NewsÄrzteschaftÄrztekammer Nordrhein plädiert für Abschaffung der Terminservicestellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärztekammer Nordrhein plädiert für Abschaffung der Terminservicestellen

Montag, 21. November 2016

Düsseldorf – Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein hat die Bundes­re­gie­rung aufgefordert, die Servicestellen zur Vermittlung von Facharztterminen an gesetzli­che Krankenversicherte wieder abzuschaffen. Die Delegierten haben einen entsprechen­den Antrag am vergangenen Samstag bei zwei Enthaltungen ohne Gegenstimmen be­schlos­sen.

„In diesem Jahr werden bundesweit etwa 120.000 Termine durch die neu geschaffenen Einrichtungen vermittelt werden“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Ru­dolf Henke. Dem stünden rund 550 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte in der Niederlas­s­ung gegenüber, die ohne Terminservicestellen zustande kamen. „Die Vermittlung eines Termins kostet in Hessen etwa 107 Euro, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen ermittelt hat“, so Henke weiter. „Das sind hochgerechnet auf alle vermittelten Termine fast 13 Millionen Euro.“

Henkes Fazit: „Die Terminservicestellen sind ein Flop.“ Sie gehörten abgeschafft. Da­durch würden Mittel frei, die man wieder in die Patientenversorgung stecken könne. Au­ßer­dem zeige die Praxis, dass viele Patienten die angebotenen Termine ablehnten und etwa jeder zehnte Kranke erst gar nicht zum vermittelten Termin erscheine. Damit würden Termine für andere Patienten blockiert, so Henke.

Anzeige

Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage in der Augenheilkunde, die Bernd Bertram vom Ärztebündnis Nordrhein bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen im Bundesgebiet durchgeführt hat. Demnach haben die Servicestellen in diesem Jahr bundesweit rund 5.000 Patienten Termine vermittelt – bei insgesamt 6.000 Augenärzten.

„Und da redet man jetzt von einem Bedarf?“, fragte Bertram. „Die Hälfte der Fälle ist noch nicht mal dringlich gewesen.“ Bis zu 15 Prozent der vermittelten Patienten seien nicht in Praxen gekommen. Das seien in etwa genauso viele Patienten wie auch sonst nicht zu vereinbarten Terminen erscheinen, diese Termine aber für andere Patienten blockierten.

Die Delegierten der der Ärztekammer Nordrhein haben darüber hinaus die Bundesärzte­kammer (BÄK) aufgefordert, die Novelle der Gebühren­ordnung für Ärzte (GOÄ) voran­zu­treiben. „Die zahlreichen Analogbewertungen von Leistungen, die im rückständigen Leis­tungsverzeichnis fehlen, führen vielfach zu Unklarheit, Verunsicherung, Rechts­streitig­kei­ten und damit Störungen im Vertrauens­verhältnis zwischen Patient und Arzt. Auch bei den Bewertungen ärztlicher Leistungen ist über Jahrzehnte hinweg Stillstand zu konsta­tieren − trotz Kostensteigerungen und Inflation“, sagte Henke.

Besonders wichtig bei der Reform ist laut den Kammerdelegierten, „regelhafte, differen­zierte Steigerungs- und Abrechnungsmöglichkeiten“ als „Wesensmerkmal freier Berufe“ zu erhalten. Nur diese ermöglichten es Ärzten, den Tätigkeitsaufwand im Einzelfall nach Umfang, Schwierigkeitsgrad und Begleitumständen abzubilden. Die BÄK sollte die Be­wer­tung der Legenden der GOÄ „gemeinsam und ohne Zeitdruck“ mit den Verbän­den und Gesellschaften aushandeln, so die Kammerversammlung.

Das Parlament der rheinischen Ärzte hat bei seinem Treffen zudem die Landesre­gierung aufgefordert, ihren Verpflichtungen bei den Krankenhausinvestitionen in vollem Umfange nachzukommen. Im Augenblick investiere Nordrhein-Westfalen rund 500 Millionen Euro pro Jahr in die circa 400 Kliniken an Rhein und Ruhr.

Laut einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung liegt der tatsächliche Investitionsbedarf laut der Kammer allerdings bei mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die unzureichende Investitionsbereitschaft des Landes zwinge Kliniken dazu, not­wen­dige Investitionen aus Betriebsmitteln zu finanzieren, die eigentlich für die unmittel­ba­re Patientenversorgung und die Finanzierung des Personals bestimmt seien. „Dies geht auf Kosten der menschlichen Zuwendung im Krankenhaus“, warnte Henke. © ts/hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

10. September 2019
Mainz – Neben kleineren Krankenhäusern, die nach bundesweit festgelegten Regeln mit Sicherstellungszuschlägen bedacht werden, können voraussichtlich weitere Kliniken in Rheinland-Pfalz ab 2020
Rheinland-Pfalz will Sicherstellungszuschläge für Krankenhäuser ausweiten
10. September 2019
Hannover – Die Krankenkassen in Niedersachsen haben im ersten Quartal dieses Jahres 53 Millionen Euro für Leistungen psychologischer Psychotherapeuten ausgegeben. Das seien knapp 10 Millionen Euro
Ausgaben für Psychotherapie in Niedersachsen gestiegen
9. September 2019
Berlin – Ärzte, Patienten, Pflegeverbände, Gewerkschaften und Krankenkassen haben in einem Brief an die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses appelliert, mehr Geld in die Krankenhäuser der Stadt
Breites Bündnis fordert mehr Investitionen in die Berliner Krankenhäuser
9. September 2019
Düsseldorf – Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNO) hat in ihrer konstituierenden und ersten Sitzung Rudolf Henke für weitere fünf Jahre zum Präsidenten der ÄKNO gewählt. Das Mitglied
Henke bleibt Präsident der Ärztekammer Nordrhein
2. September 2019
Berlin – Die Bundesregierung sieht sich bei der Frage, ob es angesichts zunehmender Hitzeperioden in deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mehr Klimaanlagen geben muss, nicht zuständig. Das
Regierung sieht sich für Klimaanlagen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht zuständig
23. August 2019
Berlin – Die diesjährige Verhandlungsrunde zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband über die Honorare der niedergelassenen Ärzte sowie Psychotherapeuten ist nach
Vertragsärzte und Kassen einigen sich auf Honorarsteigerung von etwa 565 Millionen Euro
20. August 2019
Hannover – Das geplante Millionenprogramm für Investitionen der niedersächsischen Krankenhäuser ist einen Schritt weiter. Das Kabinett billigte heute einen entsprechenden Entwurf, der auf den
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER