NewsÄrzteschaftÄrzte fordern bessere Rahmen­bedingungen für die Substitutions­therapie
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärzte fordern bessere Rahmen­bedingungen für die Substitutions­therapie

Montag, 31. Oktober 2016

/dpa

Berlin – Die Zahl der Ärzte, die suchtkranke Patienten mit einer Substitutionstherapie ver­­sorgen, stagniert. Gleichzeitig steigt die Zahl der heroinabhängigen Patienten, die ei­ne solche Therapie erhalten. Die Ärzteschaft fordert daher schon länger, die soge­nannte Betäubungsmittel-Verschreibungs-Verordnung (BtMVV) zu reformieren. Auf ei­nem parla­mentarischen Abends zur Substitutionstherapie in Berlin versprach die Drogenbeauftrag­te der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), dass die BtMVV-Reform noch während ihrer Amtszeit kommen werde: „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, so Mortler wörtlich.

Tim Pfeiffer-Gerschel vom Institut für Therapieforschung in München legte auf dem Treffen dar, dass es 90.000 oder mehr Patienten sind, die in Deutschland substituiert werden. „Der Versorgungsengpass droht nicht – er ist längst da“, betonte er.

Anzeige

Die Reform soll unter anderem dafür sorgen, dass medizinisch-therapeutische Erforder­nisse künftig in den entsprechenden Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und nicht länger in der BtMVV geregelt werden. Dafür sprachen sich auf dem parlamen­tarischen Abend Birgit Naase, Ministerialdirigentin im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), und Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Sucht und Drogen der BÄK, aus.

Mischo betonte, dass die substituierenden Ärzte etwa bei Therapiekonzepten oder der Auswahl des Substitutionsmittels flexibel und adäquat auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Patienten reagieren müssten. Wichtig sei außerdem mehr Flexibilität beim Ort der Substitution. Bewegung soll auch in die Konsiliarregelung kommen, um mehr Patienten in der Allgemeinarztpraxis und auf dem Land versorgen zu können. Schließlich sollten auch die Therapieziele überarbeitet und den wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Langzeit­stu­dien angepasst werden. Die Ärzte drängen darauf, dass die langfristige gesundheit­liche Stabilisierung der Patien­ten vorrangiges Ziel der Substitutionstherapie sein müsse.

Mischo erläuterte auf dem Treffen, die BÄK arbeite bereits an der Novellierung ihrer Subs­titutions-Richtlinien. Besonders wichtig sei, die Regelungen rechtssicher und trans­parent zu gestalten, damit sich wieder mehr Ärzte dafür entscheiden, die Therapie anzu­bieten, so Mischo.

Regina Feldmann, stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesver­einigung (KBV), kritisierte die augenblickliche Vergütung für die Therapie. „Angesichts der drohen­den Versorgungslücke bei Suchtmedizinern ist eine Anpassung des Honorars drin­gend geboten, um mehr niedergelassene Ärzte sowie ausreichenden Nachwuchs motivieren zu können“, sagte sie.

Bei dem Treffen zeigten sich auch Parlamentarier ungeduldig über den schleppenden Reformprozess. So forderte die bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium nach jahrelanger Reformdiskussion „endlich ein Ergebnis“.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Mai 2020
Berlin – Vor Engpässen bei Substitionsbehandlungen warnen verschiedene Fachorganisationen im Gesundheitswesen. „Die Versorgung von heroinabhängigen Menschen mit Substitutionstherapien in Deutschland
Warnung vor Engpässen in der Substitutionstherapie
28. April 2020
Berlin – Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat eine FAQ-Liste zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger auf Basis der Betäubungs­mittel­verschreibungs­verordnung (BtMVV) und der
BÄK informiert über Substitutionstherapie opioidabhängiger Menschen
20. November 2019
Stuttgart – In Baden-Württemberg werden die Ärzte knapp, die Abhängigen eine Substitutionstherapie anbieten können. „Wenn wir nicht gegensteuern, droht in den nächsten Jahren in allen Stadt- und
Neuer Pakt für Substitutionstherapie in Baden-Württemberg
23. Oktober 2019
Berlin – Die neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, stellte sich heute in Berlin den Fragen von Pressevertretern. „Es gibt ein hohes Gesprächsbedürfnis von allen Seiten und ich
Drogenbeauftragte will sich für mehr substituierende Ärzte stark machen
18. Oktober 2019
Berlin – In Deutschland leben schätzungsweise rund 166.000 Menschen, die opioidabhängig sind. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Die
166.000 Opioidabhängige in Deutschland
29. April 2019
Amsterdam – Die Substitutionstherapie von Opioidabhängigen kann künftig mit einem subkutanen Implantat durchgeführt werden, aus dem das Ersatzopioid Buprenorphin über einen Zeitraum von 6 Monaten
EMA spricht sich für Buprenorphin-Implantat zur Behandlung von Opioidabhängigkeit aus
24. April 2019
Berlin – Zehn Jahre nach dem offiziellen Startschuss für den flächendeckenden Einsatz künstlichen Heroins auf Kassenkosten sind bundesweit drei weitere Abgabestellen entstanden. Insgesamt gibt es nun
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER