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Ärzteschaft

BÄK fordert Portalpraxen in Notaufnahmen

Freitag, 4. November 2016

/dpa

Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) hat eine bessere Steuerung von Patienten in den Notfallambulanzen der Kliniken gefordert. BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery sagte, um Notfallambulanzen zu ent­lasten, sollten an den Krankenhäusern Portalpraxen als erste Anlaufstelle eingerich­tet werden. Dort könne schnell entschieden werden, ob der Patient ambulant von einem niederge­lassenen Arzt behandelt werden könne oder wegen einer schwierigeren Diag­no­se und Therapie stationär aufgenommen werden müsse.

Nach der Anfang des Jahres in Kraft getretenen Krankenhausstrukturreform sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) solche Portalpraxen in oder an Krankenhäusern ein­richten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht Portalpraxen als einen möglichen Weg an, um das Problem anzugehen. Zuständig sind nach Ansicht von KBV-Chef Andreas Gassen aber die Regionen. In einem Interview mit KV.on erklärte er, eine zentrale Lösung könne nicht von Berlin aus vorgegeben werden. Es sei „durchaus möglich, dass in einer vernünftigen Abstimmung in den Landes-KVen beispielsweise mit Kranken­haus­trägern auch eine Portalpraxis eine gute Lösung sein kann, oder Ärztliche Bereit­schafts­dienstpraxen an Krankenhäusern, hier gibt es ja vielfältige Modelle“, so Gassen.

Um die Probleme anzugehen, fordert der KBV-Vorstandsvorsitzende vor allem auch eine gute Patientenaufklärung. Patienten würden sich häufig in Unkenntnis oder einer fal­schen Ein­schätzung ihrer persönlichen Situation als Notfall empfinden, betonte Gassen. Aller­dings diagnostizierten und behandelten Kliniken auch zu oft Patienten, die nicht in die Krankenhausambulanzen gehörten. „Das ist sicherlich nicht akzeptabel“, sagte Gassen.

Der KBV-Chef erklärte, es gehe zudem darum, dass finanzielle Mittel völlig falsch alloziert würden. Darüber hinaus gebe es Fehlbelegungen in den Krankenhäusern und falsche Patien­ten in den Notaufnahmen. „Das sind alles Punkte, die so nicht zu akzeptieren sind, hier müssen wir eine Lösung finden, idealerweise gemeinsam mit den Kollegen aus dem Krankenhaus und der Deutschen Krankenhausgesellschaft“, erklärte Gassen.

Er verwies darauf, dass die derzeitige Einweisungspraxis teuer sei. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (Zi) hat es ausgerechnet: Knapp dreieinhalb Millionen unnötige Krankenhausaufenthalte verursachen Kosten in Höhe von rund fünf Milliarden Euro pro Jahr.

Neben der Fehlsteuerung in Notaufnahmen melden Krankenhäuser vermehrt Übergriffe auf Ärzte und Pfleger. Die BÄK fordert daher mehr Sicherheitspersonal. Als Ursachen für zunehmende Pöbeleien und Übergriffe in Notfall­am­bu­lanzen nannte Montgomery unter anderem deren „absolute Überlastung“. Denn viele Patienten gingen heute direkt in die Notfallambulanz, um dort schneller umfassende Hilfe zu erhal­ten.

Tatsächlich müssten sie dort aber häufig lange warten – „teilweise sechs bis sieben Stun­den sitzen sie dort, bevor sie behandelt werden“. Dies führe dann häufig dazu, dass die Patienten ungeduldig würden, „vor allem wenn sie sehen, dass andere Patienten aus me­dizinischen Gründen ihnen vorgezogen werden.“ Zudem habe offenbar die An­spruchs­haltung bei manchen Patienten zugenommen, auch bei weniger dringlichen Prob­lemen sofortige Leistung zu erhalten. Aber: „Schuldzuweisungen helfen überhaupt nichts. Wir brauchen Kooperationen und müssen dringend Sicherheitslinien einziehen.“ © dpa/may/aerzteblatt.de

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