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Medizin

Gestörte Fettspeicher: Kein Diabetes trotz Übergewicht

Montag, 14. November 2016

Cambridge – Mehr als 50 genetische Varianten haben Forscher gefunden, die im Zusammen­hang mit Insulinresistenz stehen. Unabhängig vom Essverhalten und der körperlichen Aktivität speichern Menschen, die eine Kombination vieler dieser Gen­varianten aufweisen, überschüssiges Fett an falscher Stelle im Körper ab. Zu wenig Fett würde subkutan in peripheren Extremitäten wie den Armen und Beinen gelagert, schreiben die Autoren um Luca Lotta von der University of Cambridge. In der Folge kommt es zu Insulinresistenz, Übergewicht und Herzproblemen. Ihre Ergebnisse wurden heute in Nature Genetics publiziert (2016; doi: 10.1038/ng.3714).

Nicht jeder Mensch mit Adipositas bekommt zwangsläufig Diabetes Typ 2 oder erleidet einen Herzinfarkt. Auch wenn das Gewicht das Risiko für beides erhöht, sind Forscher immer noch den zugrundeliegenden Ursachen auf der Spur, die die Insulinresistenz hervor­rufen. „Klinische Beobachtung und Studien konnten schon lange zeigen, dass Menschen mit einem zentralen Fettverteilungstyp eher zur Entwicklung einer Insulinresistenz und zu Typ-2-Diabetes neigen, als Menschen mit einer gluteo-femoralen Fettverteilung“, erklärt Martin Wabitsch vom Hormonzentrum für Kinder und Jugendliche an der Universitäts­klinik Ulm.

Gestörte Fettverteilung sorgt für Insulinresistenz
Auch die aktuelle Studie aus Cambridge zeigt: Ein möglicher Auslöser könnte eine gestörte Verteilung der Fettspeicherung sein. Diese fehlgeleiteten Speicherprozesse kommen nicht nur in Menschen mit Lipodystrophie vor. Auch in der Durchschnitts­bevölkerung, die nicht unter der seltenen Erkrankung leidet, können diese zu Insulinresistenz führen, leitet Stephen O'Rahilly vom Medical Research Council (MRC) der University of Cambridge aus der aktuellen Studie ab.

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Ein von der Universität Cambridge geleitetes internationales Forscherteam hatte mehr als zwei Millionen genetische Varianten von fast 200.000 Menschen untersucht. Von den entdeckten 53 Genvarianten waren nur zehn bereits zuvor bekannt, darunter unter anderem die Gene CCDC92, DNAH10 und L3MBTL3. Sie sind dafür zuständig, dass sich Fettzellen entwickeln. Je mehr dieser 53 Genvarianten in einem Probanden zusammenkamen, desto weniger überschüssiges Fett lagerte sich subkutan in der unteren Körperhälfte an. Gleichzeitig trat die familiäre partielle Lipodystrophie Typ 1 häufiger auf. Fettgewebe schwindet dabei vor allem in Armen und Beinen. Stattdessen sammelt es sich vermehrt am Körperstamm an und es entwickelt sich Bluthochdruck.

„Ist es dem Körper nicht möglich, Fett subkutan zu speichern, vor allem nicht in den unteren Extremitäten, steigt das Risiko für Diabetes Typ 2 und Herzinfarkt”, erklärt Lotta vom MRC die Studienergenisse. Peripheres Körperfett ordnet der Autor als wichtigen Parameter ein, wenn es darum geht, überschüssiges Fett aufgrund von Überernährung und Bewegungsmangel einzulagern.

Ob ein eher zentraler oder peripherer/gluteo-femoraler Fettverteilungstyp vorliegt, können Endokrinologen und Diabetologen bereits bei Kindern feststellen, sagt Wabitsch. Dafür messe der Arzt beispielsweise den Körperumfang oder Hautfalten. Bereits bei Kindern kann man dann entsprechende Stoffwechselveränderungen feststellen.

„Dass diese in Zusammenhang mit genetischen Faktoren stehen, vermuten wir schon länger”, so Wabitsch. Nun habe die Arbeitsgruppe um O’Rahilly und Lotta gezeigt, dass dafür mehrere Genvarianten verantwortlich sind. „Dies ist ein lange erwarteter Befund, der ein Meilenstein im Verständnis des Zusammenhangs zwischen Körperfettverteilung und Insulinresistenz darstellt”, kommentiert Wabitsch die aktuelle Studie. Auch er ist sich sicher: Die Fähigkeit des Körpers, Fett im Bereich der Extremitäten zu speichern, ist ;für die Gesundheit wichtig. „Adipöse Menschen, bei denen dies gut möglich ist, werden wahrscheinlich vor Typ-2-Diabetes bewahrt”, schussfolgert Wabitsch. © gie/aerzteblatt.de

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