Medizin

Von Akupunktur bis Ultraschall: WHO gibt 49 Empfehlungen zur Schwangerenvorsorge

Dienstag, 8. November 2016

Genf - Eine intensive Schwangerenvorsorge ist für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der beste Weg, um Totgeburten und Schwangerschaftskomplikationen zu vermeiden. Ein Report nennt 49 Empfehlungen zur „vorgeburtlichen Betreuung für eine positive Schwangerschaftserfahrung“.

Im letzten Jahr sind laut WHO weltweit 303.000 Frauen und Teenager an Schwanger­schaftskomplikationen oder während der Geburt gestorben. Die Zahl der tot geborenen Kinder lag bei schätzungsweise 2,6 Millionen. Die meisten Todesfälle treten in ärmeren Ländern auf, in denen Schwangere vor der Geburt nur selten oder gar nicht medizinisch betreut werden. Nur etwa zwei Drittel aller Schwangeren würde bisher die von der WHO empfohlenen vier Termine zur Schwangerenvorsorge erhalten, heißt es in den Empfehlungen.

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Auch dies ist aus Sicht der WHO eigentlich zu wenig. Studien hätten gezeigt, dass die Verdopplung der Termine von vier auf acht die Zahl der perinatalen Todesfälle um bis zu 8 pro 1.000 Geburten senken könnte. Acht Termine sind deshalb für die WHO das Minimum. In Deutschland werden den Frauen zwischen zehn und zwölf Termine angeboten.

Die acht Termine sollten nicht nur für medizinische Untersuchungen genutzt werden. Ärzte und Hebammen sollten die Schwangeren auch über eine gesunde Ernährung beraten, sie zu körperlicher Aktivität anhalten und vor Tabak und Drogen warnen. Auch für Kaffee schlägt die WHO ein Limit von 300 mg Koffein am Tag vor. 

Nahrungsergänzungsmittel benötigen die Schwangeren in der Regel nicht. Einzige Ausnahme ist die Substitution von Eisen und Folsäure. Frauen mit einem erhöhten Risiko auf eine Präeklampsie könne auch Kalzium verschrieben werden. Vitamin A oder gar Protein-Supplemente sollten nur in Mangelregionen eingesetzt werden. Der Nutzen von Zink ist umstritten. Es sollte derzeit nur im Rahmen klinischer Studien verordnet werden, heißt es in den Empfehlungen.

Zur Untersuchung der Mutter zählt die WHO ein Blutbild (zur Diagnose einer Anämie), die Untersuchung des Mittelstrahlurins (zum Nachweis einer asymptomatischen Bakteriurie) sowie Fragen nach Gewalt durch den Intimpartner. Die WHO empfiehlt ein Screening auf einen Gestationsdiabetes und in Ländern mit einer hohen Prävalenz auch die Suche nach HIV und Tuberkulose.

Bei den Untersuchungen des Fetus sind die Empfehlungen sehr zurückhaltend. Kardiotokographie und Doppler-Untersuchung sollten nicht routinemäßig durchgeführt werden, heißt es in den Empfehlungen. Beim Ultraschall reicht eine Untersuchung in der Frühschwangerschaft aus. Das Wachstum des Kindes könnte mit einer abdominalen Palpation ebenso gut beurteilt werden wie durch die Bestimmung der Symphysen-Fundus-Höhe. Die Beobachtung der Kindsbewegungen durch die Mutter mit der „count-to-ten”-Regel ist laut WHO noch Gegenstand der Forschung.

Eine asymptomatische Bakteriurie sollte über sieben Tage mit Antibiotika behandelt werden, um persistierende Infektionen zu verhindern (eine Antibiotika-Prophylaxe wird dagegen nicht empfohlen). Eine Anti-D-Prophylaxe bei nicht-sensibilisierten Müttern sollte nur in klinischen Studien erfolgen. In Ländern mit verbreiteten Wurminfektionen rät die WHO zu einer vorbeugenden Gabe von Anthelminthika. Alle Schwangeren ohne sicheren Impfschutz sollten eine Tetanusprophylaxe erhalten. In Malaria-Regionen rät die WHO zur prophylaktischen Gabe von Sulfadoxin-Pyrimethamin. Bei einem erhöhten Risiko auf eine HIV-Infektion sei auch eine Präexpositionsprophylaxe mit Tenofovir plus Disoproxil (TDF) angezeigt.

Zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft rät die WHO zu Ingwer, Kamille, Vitamin B6 und/oder Akupunktur. Bei Sodbrennen können nach einer Beratung auch Antazida verordnet werden. Bei Wadenkrämpfen würden Magnesium, Kalzium oder nicht pharmakologische Mittel helfen. Rückenschmerzen könnten mit Physiotherapie, Bauchgürteln und Akupunktur behandelt werden, gegen Obstipation würden Weizenkleie und andere Pflanzenfasern helfen. Bei Varizen oder Ödemen sollten die Frauen Kompressionstrümpfe tragen, die Beine hochlegen oder es mit Fußbädern versuchen.

© rme/aerzteblatt.de

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