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Medizin

Missbrauch und Misshandlung verändern Immunprozesse

Donnerstag, 27. Oktober 2016

/dpa

Ulm – Molekulare Ursachen dafür, dass sich noch Jahre nach Misshandlungen erhöhte Entzündungswerte im Blut von Kindern und Jugendlichen nachweisen lassen, hat eine Arbeitsgruppe der Ulmer Universität und Uniklinik beschrieben. Die Studienergebnisse sind in der Zeitschrift Mitochondrion erschienen (doi 10.1016/j.mito.2016.08.006).

„Langfristig bestehende Entzündungen können auf Dauer die Struktur sowie die Funk­tion von Zellen schädigen und das Immunsystem schwächen. Eine erhöhte Anfälligkeit für körperliche und psychische Erkrankungen kann die Folge sein“, erklärte Iris-Tatjana Kolassa, Leiterin der Abteilung klinische und biologische Psychologie an der Universität Ulm.

Ihr besonderes Interesse gilt molekularen Mechanismen, die Misshandlungserfahrungen und chronische Entzündungsprozesse miteinander verknüpfen. „Eine Schlüsselrolle spie­len dabei die Mitochondrien, also die Kraftwerke der Zellen. Diese kommen nicht zuletzt bei der Initiierung von Entzündungsreaktionen ins Spiel“, erläuterte Christina Böck, die Erstautorin der Studie. Das Ulmer Forscherteam beschreibt darin erste Hinweise auf eine veränderte Mitochondrienfunktion bei misshandelten Frauen.

Im Rahmen einer Voruntersuchung zur Ulmer Studie „Meine Kindheit – Deine Kindheit“ haben die Forscher zunächst 30 Frauen im Alter von 22 bis 44 Jahren Blut entnommen, die bis zum Alter von 18 Jahren in unterschiedlichem Ausmaß emotionale und körper­li­che Misshandlung und Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch erlebt haben. Ihr Blut wurde auf pro-entzündliche Biomarker (Zytokine, C-reaktives Protein), Hinweise auf oxidativen Stress und die Aktivität der Mitochondrien untersucht.

Die Analyse der Blutproben zeigte unter anderem, dass diese Frauen mehr Entzün­dungs­marker im Blut aufwiesen und dass dies mit einer gesteigerten Aktivität der Mito­chon­drien einherging. Die Analyse machte zudem deutlich, dass die Veränderungen auf Zellebene umso ausgeprägter waren, je schwerwiegender die Vernachlässigungs- und Misshandlungserfahrungen waren.

„Die vermehrten Entzündungsprozesse und die erhöhte mitochondriale Aktivität könnten eine schützende Anpassungsreaktion des Körpers unter exzessivem und chronischem Stress sein“, vermutete Kolassa. Langfristig führten diese aber zu einer erhöhten Anfälligkeit für bestimmte körperliche Folgeerkrankungen.

© hil/aerzteblatt.de

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