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Ärzteschaft

Niedergelassene Ärzte wenden 52 Millionen Stunden für Bürokratie auf

Dienstag, 22. November 2016

/dpa

Berlin – Die rund 150.000 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben in diesem Jahr 52 Millionen Stunden damit verbracht, bürokratische Anforderungen der gemeinsamen Selbstverwaltung von Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu erfüllen. Im Jahr 2013 waren es noch 55 Millionen Stunden gewesen. Das geht aus dem Bürokratieindex hervor, den die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenärztliche Vereinigung (KV) West­falen-Lippe und die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) heute in Berlin vorgestellt haben.

Er soll künftig jährlich berechnet werden. Nicht eingeflossen in die Untersuchung ist Bü­ro­kratie, die durch gesetzliche Vorgaben entstanden ist. Grundlage des Bürokratie­index­es ist eine Messung der Bürokratiekosten für Vertragsärzte und -psycho­thera­peuten durch das Statistische Bundesamt im Jahr 2013, die sich damals auf 2,36 Milliarden Euro beliefen.

Die höchste zeitliche Belastung entsteht für Ärzte durch das Ausstellen von Verordnun­gen und Bescheinigungen, wie Volker Wittberg von der FHM ausführte. Zusätzliche Be­lastungen seien seit 2013 aber auch dadurch entstanden, dass Patienten vermehrt über Zuzahlungen bei Überschreitung der Festbetragsgrenze für Arzneimittel aufgeklärt wer­den mussten. Außerdem habe die Verordnung von Krankenbeförderung sowie das Aus­stellen von Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit auf Muster 1 mehr Arbeit verursacht, was im Wesentlichen auf einen Anstieg der Fallzahlen zurückzuführen sei.

Neben neuen Belastungen hätten sich aber auch Entlastungen von bürokratischen Tä­tig­keiten ergeben. Beispielsweise mussten durch den Wegfall der Praxisgebühr weniger Überweisungen ausgestellt werden. Durch das Zusammenlegen zweier Formulare habe sich zudem der Aufwand für das Ausstellen von Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit nach Ablauf der Entgeltfortzahlung verringert, so Wittberg. Weniger aufwendig sei auch die Dokumentation des Qualitätsmanagements geworden.

Selbstverwaltung sollte sich auf Abbauziel für Bürokratie verpflichten
Zwar sei der Bürokratieaufwand im vergangenen Jahr etwas gesunken, „doch er tut das immer noch auf einem viel zu hohen Niveau“, erklärte der KBV-Vorstandsvorsitzende An­dreas Gassen. Die Selbstverwaltung müsse deshalb ihre Anstrengungen weiter inten­si­vie­ren, die Bürokratiebelastung dramatisch zu verringern. Gassen sprach sich dafür aus, dass sich KBV, KVen und der GKV-Spitzenverband auf ein Abbauziel für Bürokratie ver­pflichten. Denn die Bürokratiebelastung sei dem Ärztemonitor von KBV und NAV-Vir­chow-Bund zufolge einer der Faktoren, mit denen die niedergelassenen Ärzte unzufrie­den seien.

Mit dem Bürokratieindex habe man jetzt ein Instrument geschaffen, das die Entwicklung dieser Belastung im Verlauf sichtbar mache. Gassen räumte zugleich ein, dass man beim Abbau von Bürokratie zwischen ärztlichem Tun, wie dem Ausstellen einer Verord­nung, und fachfremden Handlungen, die nichts mit der Interaktion zwischen Arzt und Patient zu tun hätten, unterscheiden müsse. Ein Ärgernis seien beispielsweise die häufigen freien An­fragen der Krankenkassen auf jeweils unterschiedlichen Formularen. „Hier ist Ent­schla­ckung nötig“, sagte Gassen. Die Ärzte müssten sich wieder auf das Kernelement der medizinischen Versorgung konzentrieren können: die Zeit mit den Patienten.

Allein in Westfalen-Lippe beliefen sich die zeitlichen Bürokratielasten auf gut fünf Millio­nen Stunden, erklärte Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der dortigen KV. Das ent­spre­che 57 Arbeitstagen im Jahr, die jede Praxis für Büroarbeiten aufwenden müsse. Ähnlich wie Gassen betonte auch Kriedel, dass die Auskünfte an die Krankenkassen und deren Medizinischen Dienst die größte Belastung für die niedergelassenen Ärzte darstellten.

Er warb in diesem Zusammenhang für die Formularlabore, die die KV Westfalen-Lippe bereits seit fünf Jahren betreibt. In den Gremien diskutierten Vertreter von Ärzten, Kran­kenkassen und Medizinischem Dienst gemeinsam über die Praxistauglichkeit von Formu­laren und Richtlinien. Ein Resultat dieser Arbeit sei die deutlich vereinfachte Chroniker­be­scheinung, sagte Kriedel: „Die gemeinsame Arbeit in Formularlaboren kann also nach­weislich dazu beitragen, Bürokratie zu minimieren beziehungsweise konstant zu halten.“ Seiner Ansicht nach müssten geänderte Richtlinien und Formulare dort vor ihrer Einfüh­rung jeweils echten Praxistests unterzogen werden. © HK/aerzteblatt.de

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