Medizin

Knöchelverletzung: Physiotherapie bleibt in Studie nach Supinationstrauma ohne Wirkung

Freitag, 18. November 2016

Kingston – Eine Physiotherapie hat in der bisher größten randomisierten Vergleichs­studie die Erholung von einem Supinationstrauma ohne Instabilität im Sprunggelenk nur unwesentlich beschleunigt. Laut der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 355: i5650) erholten sich in den ersten sechs Monaten weniger als die Hälfte der Patienten von ihrer „Verstauchung“.

Das Supinationstrauma, zu dem es durch eine Überbeanspruchung des Sprung­gelenkes bei rasanten Sportarten, aber auch durch ein versehentliches „Umknicken“ im Alltag kommen kann, gehört zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates. Bei einem Grad 1 (mechanisch stabiles Gelenk) oder 2 (leichte Gelenkinstabilität) erfolgt die Therapie heute in der Regel konservativ.

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Häufig werden die Patienten nach der Notfallbehandlung mit einem Kompressions­verband und dem Ratschlag nach Hause geschickt, den Fuß hochzulagern, mit Eis zu kühlen und in den folgenden Tagen allmählich wieder zu belasten. Diese Selbsttherapie gilt nicht als sehr effektiv. Zwischen 30 und 70 Prozent der Patienten leiden über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren unter den Folgen des Supinationstraumas.

Viele Ärzte verschreiben ihren Patienten deshalb eine Physiotherapie. Deren Wirkung ist allerdings kaum durch klinische Studien belegt, wie eine – allerdings schon einige Jahre zurückliegende – Meta-Analyse der Cochrane Collaboration ergab. Robert Brison von der Queen’s University in Kingston/Ontario und Mitarbeiter haben in den letzten Jahren die bisher größte Vergleichsstudie durchgeführt. 

503 Patienten im Alter von 16-79 Jahren, die ein Supinationstrauma vom Grad 1 oder 2 erlitten hatten, wurden auf zwei Gruppen randomisiert. Die erste Gruppe wurde mit einem Verband und einem Informationszettel mit den üblichen Ratschlägen nach Hause geschickt. Der zweiten Gruppe wurde eine Physiotherapie aus sieben Sitzungen verord­net von jeweils einer halben Stunde. Der Physiotherapeut versuchte, das Abklingen der schmerzhaften Schwellung zu beschleunigen (Stadium 1), Bewegungsfreiheit, Festigkeit und Belastbarkeit zu erhöhen (Stadium 2), die aktive Bewegungsfreiheit und Bewe­gungs­toleranz zu erhöhen (Stadium 3) und schließlich die volle Aktivität und dyna­mische Stabilität im Sprunggelenk wieder herzustellen (Stadium 4).

Der Erfolg wurde nach den Angaben der Patienten in einem Fragebogen gemessen, den diese nach einem, drei und sechs Monaten ausfüllten. Die Physiotherapie scheint in den ersten beiden Monaten die Erholung beschleunigt zu haben. Nach einem und drei Monaten waren die Ergebnisse tendenziell besser als in der Vergleichsgruppe, auch wenn das Signifikanzniveau nicht erreicht wurde. Nach sechs Monaten gab es jedoch kaum noch Unterschiede. Unter der Physiotherapie hatten 90 von 208 Patienten (43 Prozent) ein exzellentes Ergebnis erreicht. In der Vergleichsgruppe ohne Physiotherapie waren es mit 75 von 195 Patienten (38 Prozent) kaum weniger.

Die Studie zeigt erneut, dass die Ausheilung einer von den meisten Orthopäden als banal eingestuften Verletzung häufig nicht befriedigend ist. Die von den kanadischen Physiotherapeuten durchgeführte Behandlung war jedoch nicht in der Lage, die Situation zu verbessern. © rme/aerzteblatt.de

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