NewsÄrzteschaftMasern: Jedes dritte Kind nicht ausreichend geimpft
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Masern: Jedes dritte Kind nicht ausreichend geimpft

Donnerstag, 27. Oktober 2016

/dpa

Berlin – Deutschlandweit sind nur 63 Prozent aller Kleinkinder vor Vollendung des zwei­ten Lebensjahres vollständig gegen Masern geimpft. Das zeigt eine Studie des Wissen­schaftlerteams vom Versorgungsatlas, einer Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Die Forscher haben bei ihrer Studie den Impfstatus von 2,2 Millionen gesetzlich versi­cher­ten Kindern der Geburtsjahrgänge 2009 bis 2012 analysiert und die Impfquoten bis auf die Ebene der Landkreise hinab dokumentiert. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert aufgrund der schlechten Quote eine Impfpflicht gegen Ma­sern.

Die Spitzenreiter bei den Masernimpfungen liegen laut dem Versorgungsatlas in Nieder­sachsen: In Peine und in Wolfsburg sind 78 Prozent der Kleinkinder bis zu ihrem zweiten Geburtstag vollständig – also zweimal – gegen Masern geimpft. Die Schlusslichter liegen im Süden der Republik: die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosen­heim in Bayern. Dort erhalten nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die erforderlichen zwei Impfungen.

Anzeige

„Diese Impflücken bei Kleinkindern können in Kindertagesstätten und -horten fatale Fol­gen haben, wenn die Infektion eingeschleppt wird“, sagte Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas. Besonders alarmierend sei, dass in 13 Kreisen bei den Jahr­gängen 2009 bis 2012 die Quote für die zweite Impfung sogar gesunken sei. Deut­­lich sind laut Studie auch die Unterschiede zwischen den Quoten der ersten und der zweiten Impfung. Bei der ersten Immunisierung liegt die Quote auf Bundesebene bei 88 Prozent.

„Die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen, teilweise sinkende Impf­quo­ten und die deutlichen Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Impfung sind besorgniserregend. Sie bedeuten: Ob Kinder die lebenswichtige Masernimpfung be­kommen, hängt von ihrem Wohnort und von der Einsicht ihrer Eltern ab“, sagte der Prä­sident des BVKJ, Thomas Fischbach.

Er begrüßte die im sogenannten Präventionsgesetz verankerte Beratungspflicht für El­tern, die ihre Kinder in den Kindergarten schicken möchten. „Nur leider gibt es Eltern, die durch sachliche Argumente nicht zu erreichen sind. Und es gibt Eltern, die ihre Kinder aus Nachlässigkeit nicht zu den Vorsorgeuntersuchungen bringen oder die überfordert sind und Impftermine daher vernachlässigen“, kritisierte Fischbach. „Wir brauchen eine Impfpflicht. Deutschland hat sich der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) verpflichtet, bis 2015 die Masern und Röteln zu eliminieren. Es wird Zeit, dass wir dieses Ziel endlich erreichen“, sagte der BVKJ-Präsident.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18. Juli 2018
Schwerin – Eltern in Mecklenburg-Vorpommern, die sich für eine HPV-Impfung ihrer AOK-versicherten Jungen entscheiden, müssen nicht mehr in Vorleistung gehen. Darauf haben sich die Kassenärztliche
Mecklenburg-Vorpommern: HPV-Impfung für Jungen unbürokratisch möglich
16. Juli 2018
Dessau-Roßlau – Die Zahl der Masernfälle in Sachsen-Anhalt bleibt auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten erkrankten drei Menschen im Land an der Krankheit, wie das
Kaum Masern in Sachsen-Anhalt
16. Juli 2018
Rio de Janeiro – Eine Masernepidemie breitet sich unter Indigenen des Volkes der Yanomami im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Venezuela aus. Infizierte Indigene aus Venezuela hätten die Krankheit
Masern bedrohen Indigene im Grenzgebiet zu Venezuela
11. Juli 2018
Berlin – Die Union will gegen Vertragskonstruktionen der Krankenkassen vorgehen, mit denen diese das Verbot des Gesetzgebers zu exklusiven Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und einem einzigen
Union will Schlupflöcher für Krankenkassen bei Impfstoffversorgung schließen
11. Juli 2018
Köln – Die Stadt Köln will mit einer Impfkampagne einer immer weiter steigenden Zahl von Masernfällen in der Stadt Herr werden. Auf Plakaten und im Internet sollen Bürger aufgerufen werden, ihren
Köln kämpft mit Impfkampagne gegen Anstieg der Masernfälle
10. Juli 2018
Frankfurt am Main – Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat das Meldeverfahren zu Lieferengpässen von Impfstoffen zusammen mit dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und dem Bundesverbandes
Neues Meldeverfahren soll Lieferengpässen bei Impfstoffen entgegenwirken
6. Juli 2018
Stuttgart – Die Masernfälle sind in Baden-Württemberg wieder deutlich gestiegen. 81 Erkrankungen seien in der ersten Hälfte des Jahres gemeldet worden, teilte das Landesgesundheitsamt mit. Im selben

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER