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Digitalisierung: Ärzte erwarten Veränderungen

Donnerstag, 24. November 2016

dpa

Berlin – Ärzte erwarten, dass die Digitalisierung vor allem die Strukturen der Gesund­heits­­versorgung verändern wird; Veränderungen des Patient-Arzt-Verhältnisses erwarten sie hingegen weniger. Das geht aus der 360-Grad-Gesundheitsstudie der apoBank her­vor, für die 500 Heilberufler befragt und deren Ergebnisse gestern in Berlin vorgestellt wur­­den. Demnach erwarten 89 Prozent der befragten Ärzte, dass die digitale Vernetzung mittlere bis starke Auswirkungen auf die Strukturen der Gesundheits­versorgung haben wird. Insgesamt 64 Prozent glauben, dass die digitale Vernetzung die Beziehung zwi­schen Patienten und Ärzten verändern wird.

Viele Ärzte befürchten auch, dass sie aufgrund der digitalen Vernetzung investieren müssen. 25 Prozent der Befragten erwarten hohe Investitionen, 47 Prozent mittlere. We­niger Ärzte rechnen durch die digitale Vernetzung mit einer Erhöhung der Profite: Sechs Prozent gehen von hohen, 33 Prozent von mittleren Profiten aus. Etwa neun von zehn Ärzten sind zudem der Ansicht, dass sich sowohl die digitale Vernetzung im Allge­meinen als auch Community-Plattformen im Gesundheitssystem mittel- bis kurzfristig durchsetzen werden.

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Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, sprach sich für die Verwendung von IT bei der Diagnose und Therapie aus – aber nur als Hilfsmittel. „Manchmal muss man die Patienten anfassen, um eine Diagnose stellen zu können“, be­tonte er. Datensammlung und -verarbeitung sei für Ärzte wichtig, aber eben nur als Hilfs­mittel. IT könne den Arzt niemals ersetzen. „Deshalb sehe ich meinen Beruf durch IT auch überhaupt nicht bedroht“, so der BÄK-Präsident.

Markus Müschenich, Vorstand im Bundesverband Internetmedizin, meinte, Telemedizin und digitale Anwendungen könnten die Gesundheitsversorgung in Deutschland ver­bes­sern. Er nannte das Beispiel eines Depressiven, der schnell einen Termin bei einem Arzt haben wolle, jedoch erst in zwölf Wochen einen erhalten könne. Einen „Online-Face-to-Face-Kontakt“ könne er hingegen viel schneller haben.

Montgomery widersprach: „Man muss eine Depression zunächst einmal diagnostizieren. Und dafür muss der Arzt oder Psychologe den Patienten kennen und mit ihm gespro­chen haben.“ Erst danach könne eine Online-Sprechstunde sinnvoll sein. Zudem brauche der Patient möglicherweise auch Arzneimittel, die nur der Arzt verschreiben könne.“

Müschenich umriss ein weiteres Szenario: Das System Watson von IBM könne innerhalb von drei Minuten 200 Millionen Seiten an Fachinformation vergleichen. Das schaffe ein Arzt nicht. Zudem seien Ärzte oft nicht schnell verfügbar. „Die nächste Frage ist deshalb: Muss derjenige, der die ausgewerteten Daten mit dem Patienten bespricht, ein Arzt sein?“

Der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Ge­sundheitswesen bejahte diese Frage: „Einfach 200 Millionen Seiten an Fachinfor­mation durchforsten zu lassen, reicht nicht aus. Die Informationen müssen noch auf den einzel­nen Patienten angewendet werden. Und um dies tun zu können, muss ich den Patienten abhorchen und mit ihm sprechen.“

Zudem müssten die Studien, die die Fachinformationen geliefert haben, noch bewer­tet werden: Wer hat sie in Auftrag gegeben, sind sie gut gemacht? „Ich brauche beides“, betonte Gerlach, „die Fachinfor­ma­tion und jemanden mit Erfahrung, der sie auf den Ein­zelfall anwendet.“ Die Vermeh­rung des Wissens sei zudem nicht in jedem Fall ein Segen. Denn sie führe auch zu einer gigantischen Desinformation. © fos/aerzteblatt.de

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