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Politik

Krankenhäuser erhalten neue Fallpauschalen für 2017

Dienstag, 15. November 2016

Düsseldorf – Beim 39. Deutschen Krankenhaustag ist der neue G-DRG-(German Diag­no­sis Related Groups-)Katalog für 2017 vorgestellt worden, den die Deutsche Kranken­hausgesellschaft (DKG), der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und der Verband der privaten Krankenkassen (PKV) vereinbart haben. Dabei haben sie auch Vorgaben des Krankenhausstrukturgesetzes umgesetzt.

Bei der Kalkulation der DRGs sind Sachkostenanteile ab- und Personalkostenanteile auf­gewertet worden. Insgesamt wurden dadurch rund eine Milliarde Euro zugunsten der Personal­kostenanteile umgewidmet. „Damit gewinnen etwa zwei Drittel der Kranken­häu­ser in Deutschland“, erklärte Frank Heimig, Geschäftsführer des Instituts für das Entgelt­sys­tem im Krankenhaus, InEK GmbH.

DRGs für Hüftgelenksersatz und Wirbelsäulentherapie gesenkt
Außerdem gibt es ab 2017 neue Fallpauschalen für den Hüftgelenksersatz. Dabei wird unterschieden, ob es sich um eine Hüft-OP nach einer Fraktur – zum Beispiel als Folge eines Sturzes – handelt oder um eine Hüft-OP aufgrund einer Coxarthrose.

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Die Fall­pauschale für letztere wird gesenkt. Dadurch erhalten Kliniken künftig 5,75 Pro­zent weniger Vergütung als bisher. Ziel ist es, eine mögliche Steigerung der Fallzahlen zu verhindern. Darüber hinaus sind sieben weitere DRGs abgesenkt worden, darunter auch für die konservative Therapie von Erkrankungen der Wirbelsäule.

„Ab der 177. Leistung wird die Fallpauschale um knapp sieben Prozent abgesenkt“, er­läu­terte Roland Laufer, Geschäftsführer des Dezernates „Krankenhausfinanzierung und Krankenhaus­planung“ der DKG. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchi­rurgie hat die Absenkung der Fallpauschalen bereits scharf kritisiert. Sie befürchtet, dass sich die Patienten künftig auf weniger hochwertige und innovative Therapieange­bote einstellen müssen. Außerdem müssten sie mit längeren Wartezeiten auf eine OP, noch schnelle­ren Entlassungen aus der Klinik und einer möglichen kürzeren Haltedauer von Prothe­sen rechnen.

Schiedsstelle entscheidet über „Zentrumszuschläge“
Unklar sind zurzeit noch die Zuschläge, die Krankenhäuser für besondere Aufträge er­halten, die auch als „Zentrumszuschläge“ bekannt sind. Besonders viele Zentren haben Krankenhäuser zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. „Die Schwierigkeit besteht darin, keine Strukturen zu zerstören“, betonte Laufer. Bislang werden jedoch Aufgaben, die Krankenhäuser übergreifend in einer Region wahr­nehmen, im DRG-System nicht abgebildet. Das soll sich nach Ansicht der DKG künftig ändern. „Die Krankenkassen sind aber sehr restriktiv und haben letztlich die Verhandlungen ab­gebrochen“, so Laufer weiter. Am 8. Dezember 2016 soll daher eine Schiedsstelle über die Zentrumszuschläge entscheiden.

Verschiedene Ab- und Zuschläge noch unklar
Ebenfalls unklar sind Details zu den Sicherstellungszuschlägen, die Krankenhäuser er­hal­ten sollen, wenn sie in eine finanzielle Schieflage geraten, für die medizinische Versor­gung der Men­schen in einer Region jedoch unabdingbar sind. Der Gemeinsame Bun­des­­­ausschuss (G-BA) will bis zum Jahresende einheit­liche Vorgaben für die Gewährung des Zuschlags festlegen.

„Sie sollen sich unter anderem an der Erreichbarkeit von Alternativkliniken und an den für die Versorgung der Bevölkerung notwendigen Leistungen orientieren“, erklärte Ferdi­nand Rau, Leiter des Referates „Wirtschaftliche Fragen der Krankenhäuser“ im Bundes­ge­sundheitsministerium. Um ein Jahr verlängert wurden die Fristen für die Ab- und Zu­schläge für die stationäre Notfall­versorgung. Grund ist das vom Bundestag erst kürzlich verabschiedete Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und der Vergütung für psy­chiatrische und psycho­somatische Leistungen (PsychVVG). Kliniken und Kassen haben jetzt bis Mitte 2018 Zeit, ein abgestuftes System von Notfallversorgungs­strukturen zu entwickeln und zu vereinbaren.

Der jetzige Versorgungszuschlag der Krankenhäuser wird ab 2017 durch einen Pflege­zuschlag ersetzt. „Der Zuschlag wird nach den Personalkosten für den Pflegedienst der allgemeinen Krankenhäuser verteilt“, sagte Rau. Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abtei­lung Krankenhäuser beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, übte scharfe Kritik am Pflegestellenförderprogramm: „Wer in den vergangenen Jahren Pflegepersonal abgebaut hat, jetzt aber wieder einstellt, wird gefördert. Wer dauerhaft für eine gute Pfle­ge gesorgt hat, wird nicht gefördert.“

Der G-DRG-Katalog für das Jahr 2017 enthält insgesamt 35 neue Fallpauschalen, ins­be­sondere durch die Strahlentherapie. Er ist seit 2004 die verbindliche Abrechnungs­basis für bundesweit 18 Millionen stationärer Fälle und steuert ein Finanzvolumen von rund 70 Milliarden Euro. © ts/aerzteblatt.de

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