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Medizin

Traumatische Belastungsstörung könnte neuronale Netzwerke bei Kindern stören

Montag, 7. November 2016

Sichuan – Wenn ein Kind nach einem psychischen Trauma an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, könnte dies die Integrität seiner neuronalen Verbindungen nachhaltig stören. Diesen Schluss lassen Untersuchungen mit MRT-Aufnahmen zu, über deren Ergebnisse Forscher um Qiyong Gong an der Sichuan University in Radiology be­richten (2016; doi: 10.1148/radiol.2016160907).

Traumata in der Kindheit sind besonders problematisch, da sich das Gehirn noch in ei­ner frühen Phase seiner Entwicklung befindet. Demnach ist es besonders vulnerabel für traumatische Einflüsse. Unvollständig erforscht ist, welche Folgen Traumata auf das em­pfindliche neurophysiologische biochemische Gleichgewicht im zentralen Nerven­system haben.

In der Studie nutzten die Forscher die sogenannte Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI). Das Verfahren ist eine verfeinerte dreidimensionale Variante von diffusionsgewichteten MRT-Aufnahmen, einer Spezialaufnahme für die Schlaganfalldiagnostik. Mithilfe der DTI lassen sich neuronale Netzwerke und Verbindungen darstellen.

Die Forscher schlossen 24 Kinder, die an einer PTBS litten, und 23 Kinder, die keine PTBS aufwiesen, in ihre Studie ein. Alle 47 Kinder hatten das Sichuan-Erdbeben von 2008 erlebt.

Die DTI-Aufnahmen zeigten, dass zwischen den Kindern mit und ohne PTBS deutliche Un­terschiede in den neuronalen Verbindungen bestanden. Die gesunden Kinder zeigten ausgedehnte Verbindungen zwischen einzelnen neuronalen Knotenpunkten. Das Netz­werk entsprach einem „small-world network“, also einem Netzwerk, bei dem jeder neu­ro­nale Punkt von einem beliebigen Startpunkt schnell erreicht wird.

Bei den erkrank­ten Kindern war das Netzwerk eher lokalisiert und vergleichsweise un­flexibel. Bei ihnen waren die Wege zwischen den einzelnen neuronalen Knotenpunkten länger. Relevant ist der Aufbau dieses Netzwerkes auch für die Wahrnehmung und Un­terscheidung von wichtigen und unwichtigen Stimuli.

Die Forscher vermuten, dass die Störung des neuronalen Netzwerks eine direkte Folge der PTBS sein könnte. Die Studie würde somit wichtige Hinweise in die Pathophysiologie der Erkrankung liefern. © hil/aerzteblatt.de

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