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Medizin

Kardio-CT erspart in Studie die meisten Herzkatheter

Donnerstag, 27. Oktober 2016

dpa

Berlin – Eine kardiale Computertomographie (Kardio-CT) hat in einer randomisierten Studie sechs von sieben Herzkatheter-Untersuchungen vermieden, ohne dass es in den ersten drei Jahren danach häufiger zu kardiovaskulären Erkrankungen kam. Die im Britischen Ärzteblatt BMJ (2016; 355: i5441) veröffentlichten Ergebnisse sollen jetzt in einer größeren Studie überprüft werden.

In Deutschland werden jedes Jahr fast 1 Million Koronarangiographien durchgeführt. Bei einem Herzinfarkt kann durch eine perkutane koronare Intervention (PCI), bei der zumeist eine oder mehrere Stents implantiert werden, die Prognose der Patienten verbessert werden. Die meisten Patienten, bei denen eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt wird, haben jedoch unklare Beschwerden. Bei vielen stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass sie keinen Stent benötigen. 

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Der technische Fortschritt bei der Computertomographie hat dazu geführt, dass heute im Kardio-CT Verkalkungen der Koronararterien erkannt werden können. Ist dies nicht der Fall, kann auf eine Koronarangiographie verzichtet werden. Marc Dewey von der Charité-Universitätsmedizin in Berlin und Mitarbeiter haben diese Strategie in einer randomisierten Studie untersucht. Patienten, bei denen die Kardiologen aufgrund einer atypischen Angina pectoris für eine Koronarangiographie plädiert hatten, wurden auf zwei Gruppen verteilt.

Bei einer Hälfte wurde sofort eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt, bei der anderen Hälfte wurde die Entscheidung von den Ergebnissen des Kardio-CTs abhängig gemacht. Dies führte dazu, dass bei 143 von 167 (85,6 Prozent) mit Kardio-CT untersuchten Patienten auf eine Herzkatheteruntersuchung verzichtet wurde.

Diese Patienten wurden ohne weitere Untersuchung entlassen. Nur bei 22 Patienten (14,4 Prozent) wurde eine Koronarangiographie durchgeführt. Bei 12 Patienten wurde ein Stent implantiert, drei weitere wurden zum Herzchirurgen zur Bypass-Operation überwiesen. In der Vergleichsgruppe wurde bei 137 von 162 Patienten (84,6 Prozent) bei der Herzkatheteruntersuchung kein Befund gefunden, der die Implantation eines Stents oder die Überweisung zum Herzchirurgen zur Bypass-Operation notwendig gemacht hätte.

Dies bedeutet, so Dewey, dass das Kardio-CT die Notwendigkeit eines Herzkatheters von 100 auf knapp 14 Prozent gesenkt hat. Bei dem CT wurden dann fünfmal häufiger eine Intervention notwendig als in der Gruppe, die direkt einen Herzkatheter bekamen.

Die Nachbeobachtung sollte klären, ob der Verzicht auf die Herzkatheteruntersuchung keine Nachteile für die Patienten hatte. Die war nach median 3,3 Jahren nicht erkennbar. Ein MACE-Ereignis („major adverse cardiovascular event“), definiert als Myokardinfarkt, Herztod, Schlaganfall, instabile Angina pectoris oder Revasku­larisierung, trat in der Kardio-CT-Gruppe bei sieben von 167 Patienten (4,2 Prozent) auf gegenüber sechs MACE-Ereignissen von 162 Patienten (3,7 Prozent) in der Koronarangiographiegruppe. Die adjustierte Hazard Ratio von 0,90 war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,30 bis 2,69  nicht signifikant.

Die Kardio-CT verkürzte außerdem den Aufenthalt der Patienten um 23 Stunden, und 79 Prozent der Patienten würden sie bei einer zukünftigen Untersuchung bevorzugen.

Die Ergebnisse der Studie sollen jetzt in der DISCHARGE-Studie europaweit überprüft werden. Dewey meint jedoch, dass bereits jetzt ernsthaft mit dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss über die Aufnahme des Kardio-CTs in den Leistungskatalog diskutiert werden sollte. Außerdem seien Forschungsförderungen des Bundes und der Europäischen Kommission zu den gesundheitsökonomischen Implikationen und neuen Früherkennungsstrategien mit dem Kardio-CT erforderlich. © rme/aerzteblatt.de

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