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Medizin

COPD: Sauerstofftherapie bei milder Hypoxämie ohne Überlebensvorteil in Studie

Freitag, 28. Oktober 2016

Baltimore – Der frühzeitige Beginn einer Langzeit-Sauerstofftherapie kann die Prognose von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) nicht verbessern, bei denen es noch nicht zu einer schweren Hypoxämie gekommen ist. Dies kam in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2016; 375: 1617-1627) heraus.

Die Langzeit-Sauerstofftherapie war die erste Behandlung, die die Prognose von Patienten mit schwerer COPD verbessert hat. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn die Sauerstoffaufnahme stark eingeschränkt ist und die Patienten in der Regel unter erheblicher Luftnot leiden, besteht am Nutzen der Behandlung kein Zweifel.

Die Langzeit-Sauerstofftherapie wird jedoch immer häufiger auch Patienten mit milder Hypoxämie angeboten, wobei die einfache Bestimmung der Sauerstoffsättigung mit der Pulsoxymetrie die Entscheidung zur Therapie sicherlich erleichtert. Es ist jedoch nicht belegt, dass eine Langzeit-Sauerstofftherapie, die mit erheblichen Kosten für die Krankenkassen verbunden ist und den Aktionsradius der Patienten einschränkt, in diesem Stadium der Erkrankung bereits einen Nutzen erzielt.

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Das US-National Heart, Lung, and Blood Institute hat deshalb 2009 mit einer Studie begonnen, an der in 42 US-Zentren insgesamt 738 Patienten mit COPD teilnahmen. Einschlusskriterium war ursprünglich nur eine Sauerstoffsättigung (SpO2) zwischen 89 und 93 Prozent in Ruhe (moderate Hypoxämie in Ruhe), die per Pulsoxymetrie gemessen wurde. Da es schwierig wurde, Patienten für die Teilnahme zu gewinnen, wurden schon bald zusätzlich Patienten akzeptiert, deren SpO2 während eines 6-minütigen Spaziergangs auf unter 90 Prozent abfiel. Ausgeschlossen waren Patienten, bei denen der SpO2 bereits in Ruhe auf unter 89 Prozent abgefallen war. Hier ist immer eine Sauerstoffgabe angezeigt.

Die Hälfte der Teilnehmer erhielt ein Gerät zur Langzeit-Sauerstofftherapie. Sie sollten die Therapie nach Möglichkeit 24 Stunden am Tag durchführen, solange der SpO2 auf 89 bis 93 Prozent abgefallen war. Wenn der SpO2 nur bei körperlichen Anstrengungen abfiel, konnten sie die Sauerstofftherapie auf die Phase körperlicher Anstrengungen und die Nacht beschränken. In der Kontrollgruppe wurde die Langzeit-Sauerstofftherapie erst begonnen, wenn der SpO2 in Ruhe auf unter 88 Prozent und bei Belastung auf unter 80 Prozent abgefallen war. Der Bedarf der Sauerstoffbehandlung wurde dann alle 30 Tage neu überprüft. 

Primärer Endpunkt der LOTT-Studie (Long-Term Oxygen Treatment Trial) sollte ursprünglich nur die Sterberate der Patienten sein. Da sich früh abzeichnete, dass es nur wenige Todesfälle geben wird, wurde der Endpunkt um Hospitalisierungen aus jeglicher Ursache erweitert.

In beiden Endpunkten gab es bis zur letzten Untersuchung im August 2015 keine Unterschiede. Von den 370 Patienten mit sofortiger Langzeit-Sauerstofftherapie waren nach 1 bis 6 Jahren 73 Patienten gestorben. In der Vergleichsgruppe waren es 66 Patienten. Das Team um Robert Wise von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore errechnet eine Hazard Ratio von 0,90, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,64 bis 1,25 nicht signifikant war.

Auch im erweiterten primären Endpunkt, der in der Therapie-Gruppe bei 250 Patienten und in der Kontrollgruppe bei 248 Patienten aufgetreten war, gab es keine Unter­schiede. Die Hazard Ratio betrug hier 0,94 (0,79-1,12). Auch bei COPD-Exazerbationen (Hazard Ratio 1,08; 0,98-1,19) und COPD-bezogenen Hospitalisierungen (Hazard Ratio 0,99; 0,83-1,17) gab es keine Unterschiede. 

Die Studie zeigt, dass ein frühzeitiger Beginn der Langzeit-Sauerstofftherapie für die Patienten keinen Vorteil hat, was allerdings nicht ausschließt, dass die Behandlung dem einen oder anderen Patienten nutzt. Magnus Ekström von der Universität Lund schlägt im Editorial vor, bei den Patienten in einem blinden Experiment probeweise eine Therapie mit Sauerstoff oder reiner Luft zu beginnen und die Langzeittherapie nur einzuleiten, wenn der Patient (nur) unter der Sauerstoffbehandlung eine Erleichterung verspürt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #71260
Mick_Is_Een
am Samstag, 29. Oktober 2016, 23:56

Verblüffend und ...

... für mich nicht recht nachvollziehbar, da ich selbst sehr von der Sauerstofftherapie profitiert habe. Ich war schon vor knapp 10 Jahren kaum mehr belastbar, konnte aber unter zusätzlicher Sauerstoffgabe noch sehr viele Jahre regelmäßiges Ergometertraining absolvieren und mich so noch recht fit halten. Ohne zusätzlichen Sauerstoff war ich sofort "platt" bzw. musste ich die Wattzahlen fast gegen Null runter regeln, um wenigstens einige Minuten durchhalten zu können.
Schade, wenn diese Möglichkeiten durch solche Ergebnisse demnächst weiter eingeschränkt würden, sehr schade!
Avatar #719203
ikom
am Samstag, 29. Oktober 2016, 12:20

Enttäuschung!!!

Wow, das ist eine ganz schöne Enttäuschung?! D.h., was bleibt?? Wäre die Eigenbehandlung mit einem Sauerstoffkonzentrator übergangsweise eine Lösung? Welches Modell wäre im positiven Fall empfehlenswert?

Oxycare?? http://sauerstoffkonzentratoren.com/sauerstoffkonzentrator-oxycare/

Oder tut es auch der günstige Allrounder EverFlo?

Danke für eine paar Tipps...
LNS

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