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Medizin

iPad-Spiel verbessert Sehstärke von Kindern mit Amblyopie

Sonntag, 13. November 2016

Dallas – Ein spannendes Computerspiel am iPad hat in einer randomisierten klinischen Studie die Sehstärke von Kindern mit Amblyopie schneller verbessert als eine konventionelle Okklusionsbehandlung, wie die Forscher in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.4224) berichten.

Etwa 3 Prozent aller Kinder entwickeln auf einem Auge eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie), weil eine Fehlstellung der Augen (Strabismus „Schielen“) oder eine unterschiedliche Brechkraft (Anisometropie) die Verarbeitung der Sehsignale in der Sehrinde verhindert. Die Behandlung besteht heute in einer Okklusion des sehstarken Auges, um das sehschwache Auge zu trainieren. Die Ergebnisse sind oft unbefriedigend, weil die Kinder sich während der Okklusionsbehandlung zurückziehen und ein Trainingseffekt ausbleibt.

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Ein spannendes Computerspiel, das die Aufmerksamkeit des Kindes fesselt, könnte dies vielleicht ändern. Ophthalmologen vom Southwestern Medical Center in Dallas haben zusammen mit einem Spiele-Hersteller aus Kanada ein Computerspiel für Kinder mit Amblyopie entwickelt.

Bei dem Spiel „Dig rush“ müssen die Kinder auf dem Bildschirm einen Goldgräber mit dem Finger zu den Nuggets führen und die Goldstücke einsammeln. Dies gelingt allerdings nur, wenn die Kinder auch ihr sehschwaches Auge verwenden. Dafür sorgt eine 3D-Brille, die die Kinder beim Spiel tragen müssen. Die Brille vermindert im Verlauf des Spiels den Kontrast für das sehgesunde Auge. Die Kinder sind gezwungen, ihr sehschwaches Auge zu verwenden, wenn sie weitere Punkte holen wollen.

In einer Vergleichsstudie wurden dabei gute Ergebnisse erzielt. Die Kinder wurden gebeten, unter der Woche täglich eine Stunde „Dig rush“ zu spielen. Wie Krista Kelly von der Retina Foundation of the Southwest in Dallas berichtet, besserte sich der Visus schon nach zwei Wochen (oder zehn Stunden „Dig rush“) um 1,5 Linien auf der Sehtafel. Fünf von 13 Kindern erreichten eine Sehstärke von 20/32 oder besser. In der randomisierten Vergleichsgruppe, in der das gesunde Auge abgeklebt wurde, besserte sich der Visus um 0,7 Linien auf der Sehtafel. Nur eins von 14 Kindern erreichte eine Sehstärke von 20/32 oder besser.

In den folgenden beiden Wochen wechselten die Kinder die Behandlung. Die Kinder, die zuvor in der Okklusionsgruppe waren, durften jetzt auf dem iPad spielen. Sie holten den Rückstand auf, und nach insgesamt vier Wochen hatte sich die Sehstärke in beiden Gruppen gleich gut erholt.

Die Studie zeigt, dass ein binokulares iPad-Spiel die Sehstärke von Kindern mit Amblyopie verbessern kann. Die Effektivität hängt allerdings sehr stark von der Attraktivität des Spiels ab. In einer früheren Studie hatten die Forscher mit einem anderen Spiel („Tetris“) weniger Erfolg. Viele Kinder mochten das Spiel nicht und die Sehstärke besserte sich kaum (J AAPOS 2015; 19: 6-11). Die Okklusion könnte vor diesem Hintergrund die verlässlichere Therapie sein. © rme/aerzteblatt.de

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