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Medizin

Studie: Junge Krebspatienten sterben im Alter häufiger an Herzkrankheiten

Mittwoch, 9. November 2016

Birmingham – Das Alter, in dem eine Krebserkrankung diagnostiziert und behandelt wird, hat einen deutlichen Einfluss auf das Risiko, im späteren Leben an Herzkrankheiten zu sterben. Besonders gefährdet sind einer Kohortenstudie in Circulation (2016; 134: 1521-1533) zufolge junge Patienten mit Morbus Hodgkin.

Die „Teenage and Young Adult Cancer Survivor Study“ hat die Daten von 200.945 Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengetragen, die zwischen 1971 und 2006 in Großbritannien dank einer Chemotherapie und/oder Radiotherapie eine Krebserkrankung überlebt haben. Sowohl die Strahlung als auch einige Zytostatika (vor allem die in den 1980er Jahren eingeführten Anthrazykline) sind bekanntermaßen kardiotoxisch. Es musste deshalb damit gerechnet werden, dass einige der Krebsüberlebenden im späteren Leben frühzeitig Herzerkrankungen entwickeln und daran sterben.

Die jetzt vom einem Team um Mike Hawkins von der Universität Birmingham vorgestellten Daten zeigen, dass die jüngsten Patienten am stärksten gefährdet sind. So starben 6,9 Prozent der Überlebenden, bei denen im Alter von 15 bis 19 Jahren ein Morbus Hodgkin diagnostiziert und behandelt wurde, an Herzerkrankungen, bevor sie ein Alter von 55 Jahren erreicht hatten. Von den Patienten, bei denen das Lymphom erst im Alter von 35 bis 39 Jahren diagnostiziert wurde, starben dagegen nur etwa 2 Prozent vorzeitig.

Insgesamt haben Patienten nach einem Morbus Hodgkin ein gegenüber der Allgemein­bevölkerung um den Faktor 3,8 erhöhtes kardiales Sterberisiko. Im Alter über 60 Jahre waren 28 Prozent des über dem Altersdurchschnitt liegenden Sterberisikos auf Herzerkrankungen zurückzuführen.

Auch für Patienten, die eine Leukämie, Hodenkrebs, Lungenkrebs oder Brustkrebs überlebten, war später das kardiale Sterberisiko erhöht. Auch wenn Hawkins keine sicheren Informationen über die Therapien der einzelnen Patienten erhaltenen hat, besteht für ihn kein Zweifel daran, dass Radiotherapie und Chemotherapie für die erhöhte kardiale Mortalität verantwortlich sind.

Die Risiken sind im Prinzip bekannt. Seitens der Radioonkologen wird heute versucht, das Herz aus dem Strahlenfeld herauszuhalten und Onkologen bemühen sich derzeit in Studien, Alternativen für Anthrazykline zu finden, ohne den Therapieerfolg zu gefährden. Die Studie zeigt, dass die Suche bei den jüngsten Patienten am wichtigsten ist. © rme/aerzteblatt.de

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