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Demenz, Schlaganfall und Herztod: Schon leicht erhöhte Schilddrüsenwerte sind gefährlich

Mittwoch, 16. November 2016

Berlin – Eine Überfunktion der Schilddrüse erhöht das Risiko auf Schlaganfall oder Herzstillstand. Auch eine Demenz ist möglich. Nach aktuellen Studien sind bereits Menschen mit leicht erhöhten Hormonwerten gefährdet, die bisher als unbedenklich galten. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) rät Menschen mit einer Vergrößerung der Schilddrüse deshalb zu einem Hormon-Check.

Hormone der Schilddrüse
Sie bestimmen die Betriebstemperatur des Stoffwechsels. Bei einem Mangel kommt es zu Abgeschlagenheit, Gedächtnisschwäche, depressiven Verstimmungen, Haarausfall, Verstopfung und Gewichtszunahme. Eine Überfunktion geht mit übermäßigem Schwitzen, Ruhelosigkeit und Durchfällen einher. Der Blutdruck steigt, der Herzschlag beschleunigt und bei einigen Menschen kommt es zu Herzrhythmusstörungen.

Die Risiken einer Schilddrüsen-Überfunktion für Herz und Kreislauf seien bekannt, sagt der BDN-Vorsitzende Detlef Moka. Er rät daher allen Betroffenen dringend zu einer Behandlung. Wann genau eine Überfunktion der Schilddrüse vorliegt, ist unter Experten jedoch umstritten.

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Als Gradmesser gilt die Konzentration des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH). Es wird von der Hirnanhangdrüse gebildet und steigert in der Schilddrüse die Produktion des Hormons T4. Zwischen beiden Hormonen existiert eine negative Rückkoppelung: Ein Anstieg von T4 bremst die Ausschüttung von TSH. Ein niedriges TSH weist deshalb auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin. Bisher galten beim Erwachsenen TSH-Werte bis 4,0 mU/l als sicher. Doch neue Untersuchungsergebnisse aus den Niederlanden lassen hieran Zweifel aufkommen.

Layal Chaker von der Erasmus Universität in Rotterdam hat die Daten von 10.318 Einwohnern ausgewertet, die im Rahmen der Rotterdam Studie regelmäßig beobachtet werden. In den ersten neun Jahren starben 261 Teilnehmer an einem plötzlichen Herztod, der in der Regel Folge einer Herzrhythmusstörung ist. „Darunter waren auffällig viele Menschen mit leicht niedrigen TSH-Werten“, erläutert Moka. „Diese Personen haben noch keine Symptome einer Überfunktion, auch die T4-Werte liegen noch im Normalbereich. Wir sprechen deshalb von einer latenten Überfunktion.“

Nach den Ergebnissen, die Chaker in der Fachzeitschrift Circulation veröffentlichte, haben Menschen mit latenter Überfunktion ein um den Faktor 2,5 erhöhtes Risiko auf einen plötzlichen Herztod. „Das Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen plötzlichen Herztod zu erleiden, lag bei nicht weniger als vier Prozent“, berichtet Moka. In einer weiteren Untersuchung im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism berichtet Chaker, dass auch das Schlaganfallrisiko erhöht sei, und vor wenigen Tagen teilte die Forscherin in Neurology mit, dass Menschen mit latenter Überfunktion im Alter häufiger an einer Demenz erkranken.

TSH-Zielwerte neu definieren
Auch wenn die Studie nicht beweisen kann, dass eine Behandlung das Risiko der Betroffenen vermindert, sind die Ergebnisse für BDN-Experte Moka aus zwei Gründen besorgniserregend. „Zum einen müssen wir überlegen, wie Menschen mit latenter Überfunktion der Schilddrüse besser geschützt werden können“, sagt der Nuklear­mediziner. „Dazu sollte jetzt dringend eine umfassende Studie durchgeführt werden, die den Wert einer Behandlung prüft.“ Konsequenzen dürften die Erkenntnisse aber auch für Menschen haben, die wegen einer Unterfunktion mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden. „Die meisten Ärzte streben einen TSH-Wert an, der einer latenten Überfunktion entspricht. Dazu kann nicht mehr geraten werden“, so Moka.

Funktionstests der Schilddrüse sind ein wichtiges Einsatzgebiet von Nuklearmedizinern. Mit der Szintigraphie können sie klären, ob Knoten in der Schilddrüse für eine Überfunktion verantwortlich sind. Die Behandlung kann dann mit radioaktiv markiertem Jod erfolgen, das sich in der Schilddrüse anreichert und die Hormonbildung auf Dauer unterdrückt. © EB/gie/aerzteblatt.de

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