Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

UN sieht beim Anti-Aids-Kampf Erfolge und neue Herausforderungen

Montag, 21. November 2016

/dpa

Windhuk/Genf – Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids melden die Verein­ten Nationen erhebliche Fortschritte – und verweisen gleichzeitig auf neue Herausforde­run­­­gen. Inzwischen hätten 18,2 Millionen Menschen mit HIV Zugang zu antiretroviralen Therapien, die den Erreger eindämmen, wie das Anti-Aids-Programm der Vereinten Na­ti­o­nen (UNAIDS) heute mitteilte.

Das sind rund drei Millionen Menschen mehr als vor zwei Jahren. Allein zwischen Januar und Juni 2016 seien eine Million Menschen zusätzlich in Therapieprogramme gekommen, erklärte UNAIDS-Exekutivdirektor Michel Sidibé bei der Vorstellung des Jahresberichtes seiner Organisation. Weltweit lebten 2015 demnach 36,7 Millionen Menschen mit dem Virus. Das waren etwa so viele wie im Jahr zuvor, wobei jedoch mehr Menschen denn je mit lebensverlängernden Medikamenten behandelt wurden.

„Die Möglichkeiten zur Verhinderung und zur Behandlung von HIV waren niemals größer als heute“, betonte Sidibé im Vorwort des Berichtes. Zu dessen offizieller Vorstellung hatte UNAIDS in die namibische Haupt­stadt Windhuk eingeladen, um auf die besondere Aids-Problematik in Afrika südlich der Sahara aufmerksam zu machen.

Wenn alle bisherigen Anstrengungen fortgesetzt werden, könnte laut Sidibé das Ziel er­reicht werden, bis 2020 rund 30 Millionen Infizierten eine geeignete Therapie zu er­mög­li­chen. „Jetzt muss gewährleistet werden, dass die Welt auf der Überholspur bleibt, damit die Aids-Epidemie bis 2030 in Namibia, in Afrika und der ganzen Welt beendet werden kann“, sagte Namibias Präsident Hage Geingob laut einer Mitteilung von UNAIDS.

Heute sei es grundsätzlich möglich, Menschen mit HIV abhängig von ihren konkreten Le­bensumständen und ihrem Lebensalter zielgerichtet zu helfen, erklärte Sidibé. Wie bei der HIV-Bekämpfung die jeweiligen Lebensumstände berücksichtigt werden können, ist ein Schwerpunkt des diesjährigen UNAIDS-Berichts.

In dem Jahresbericht betonen Experten aber auch, dass größere Anstrengungen zur Vor­beugung von HIV-Infektionen unablässig seien, wenn die Aids-Epidemie überwunden werden soll. Dies gelte insbesondere für junge Frauen in Afrika südlich der Sahara. So würden neuere Daten aus Südafrika zeigen, dass sich dort viele junge Frauen bei älte­ren Männern mit HIV infizieren, während sich betroffene Männer erst später im Leben an­stecken. Dieser Kreislauf müsse mit zielgerichteten Anstrengungen durchbrochen wer­den.

Dem Bericht zufolge sorgt die Ausweitung der Behandlung mit antiretroviralen Medika­men­ten dafür, dass immer mehr Infizierte ein höheres Lebensalter erreichen. 2015 seien 5,8 Millionen Infizierte älter als 50 Jahre gewesen. Es bestünden gute Aussichten, dass es bis 2020 rund 8,5 Millionen sein könnten. Allerdings gebe es auch erhebliche neue Risiken. So könnten sich Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe entwickeln, die zur Be­handlung von oft mit Aids einhergehenden Krankheiten verwendet werden – darunter Tu­berkulose.

Dem „Lebenszyklus-Ansatz“ zufolge werde es auch immer wichtiger, geeignete Therapien für die vielen Kinder anzuwenden, die mit HIV geboren wurden und nun Erwachsene wer­den. Studien in 25 Ländern zeigten, dass 2015 rund 40 Prozent aller HIV-Infizierten zwischen 15 und 19 Jahren durch Mutter-Kind-Übertragung angesteckt worden waren. Das habe zu einem hohen Anteil von Aids-Todesfällen unter Jugend­lichen geführt. Um so wichtiger werde die HIV-Prävention in dieser „Schlüssel-Bevölkerungsgruppe“, ebenso wie verstärkte HIV-Tests und die sofortige Bereitstellung von antiretroviralen Therapien im Falle einer Infektion. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.01.18
Krieg in der Ukraine fördert Ausbreitung von resistenten HI-Viren
Oxford – Der Krieg im Osten des Landes und die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen haben die Ausbreitung resistenter HI-Viren in der Ukraine gefördert. Dies zeigen genetische Analysen......
10.01.18
HIV: „Pillendose“ im Magen ermöglicht einmal wöchentliche Dosierung
Boston – Eine Kapsel, die sich im Magen zu einem sechsarmigen Stern entfaltet und gleichmäßig mehrere Wirkstoffe abgibt, könnte HIV-Patienten eine einmal wöchentliche Dosierung ihrer Medikamente......
02.01.18
US-Regierung entlässt gesamtes Aids-Beratergremium
Washington – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat nach übereinstimmenden Medienberichten das gesamte bisherige Beratergremium des Weißen Hauses für HIV/Aids-Fragen entlassen. Nachdem......
29.12.17
CAR-T-Zelltherapie könnte HIV-Infektionen langfristig unterdrücken
Los Angeles – Die CAR-T-Zelltherapie, die in den USA kürzlich zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen zugelassen wurde, könnte im Prinzip auch bei HIV-Infektionen eingesetzt werden, wie......
07.12.17
UN wegen neuer HIV-Fälle in Afrika alarmiert
New York – In West- und Zentralafrika sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) 2016 schätzungsweise 60.000 Kinder neu mit HIV infiziert worden. Vier von fünf infizierten Kindern in der Region......
06.12.17
Unaids-Chef warnt vor Frühverheiratung von Kindern in Afrika
Abidjan – Zum Auftakt einer internationalen Tagung zum Kampf gegen Aids hat der Chef des UN-Aidsprogramms Unaids, Michel Sidibe, die afrikanischen Länder aufgefordert, „dringend und anders“ zu......
03.12.17
HIV-Resistenzen bei Therapiebeginn nehmen in ärmeren Ländern zu
London – Immer mehr Menschen in Subsahara-Afrika, aber auch in Asien und Lateinamerika sind bereits zu Therapiebeginn mit HI-Viren infiziert, die gegen einen Wirkstoff der empfohlenen Ersttherapie......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige