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Medizin

Schlaganfälle: Gelegenheiten für die Primärprävention werden häufig verpasst

Donnerstag, 24. November 2016

Birmingham – Viele Schlaganfälle könnten verhindert werden, wenn entscheidende Risi­kofaktoren konsequenter behandelt würden. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der University of Birmingham. In PLOS Medicine veröffentlichte die Arbeitsgruppe um Grace Turner die Ergebnisse ihrer retrospektiven Studie (2016; doi: 10.1371/journal.pmed.1002169).

Wichtige Risikofaktoren für ischämische Schlaganfälle und transitorische ischämische Attacken (TIA) sind eine arterielle Hypertonie, Hypercholesterinämie und Vorhof­flimmern. Besonders der arrhythmische Herzschlag kann die Entstehung von kardialen Thromben begünstigen und stellt eine der häufigsten Ursachen für die Ischämie dar. Eine konse­quente Prävention und Therapie von Risikoerkrankungen ist daher anzu­streben.

Die Forscher nutzten Daten aus insgesamt 500 britischen Praxen, in denen innerhalb von vier Jahren fast 30.000 Patienten behandelt wurden. Diese ausgewählten Patienten hatten während der Beobachtungszeit einen ischämischen Schlaganfall oder eine TIA er­litten. Die Wissenschaftler überprüften, ob die Patienten vor dem Insult bei gegebener Indikation Statine, Antihypertensiva oder eine Antikoagulation erhielten.

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Es zeigte sich, dass in 54 Prozent der Fälle mindestens ein indiziertes Medikament den Patienten nicht verschrieben wurde. Rund die Hälfte aller Patienten mit Vorhofflimmern oder hohen Cholesterinwerten nahm keine Statine oder Antikoagulantien ein. Bei einem Viertel der Hypertoniker verschrieben die behandelnden Ärzte kein Mittel zur Blutdruck­senkung.

Die Forscher schätzen, dass in ganz Großbritannien rund 12.000 Schlaganfälle und TIAs verhindert werden könnten, wenn die Patienten entsprechend behandelt würden.

Unklar bleibt, warum die Medikamente nicht verschrieben wurden. Die Arbeitsgruppe gibt zu bedenken, dass bei einigen multimorbiden und sturzgefährdeten Patienten der Ver­zicht auf bestimmte Medikamente der richtige Ansatz sein könne. Sie empfehlen daher weitere Untersuchungen, aus welchen genauen Gründen Medikamente nicht verordnet werden. © hil/aerzteblatt.de

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