reports. Die USPSTF stützt ihre Empfehlung nach Möglichkeit auf randomisierte kontrollierte Studien. Solche Untersuchungen sind teuer und die Beobachtungszeiten deshalb in der Regel begrenzt. Ob das Stillen zu klügeren Kindern führt, wie einige Hirnforscher vermuten, ist deshalb nicht sicher belegt worden. Die Hinweise, die hierzu in epidemiologischen Studien gefunden wurden, sind umstritten.

Zu den möglichen Nachteilen des Stillens zählt die USPSTF eine Verängstigung der Frauen, die ein schlechtes Gewissen haben könnten, wenn sie durch eine Intervention zum Stillen motiviert werden, es dann aber doch nicht schaffen. In einer Studie hatten sich zwei von 258 Frauen in diesem Sinne geäußert. In einer anderen Studie mit 586 Frauen hatte es jedoch keine Probleme gegeben. Das positive Nutzen-Risiko-Verhältnis der Interventionen wird dadurch nicht infrage gestellt. Die USPSTF gibt einen Empfehlungsgrad B. Sie geht von einer hohen Evidenz für einen mäßigen Nutzen aus. © rme/aerzteblatt.de

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