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Medizin

Wechselwirkung: Zwei Statine erhöhen Blutungsrisiko unter Dabigatran

Mittwoch, 23. November 2016

dpa

Toronto - Die gemeinsame Verordnung von Dabigatran mit Simvastatin oder Lovastatin war in einer bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie im Canadian Medical Association Journal (2016: doi: 10.1503/cmaj.160303) mit einer erhöhten Rate von schweren Blutungen assoziiert. Der Grund könnte eine Wechselwirkung in der Darmschleimhaut sein.

Der Thrombinhemmer Dabigatran ist seit 2008 zur Prävention eines Schlaganfalls bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern zugelassen. Das Mittel soll bei Patienten eingesetzt werden, die aufgrund von Diabetes, Hypertonie oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben. Viele dieser Patienten haben erhöhte Cholesterinwerte, die mit einem Statin behandelt werden. Zwei der ange­botenen Wirkstoffe, Simvastatin und Lovastatin, gehören zu den Inhibitoren des P-Glykoproteins.

Das P-Glykoprotein ist eine Pumpe, mit der Darmepithelien xenobiotische Substanzen zurück in das Darmlumen pumpen. Zu diesen Substanzen gehört auch Dabigatran: Die Gabe von P-Glykoproteinhemmern verhindert, dass Dabigatran ins Darmlumen zurückgepumpt wird. Sie steigern dadurch die Bioverfügbarkeit, spricht die Serumkonzentration. Dies erhöht bei Dabigatran das Risiko von schweren Blutungen und hämorrhagischen Schlaganfällen.

Die Gefahren, die sich aus diesen Wechselwirkungen ergeben, sind bekannt. Einige starke P-Glykoproteinhemmer wie Ciclosporin oder Dronedaron dürfen nicht zusammen mit Dabigatran verordnet werden. Bei anderen weniger starken P-Glykoproteinhemmern wie Amiodaron, Chinidin oder Verapamil empfehlen die Fachinformationen eine Dosis­senkung von Dabigatran.

Statine werden in den Fachinformationen bisher nicht genannt. Dies könnte sich durch die Studienergebnisse von Tony Antoniou vom St. Michael's Hospital, Toronto, und Mitarbeitern ändern. Der Apotheker hat die Daten von 45.991 Patienten ausgewertet, die zwischen 2012 und 2014 eine Therapie mit Dabigatran begannen. Von ihnen erlitten 2.406 eine schwere Blutung, die zu den gefürchteten Komplikationen von Dabigatran gehört. Fast die Hälfte, nämlich 1.117 hatten in den 60 Tagen zuvor ein Statin verordnet bekommen. Dies bedeutet nicht automatisch, dass die Statine die Komplikation begünstigt haben. Auch unter den jeweils vier Kontrollen, die Antoniou für jeden Fall ausgewertet hat, kam es zu schweren Blutungen.

Für die meisten Statine (Atorvastatin, Pravastatin, Fluvastatin oder Rosuvastatin) war das Risiko nicht erhöht. Für Simvastatin oder Lovastatin ermittelt Antoniou jedoch einen signifikanten Anstieg der schweren Blutungen. Die adjustierte Odds Ratio betrug 1,46 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,17 bis 1,82 signifikant.

Das Risiko auf einen Schlaganfall oder eine transitorische ischämische Attacke war mit einer Odds Ratio von 1,33; 0,88–2,01 nicht signifikant erhöht. Dies spricht nicht gegen einen Zusammenhang, da die meisten Schlaganfälle Folge einer Ischämie sind, die durch Dabigatran verhindert werden soll. Nur ein geringer Anteil ist auf Blutungen zurück­zuführen, die eine Komplikation der Dabigatran-Behandlung sein können.

Dass die Assoziation nur zu Simvastatin oder Lovastatin bestand, ist biologisch plausibel. Es sind die beiden einzigen Statine, die als Lactone angeboten werden, und in vitro-Untersuchungen haben laut Antoniou gezeigt, dass nur diese Statine das P-Glykoprotein hemmen und dadurch möglicherweise die Bioverfügbarkeit von Dabigatran steigern. © rme/aerzteblatt.de

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