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Vermischtes

Cannabis unter Jugendlichen immer populärer

Montag, 14. November 2016

/dpa

Frankfurt/Main – Alkohol und Zigaretten sind für Jugendliche weniger wichtig, Cannabis hingegen wird immer beliebter. Das geht aus der aktuellen Drogenstudie „MoSyD“ her­vor, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde. Das „Centre for Drug Research“ der Goethe-Universität befragt dafür seit 2002 im Auftrag des städtischen Drogenreferats jährlich mehr als 1.000 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren zu ihren Erfahrungen mit legalen und illegalen Drogen.

Die Ergebnisse machten deutlich, „dass die bestehende Prohibition bei Cannabis nichts nutzt“, sagte Frankfurts neuer Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne). Seit etwa sechs Jahren werde die Droge in Frankfurt immer populärer – „und das trotz aller Ver­bote“. Die Politik dürfe davor nicht länger die Augen verschließen und sich „hinter dem Betäubungsmittelgesetz verstecken“.

Es gebe für den Umgang mit Cannabis keinen gesellschaftlichen Konsens, sagte Majer. Für eine Legalisierung gebe es keine politische Mehrheit. Ziel müsse es daher sein, Ju­gend­liche vor dem Konsum und dem Schwarzmarkt zu schützen. „Junge Leute sollen sich ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung Rat und Hilfe holen können“, sagte Majer.

Oft probierten Jugendliche Cannabis nur aus, sagte Bernd Werse vom „Center for Drug Research“. 20 Prozent hätten mal gekifft, würden aktuell aber nichts konsumieren, zwölf Pro­zent waren Gelegenheitskiffer. Nur drei Prozent kiffen einmal die Woche, vier Prozent mehrmals in der Woche, weitere vier Prozent täglich.

Bei der Frage nach der „Lieblingsdroge“ hat Cannabis schon 2014 die Zigaretten über­holt, wie die Leiterin des Frankfurter Drogenreferats, Regina Ernst, ausführte. Auf Platz eins liegt weiter Alkohol. „Die Jugendlichen fragen: Warum darf ich mich täglich betrin­ken, aber nicht ein einziges Mal kiffen?“ Das Cannabis-Verbot sei kein Anreiz, habe aber auch keine abschreckende Wirkung: „Den Jugendlichen ist es egal, ob etwas legal oder illegal ist.“

Zu den negativen Entwicklungen gehört, dass harte Drogen seit zwei Jahren wieder wich­tiger werden. Elf Prozent haben schon mal andere illegale Drogen als Cannabis aus­pro­biert, in den beiden Jahren davor waren es zehn und acht Prozent. Dabei handelt es sich Werse zufolge nahezu ausschließlich um Ecstasy.

Besorgniserregend ist auch, dass mehr Jugendliche sich selbst als abhängig einstufen. 2015 bejahten 17 Prozent diese Frage, die meisten stufen sich als abhängig von Ziga­retten ein. Im Vorjahr glaubten nur 15 Prozent, dass sie süchtig sind. Dass sie von Can­nabis abhängig sind, glauben fünf Prozent (2014 waren es drei Prozent).

Die Ergebnisse für das Jahr 2015 zeigen aber auch durchaus positive Entwicklun­gen: So findet der erste Kontakt mit Drogen immer später statt. Beim Erstkonsum von Tabak und Alkohol sind die Jugendlichen inzwischen fast 14, bei Cannabis fast 15 Jahre alt. 2002 begannen Jugendliche mit Trinken und Rauchen fast ein Jahr früher und auch bei Can­nabis waren sie ein paar Monate jünger.

Auch die Zahl der Jugendlichen, die keinerlei Erfahrungen mit Drogen haben, steigt deutlich an. Zwölf Prozent der Befragten waren bisher komplett abstinent – so viele wie nie zuvor. Zu Beginn der Langzeitstudie 2002 sagten das nur vier Prozent der Befragten.

Die Wissenschaftler fragen auch nach den Gründen, wieso die Jugendlichen Drogen konsumieren. Die häufigste Antwort der Schüler war „Neugier“; 61 Prozent nannten das als Grund. Andere Motive sind „etwas Aufregendes erleben“, „ein körperlich gutes Gefühl“ und „den Alltag vergessen“. „Weil es verboten ist“ war die seltenste Antwort. © dpa/aerzteblatt.de

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