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Medizin

Bluttest könnte drohendes Fetales Alkoholsyndrom erkennen

Freitag, 11. November 2016

dpa

Bryan/Texas – Der Nachweis von fetalen MicroRNA im Blut der Schwangeren liefert Hinweise auf ein drohendes Fetales Alkoholsyndrom, einer häufigen, aber schwer zu diagnostizierenden vorgeburtlichen Schädigung. Dies zeigen Untersuchungsergebnisse in PLOS ONE (2016; doi: 10.1371/journal.pone.0165081).

Experten schätzen, dass in westlichen Ländern zwischen zwei und fünf Prozent aller Kinder durch den Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft geschädigt werden. Diese „Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD)“ ist schwer zu diagnostizieren. Die Neugeborenen zeigen die typischen Gesichtsmerkmale eines fetalen Alkohol­syn­droms (FAS), zu denen kleine Augen, ein glattes Philtrum und eine schmale Oberlippe gehören. Bei den meisten betroffenen Kindern kommt es erst später zu einer verlang­samten körperlichen und kognitiven Entwicklung, die dann nicht mehr mit dem Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht wird.

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Ein Test, den Rajesh Miranda von Texas A&M College of Medicine Bryan (bei Houston) in der Ukraine getestet haben, könnte dies ändern. Die Ukraine gehört zu den Ländern mit einem hohen Alkoholkonsum in der Bevölkerung, einschließlich von Frauen im gebärfähigen Alter. Da die meisten Frauen in der Ukraine (und auch anderswo) unge­wollt schwanger werden und die anderen Umstände nicht sofort bemerken, ist eine Alkoholexposition in der Frühschwangerschaft häufig. Die US-Forscher hatten in einer früheren Untersuchung gezeigt, dass eine Alkoholschädigung des Kindes zur Freiset­zung von MicroRNA führt, die über die Plazenta in den Kreislauf der Mutter gelangen und dort nachgewiesen werden können. 

In Zusammenarbeit mit zwei Zentren in der Ukraine haben die Forscher jetzt untersucht, ob die Bluttests genutzt werden können, um eine FASD vorherzusagen. Die Forscher konnten auf Blutproben zurückgreifen, die bei 68 Schwangeren im zweiten oder dritten Trimenon entnommen wurden. Alle Frauen wurden nach ihrem Alkoholkonsum befragt. Um herauszufinden, welche Kinder durch den Alkoholkonsum geschädigt wurden, ließen sie in den Blutproben die Konzentration von 752 MicroRNA bestimmen und setzten sie in Beziehung zu den Ergebnissen einer Untersuchung der Kinder im Alter von sechs oder zwölf Monaten.

Ingesamt elf MicroRNA waren bei Frauen erhöht, die einen höheren Alkoholkonsum angegeben hatten und deren Kinder später eine Entwicklungsstörung aufwiesen. Die Pilotstudie kann schon aufgrund der geringen Fallzahl nicht klären, ob der Test in der Praxis zu verlässlichen Ergebnissen führt. Einige der gefundenen MicroRNA deuten jedoch darauf hin, dass das Ergebnis biologisch plausibel ist.

So wurde beispielsweise die MicroRNA miR-222-5p in früheren Untersuchungen mit einer schweren Präeklamp­sie in Verbindung gebracht, die wie die FASD mit einer intrauterinen Wachstumsstörung einhergeht. Die MicroRNA miR-299-3p deutet nach anderen Untersuchungen auf eine vorzeitige Alterung der Nabelschnurvenen hin. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 11. November 2016, 21:02

Es geht auch

viel billiger: Eine Untersuchung auf Ethylglucuronid im Urin bei jeder Untersuchung einer Schwangeren...
Damit lässt sich riskanter Alkoholkonsum recht zuverlässig erkennen - leider sieht aber der EBM für diesen simplen Eintauch-Streifentest keine Vergütung vor. Dieser Umstand ist auch beim Abstinenzmonitoring anderer Suchtkrankheiten seehr ärgerlich.
LNS

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