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Medizin

Typ-2-Diabetes: „Closed-Loop“-System verbessert Blutzucker in der Klinik

Donnerstag, 10. November 2016

Cambridge – Ein „Closed-Loop“-System, das die Insulinabgabe automatisch an die gemessenen Glukosewerte anpasst, hat in einer Pilotstudie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2016; doi: 10.1016/S2213-8587(16)30280-7) die Blutzuckerkontrolle von Klinikpatienten mit Typ-2-Diabetes deutlich verbessert. Der Pflegebedarf war jedoch erheblich.

„Closed-Loop“-Systeme, die als künstliche Bauchspeicheldrüse in den nächsten Jahren eingeführt werden, wurden für die Behandlung von jungen Patienten mit einem Typ-1-Diabetes entwickelt. Dies sind allerdings nicht die einzigen Patienten, denen es schwer­fällt, die Blutzuckerkontrolle an ihren Lebensstil anzupassen.

Auch viele ältere Patienten mit Typ-2-Diabetes haben häufig zu hohe Blutzuckerwerte, obwohl sie Insulin – wegen der Resistenz häufig in hoher Dosierung – injizieren. Zu einem Problem wird die schlechte Blutzucker-Einstellung, wenn die Patienten – häufig wegen Spät­komplika­tionen der Erkrankung – in einer Klinik behandelt werden müssen. Eine Hyperglykämie ist bei diesen Patienten meist ein Zeichen für eine schlechte Prognose. Morbidität und Mortalität sind erhöht. 

Am Addenbrooke’s Hospital in Cambridge wurde die neue Technologie – das erste „Closed-Loop“-System wurde kürzlich von der FDA zugelassen – in einer randomisierten klinischen Studie erprobt. Die 40 Teilnehmer wurden zumeist wegen eines diabetischen Fußes auf einer Allgemeinstation der Klinik behandelt. Sie waren im Durchschnitt 67 Jahre alt, hatten im Mittel seit 15 Jahren einen Typ-2-Diabetes, den sie seit etwa neun Jahren mit Insulin behandelten. Die eine Hälfte der Patienten führte die Behandlung unverändert fort, die andere Hälfte wurde an ein „Closed-Loop“-System angeschlossen. Primärer Endpunkt war die Zeitdauer, in der der Blutzucker der Patienten in einem Zielkorridor von 5,6 bis 10,0 mmol/l (100-180 mg/dl) gehalten werden konnte.

Dies gelang bei den Patienten, die das „Closed-Loop“-System verwendeten, zu 59,8 Prozent der Zeit gegenüber nur 38,1 Prozent in der Kontrollgruppe. Die Differenz von 21,8 Prozentpunkten war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 10,4 bis 33,1 Prozentpunkten hoch signifikant, wie das Team um Roman Hovorka berichtet. Der Vorteil wurde vor allem durch die Vermeidung von Hyperglykämien erzielt, während Hypoglykämien in beiden Gruppen gar nicht auftraten.

Ein Problem des „Closed-Loop“-Systems waren häufige Störungen der Blutzucker­messung. Bei einem Drittel der Patienten mussten die Sensoren in der kurzen Studienphase von nur 72 Stunden ausgewechselt werden. Um eine Unterversorgung mit Insulin zu vermeiden, wurde deshalb in der Frühphase der Studie beschlossen, dass alle Patienten mit „Closed-Loop“-System einmal täglich ein basales Langzeitinsulin erhalten sollten.

Diese Regel galt für die Vergleichsgruppe nicht, weshalb der Vergleich zwischen den beiden Gruppen nicht ganz fair war, wie Gerry Rayman vom Ipswich Hospital im Editorial anmerkt. Unklar ist auch, ob das „Closed-Loop“-System die Behandlungsergebnisse der Patienten verbessert. Dieser Nachweis dürfte aufgrund der hohen Kosten des Systems erforderlich sein. Er kann allerdings nur in einer größeren Studie erbracht werden. © rme/aerzteblatt.de

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