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Der MediBus der Deutschen Bahn soll Impflücken bei Asylsuchenden schließen

Donnerstag, 3. November 2016

medibus-Modell und Einverständniserklärung /gie

Berlin – Heute nimmt das deutschlandweite erste Impfmobil für Geflüchtete in Berlin seine Arbeit auf. Besetzt mit medizinischem Personal der Charité wird der MediBus zunächst in den kommenden zwei Monaten täglich ein bis zwei Notunterkünfte ansteuern. Erster Stopp war heute die Notunterkunft Marburgerstr. 4 in Charlottenburg-Wilmersdorf. Geimpft wird unter anderem gegen Diphtherie, Tetanus, Masern, Mumps und Röteln. Das Versorgungskonzept wurde von der Universitätsklinik und dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten entwickelt.

Im Winter 2015 steckten sich in einer Berliner Notunterkunft mehrere Geflüchtete mit Masern an und lösten so vermutlich eine Welle von Erkrankungen aus. „Dieses Szenario soll sich in diesem Jahr nicht weiderholen“, sagt Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité anlässlich der Einweihung des MediBus. Die Impfungen führt medizinisches Personal nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission direkt im Bus durch. Zuerst überprüfen sie den Impfstatus so weit möglich, informieren die Geflüchteten und lassen sie eine Einverständniserklärung unterschreiben.

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Kaum Impflücken vermutet Sandra Scheeres bei minderjährigen Flüchtlingen. In Berlin wurden bereits 20.000 Kinder in Schulen integriert. Eine Impfung sei dafür Voraussetzung gewesen, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende der Charité und Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Schon damals habe die Charité innerhalb eines Wochenedes 2.000 Jugendliche an einem Wochenende durchgeimpft. „Die Impfquote dürfte bei Kindern und Jugendlichen bei annähernd 100 Prozent liegen“, stimmt daher auch Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales, zu. Bei den Erwachsenen geht er von einer Impfrate von etwa 80 Prozent aus. „Die Bereitschaft der Geflüchteten, sich zu impfen ist groß. Probleme mit Impfverweigeren, wie wir sie vom Helmholzplatz oder dem Paul-Lincke Ufer kennen, gibt es hier nicht“, sagt Czaja. Auch Frei geht davon aus, dass am Ende der MediBus-Tour, die Geflüchteten besser geimpft sein werden, als die Berliner.

Der Bus eignet sich aber nicht nur für die Erstversorgung und Prävention Geflüchteter. „Im ländlichen Raum könnte er ebenso zum Einsatz kommen“, sagt Christian Gravert, Leitender Arzt der Deutschen Bahn. Auch Zahnärzte hätten bereits Interesse gezeigt. Alte Busse, die man umbauen könne, gebe es bei der Deutschen Bahn genug. Wenn der Einsatz des Prototypen sich innerhalb der zwei Monate bewährt, kann sich Gravert daher einen Ausbau des Projektes gut vorstellen. Die monatliche Bus-Miete beispielsweise für eine Arztpraxis betrüge etwa 3.000 Euro, sagt Gravert.

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Für den MediBus wurde eigens ein zwölf Meter langer Linienbus umgebaut. Bereits beim Check-in können die Geflüchteten über das Wlan-Netz des Busses ein Informations-Video auf ihrem Smartphone ansehen. Sollten Sprachbarrieren die Kommunikation behindern, steht innerhalb von zwei Minuten ein Pool von etwa 750 Dolmetschern live per Videozuschaltung in 50 Sprachen zur Verfügung. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Bahn, Cisco Systems GmbH und SAVD Videodolmetschen GmbH. Der Impfbus wird aus Mitteln des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten finanziert und kostet pro Einsatztag rund 350 Euro. © gie/aerzteblatt.de

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