Medizin

Multiple Sklerose: Immer mehr Patienten ohne Behinderungen

Freitag, 28. Oktober 2016

Berlin – Auf die Fortschritte bei der Therapie der Multiplen Sklerose hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hingewiesen. Sie bezieht sich dabei auf eine Studie der University of California in San Francisco. Die Arbeit des Teams um Stephen Hauser ist in der Zeitschrift Annals of Neurol erschienen (doi: 10.1002/ana.24747).

„Was man bisher über den Langzeitverlauf der MS wusste, stammt aus Zeiten, in denen noch keine gezielte Therapie zur Verfügung stand, spiegelt also die Entwicklung der Symptome ohne Behandlung wider“, erläuterte DGN-Experte Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

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Um besser zu ver­stehen, inwieweit heutige Standardmedikamente auf lange Sicht Behin­derungen reduzieren, hat ein Forscherteam um Stephen Hauser von der University of Cali­fornia in San Francisco nun Daten von 517 Patienten ausgewertet, die über viele Jahre in diesem Zentrum in Behandlung und unter Beobachtung waren.

Die Studienteilnehmer wurden bis zu zehn Jahre lang begleitet. Dabei erfassten die Forscher rückblickend die Entwicklung von Behinderungen seit der Diagnose. Dafür nutzten sie die Standardskala EDSS (Expanded Disability Status Scale), die MS-bedingte Behinderungen systematisch erfasst.

Es zeigte sich, dass der Wert bei 41 Prozent der Studienteilnehmer unter einer Therapie mit Interferon beta und nötigenfalls hochpotenten Wirkstoffen wie Natalizumab und Ri­tuximab stabil blieb oder sich sogar verbesserte. Einen EDSS-Wert von 6 oder größer – gleichbedeutend mit der Notwendigkeit von Krücken oder (ab EDSS 7) eines Rollstuhls – erreichten während der medianen Krankheitszeit von 16,8 Jahren hier lediglich 10,7 Pro­zent der Patienten. Bleiben die Patienten unbehandelt, sind es etwa 50 Prozent, die in diesem Zeitraum ähnlich schwere Behinderungen erleiden, wie frühere Studien gezeigt haben.

Überraschend war auch, dass lediglich 18,1 Prozent der Patienten, die anfangs mit der schubförmigen Form der MS (RRMS) diagnostiziert wurden, eine sekundär progrediente MS (SPMS) entwickelten. Die SPMS wird meist als zweites Krankheitsstadium betrachtet und ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Behinderungen und Läsionen im Gehirn der Patienten zwischen den Schüben kaum noch zurückbilden. Wiederum zeigen frühere Erfahrungen, dass ohne Behandlung mindestens doppelt so viele im Beobachtungs­zeit­raum zur SPMS konvertieren würden, nämlich zwischen 36 Prozent und 50 Prozent der Patienten.

„Die aktuellen Zahlen stammen zwar nur aus einem einzigen Zentrum, deshalb muss man sie mit Vorsicht interpretieren. Sie zeigen aber, dass wir bei der MS auf einem guten Weg sind und unseren Patienten heute eine Vielzahl Therapien anbieten können, die ihre Selbst­ständigkeit und Lebensqualität lange erhalten“, sagte Wiendl.

Gleichwohl mache die Studie deutlich, dass die MS-Forschung noch lange nicht am Ziel sei: „Wir können noch nicht allen Patienten schwere Einschränkungen ersparen und haben noch keine guten individuellen Vorhersagemöglichkeiten für den Verlauf und das Ansprechen auf die Therapie“, so der MS-Experte. © hil/aerzteblatt.de

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dorina12
am Dienstag, 1. November 2016, 22:13

Multiple Sklerose: Immer mehr Patienten ohne Behinderungen

Ich denke das ist relativ bekannt auch unter Betroffenen. Dennoch denke ich auch an psychische und kognitive Probleme, was den Patienten sehr zu schaffen macht. Was hier aber garnicht in diesem Artikel aufgeführt wird, sind Patienten mit einer MS mit primär progredienter Verlaufsform. Da wird werder geforscht nich gibt es irgendwelche Therapien und es sind nicht wenige, die diese Verlaufsform haben. Publikationen über diese Form der MS wären für viele, auch Nichtmediziner wichtig.
Goetzmann
am Sonntag, 30. Oktober 2016, 09:52

Multiple Sklerose: Immer mehr Patienten ohne Behinderungen

Diese Studie macht sehr viel Mut. Was ich aber sehr vermisse - nicht nur in dieser Studie - ist die Erfassung kognitiver Störungen und psychischer Begleiterkrankungen. Sie schränken Betroffene mindestens genauso ein.

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