NewsVermischtesKein Schadensersatz wegen ungenügender Aufklärung über Nierenspende
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Kein Schadensersatz wegen ungenügender Aufklärung über Nierenspende

Freitag, 28. Oktober 2016

Hamm – Die ungenügende Aufklärung über eine Lebendnierenspende durch eine Klinik begründet nicht automatisch einen Schadensersatzanspruch. Das geht aus einer heute veröffentlichten Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm hervor. In dem Revisions­verfahren bestätigte es ein erstinstanzliches Urteil des Landgerichts Essen (Az 3 U 6/16).

Geklagt hatte eine Frau, die 2009 ihrem schwerkranken Vater eine Niere gespendet hatte. Fünf Jahre später verlor dieser das ihm gespendete Organ. Die Tochter, eine Arzt­helferin, verklagte das Klinikum auf Schadenersatz und Schmerzensgeld von 50.000 Eu­ro. Sie behauptete laut Gericht, infolge der Organspende an Erschöpfungssyndrom und einer Niereninsuffizienz zu leiden. Die Lebendnierenspende hätte aus medizinischer Sicht nie vorgenommen werden dürfen, so die Frau. Zudem sei sie vor der Spende nicht hin­rei­chend über die Folgen aufgeklärt worden.

Das Hammer Gericht wies die Klage ab. Es kam nach Anhörung von Sachverständigen zu der Auffassung, dass kein Behandlungsfehler vorliege und die Lebendnierenspende nicht kontraindiziert war. Auch das Argument einer mangelnden Aufklärung ließ das Ge­richt nicht gelten. Zwar habe das Gespräch den formellen Anforderungen des Transplan­tations­gesetzes nicht genügt. Die in der Vorschrift niedergelegten allge­meinen Verfah­rens­regelungen seien jedoch nur Ordnungsvorschriften und regelten nicht die Voraus­setzungen einer wirksamen Einwilligung des Spenders.

Anzeige

Nach Ansicht des Gerichts ist es der Klägerin auch in der Zweiten Instanz nicht gelungen, plausibel darzulegen, dass sie im Fall einer hinreichenden Aufklärung von einer Organ­spende abgesehen hätte. Sie habe sich zur Lebendspende entschlossen, weil sie den Tod ihres Vater beziehungsweise eine schwere Dialysebehandlung befürchtet habe. Ihre Einwilligung habe sie „in Kenntnis einiger – von ihr als Arzthelferin – durchaus als gra­vie­rend eingeschätzter, unter Umständen auch die Lebensqualität erheblich einschränken­der Risiken erteilt“, so das Gericht.

© kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. September 2019
Karlsruhe – Der Streit um Schadenersatz im Skandal um minderwertige Brustimplantate aus Industriesilikon stellt den Bundesgerichtshof (BGH) vor schwierige Fragen. Im Revisionsprozess zwischen der AOK
Bundesgerichtshof spricht beim Schadenersatz nach Silikonskandal von schwieriger Entscheidung
10. September 2019
Frankfurt/Main/Saarbrücken – Der unter Mordverdacht stehende Krankenpfleger aus dem Saarland hat auch am Klinikum in Frankfurt-Höchst gearbeitet. Der Mann sei von April bis September 2014 angestellt
Krankenpfleger unter Mordverdacht war in Frankfurt-Höchst beschäftigt
4. September 2019
Memmingen – Die Polizei ermittelt gegen drei schwäbische Apotheker wegen verbotener Arzneimittelherstellung. Wie die Beamten gestern berichteten, bestehe aufgrund einer Mitteilung des Landratsamtes
Ermittlungen gegen Apotheker wegen verbotener Arzneimittelherstellung
2. September 2019
Frankfurt am Main – Nach den Mordermittlungen gegen einen Krankenpfleger in Saarbrücken untersucht die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, ob der Mann womöglich auch dort Straftaten begangen haben
Krankenpfleger unter Mordverdacht: Untersuchung auch in Frankfurt
30. August 2019
Saarbrücken/ Völklingen – Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt gegen einen Krankenpfleger wegen fünffachen Mordes und zweifachen Mordversuchs. Der Mann soll Patienten nicht verordnete
Ermittlungen gegen Krankenpfleger wegen fünffachen Mordes
6. August 2019
Göttingen/Braunschweig –Gut vier Jahre nach seinem Freispruch im Prozess um den Göttinger Transplantationsskandal verlangt ein Arzt gut 1,2 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Niedersachsen. Eine
Transplantationsmediziner fordert nach Freispruch rund 1,2 Millionen Euro
2. August 2019
Düsseldorf – Wegen Titelmissbrauchs ist ein Schönheits-Operateur heute vom Amtsgericht Düsseldorf verurteilt worden. Das Gericht bestätigte nach einer mündlichen Verhandlung einen Strafbefehl gegen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER