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Politik

Brandenburg: 14,5 Millionen Euro für neue Versorgungs­strukturen

Dienstag, 8. November 2016

Berlin/Potsdam – In Templin und Umgebung können künftig neue medizinische und sek­to­­ren­übergreifende Versorgungsformen entwickelt und erprobt werden. Das Projekt „Struk­turmigration im Mittelbereich Templin“ (StimMT) wird mit rund 14,5 Millionen Euro vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) gefördert, wie heu­­te die Antragssteller und Projektpartner – die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Ge­sund­heitsversorgung in Brandenburg“ (IGiB), bestehend aus Kassenärztlicher Verei­ni­gung Brandenburg (KVBB), AOK Nordost und Barmer GEK, sowie die Sana Kliniken Berlin-Brandenburg – in Berlin mitteil­ten.

Nach einer Prognose des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg wird die Bevölkerung im Mittelbereich Templin bis 2030 um ein Fünftel abnehmen. Zugleich wird die Anzahl der Be­­wohner über 65 Jahren um rund 45 Prozent ansteigen. Trotzdem wird es – wenn auch weniger als heute – auch 2030 noch Kinder und Jugendliche geben, die medizi­nisch ver­sorgt werden müssen. Die veränderte Bevölkerungsstruktur ist den Initiatoren des Pro­jek­tes zufolge ein Grund, warum „vollkommen neue Versorgungsstrukturen“ bedarfsge­recht für die Bevölkerung entwickelt werden müssen, sagte IGiB-Geschäfts­führer Lutz O. Freiberg.

Dafür sollen in Templin in einem Modellprojekt ambulante und stationäre Versorgung nicht nur eng verzahnt werden, sondern neu gedacht werden, wie es hieß. Konkret vor­gesehen: Am Sana-Krankenhaus in Templin entsteht ein ambulant-stationäres Zentrum mit einem interdisziplinären Versorgungsangebot. Vor Ort wird ein Koordinierungs- und Beratungszentrum geschaffen, das sich um das Patienten- und Fallmanagement kümmert. Darüber hinaus werden alle Ärzte in Templin über ein regionales Arztnetz (KV-RegioMed-Netz) in die Versorgung eingebunden, sofern sie sich beteiligen wollen.

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Eben­so einbezogen werden ein Pflegenetzwerk und ein Patientenbus. In die Versorgung flie­ßen darüber hinaus die Sozial- und Beratungskompetenzen der Kommune und der Kranken­kassen vor Ort ein. Ziel sei eine abgestimmte, koordinierte Versorgung der medizinischen und pflegerischen Leistungen, erklärte Gabriela Leyh, Landesge­schäfts­führerin der Barmer GEK Berlin/Brandenburg. Nach Angaben der IGiB werden über die Projektpartner und die beteiligten Kranken­kas­sen rund 65 Prozent der gesetzlich Kran­kenversicherten in Templin erreicht.

Ein konkreter Zeitplan für das Projekt steht derzeit noch nicht. Im ersten Quartal 2017 solle zu­nächst die Ar­beitsfähigkeit hergestellt werden, erläuterte Freiberg. Dann würden weitere Schritte fol­gen. Ziel sei es, nach drei Jahren alle Strukturen so aufgebaut zu ha­ben, dass im vier­ten Jahr eine Eva­luation zeigen könne, dass die neue Struktur im Ver­gleich zur bis­he­rigen wirtschaft­liche Vor­teile biete und zugleich die Versorgung vor Ort verbessert habe, hieß es.

Die Regionalgeschäftsführerin der Sana AG für Berlin, Bran­denburg und Mecklen­burg-Vorpommern, Irmgard Wübbeling, wies darauf hin, dass für den Umbau des Klini­kums Mittel aus dem Strukturfonds fließen sollten. Es sei „eine He­rausforderung“, die beiden Projekte aufeinander abzustimmen. Während der Bauphase werde es räumliche Zwischenlösungen geben, damit das Projekt starten kann.

Mit der neuen Struktur komme man dem Ziel näher, Krankenhäuser der Grund­versor­gung zu ambulant-stationären Gesundheitszentren weiterzuentwickeln, sagte Brandenburgs Ge­­sundheitsstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Linke). Sie sprach sich vehement dagegen aus, Einrichtungen im ländlichen Raum zugunsten von Zentrenbildungen zu schlie­ßen, wie es jüngst die Leopoldina gefordert hatte. Es gehe auch um Standort- und Arbeitsplatz­siche­rung vor Ort. Erfreut zeigte sie sich darüber, dass die Selbstverwal­tungs­partner gemein­sam ein solches Pro­jekt in einer guten Zusammenarbeit auf den Weg bringen würden. Das sei „nicht überall selbst­verständlich“.

Brandenburgs KV-Chef Hans-Joachim Helming betonte, es komme am Ende darauf an, das Projekt nach vier Jahren erfolgreich abzuschließen. Das würde auch bedeuten, dass Schnittstellenprobleme, Grenzen der Finanzierung sowie rechtliche und sozial­rechtliche Hürden eindeutig definiert worden sein müssten, um den Gesetzgeber dann dazu zu be­wegen, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen, sagte Helming. Das würde es er­möglichen, dass die Erfahrungen, die mit dem Projekt strukturell gesammelt worden sei­en, in Deutschland an solchen Orten umgesetzt werden könnten, die ähnliche struktu­relle Defizite wie Templin aufweisen würden. „Das Projekt wird eine Blaupause für eine nachhaltige medizinische Versorgung im ländlichen Raum“, betonte Freiberg.

Der Innovationsfonds stellt bis 2019 jährlich rund 300 Millionen Euro für innovative Ver­sorgungsprojekte und Versorgungsforschung bereit. Es werden ausschließlich Projekte gefördert, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen. Dem Vernehmen nach hat es rund 200 Anträge gegeben, 30 sollen vom G-BA den Zuschlag erhalten haben. Die Projektverantwortlichen wurden vom G-BA darüber informiert und sollen sich bis zum 13. November entscheiden, ob sie die Fördergelder annehmen. Erst dann sollen die offiziellen Bescheide versendet und alle Projekte öffentlich gemacht werden. © may/aerzteblatt.de

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