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Medizin

Liquor verursacht Sehschwäche bei Astronauten

Mittwoch, 30. November 2016

Weltraumstation /Hermann Meinold, pixelio.de

Chicago – Rückenmark und Gehirn sind umgeben von einer Flüssigkeit, die bei Astro­nau­ten Sehschwäche auslösen kann, dem Liquor. Mitarbeiter der NASA haben Proble­me mit den Augen in den vergangenen Jahren vor allem bei Astronauten beobachtet, die sich lange im Weltraum aufhielten. Die Ursachen dafür präsentierten Forscher beim Annual Meeting of the Radiological Society of North America (RSNA). 

Die Astronauten klagten über unscharfes Sehen. Eine Augenuntersuchung ergab, dass der hintere Teil des Augapfels abgeflacht war. Zudem entdeckten die Ärzte eine Entzün­dung der Sehnerven. Die Schwerelosigkeits-induzierten Sehveränderungen (Induced Visual Impairment/Intracranial Pressure, VIIP) betrafen zwei von drei Astronauten, die eine lange Weltraummission auf der International Space Station (ISS) hinter sich hatten.

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Um den Ursachen auf den Grund zu gehen, untersuchten die Forscher um Noam Alperin von der University of Miami Miller School of Medicine in Miami sieben Astro­nauten. Kurz vor und direkt nach einem längeren Aufenthalt von etwa 190 Tagen im Weltraum in der ISS wurden Bilder im Magnetresonanztomografen (MRT) ausgewertet und mit denen von neun Astronauten verglichen, die sich nur kurz im Weltraum aufge­hal­ten hatten, etwa 14 Tage.

Bei denjenigen, die sich mindestens 190 Tage in der Schwerelosigkeit aufge­hal­ten hatten, waren die Augäpfel deutlich stärker verkürzt als jene, die nur 14 Tage im Weltall waren. Ebenso traten häufiger Sehnerv-Protrusionen auf. Der Liquor hatte sich deutlich stärker in der Orbita, der Augenhöhle im Frontalbereich des Schädels, verbreitet. Auch die Anhangs­gebilde der Orbita, die zu- und abführenden Blutgefäße und Nerven waren von mehr Liquor umgegeben als vor der langen Weltraummission. Die graue Gehirnmasse wurde ebenso wenig wie die weiße durch den Liquor beeinträchtigt, teilen die Wissenschaftler mit.

„Im Jahr 2010 wurde uns bewusst, dass diese strukturellen Veränderungen im Auge auch bei Rückkehr auf die Erde nicht vollständig reversibel waren“, sagt Erstautor Alperin. Die Ursache dafür vermuteten Forscher zunächst primär im Shift vaskulärer Flüssigkeiten in Richtung der oberen Körperhälfte unter Einfluss der Weltraum­bedin­gungen.

Alperin und seine Kollegen stellen in ihrem Versuch nun eine zweite entscheidende Komponente in den Fokus: den Liquor. Auf der Erde vermag sich diese Flüssigkeit anzupassen, je nachdem, ob man liegt, sitzt oder steht. Im Weltall verursache der hydrostatische Druck jedoch Probleme bei der Anpassung, erklärt der Experte für Radiologie und Biomedical Engineering. Er empfiehlt, Gegenmaßnahmen, die den Druck runtersetzen, bereits im Weltall einzuleiten. Dafür gebe es Geräte, ein Arzt sei nicht notwendig, teilt Alperin mit. © gie/aerzteblatt.de

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