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Politik

Pflegereformen: Geld kommt nicht in den Heimen an

Donnerstag, 24. November 2016

Berlin – Die Pflegereformen der Bundesregierung werden im kommenden Jahr zu Mehr­kosten von sieben Milliarden Euro führen. In den Pflegeheimen wird von diesen Geldern jedoch nur wenig ankommen. Das erklärte Heinz Rothgang von der Universität Bremen heute bei der Vorstellung des Barmer GEK Pflegereports 2016 in Berlin. „Das Pflege­stär­kungsgesetz 2 ist sehr großzügig“, sagte Rothgang, der zusammen mit anderen den Re­port verfasst hat. Höhere Kosten entständen dabei vor allem beim Pflegegeld und den Pflegesachleistungen sowie bei der stationären Pflege.

In der stationären Pflege werden die Bewohner zum Jahreswechsel ohne eine weitere Be­gutachtung von den heute gültigen Pflegestufen in die neuen Pflegegrade überge­lei­tet. „Auch diese Überleitung ist sehr großzügig“, erklärte Rothgang. Für die Bewohner, die zum Jahreswechsel in den stationären Pflegeeinrichtungen leben, erhalten die Heime deshalb mehr Geld als für die Bewohner, die im kommenden Jahr neu in die Heime kommen. Dieser sogenannte Zwillingseffekt führe in den nächsten zwei Jahren zu einem Budgetverlust für die Einrichtungen, sagte Rothgang. Deshalb kämen von den sieben Milliarden Euro kaum Gelder in den Heimen an.

An anderer Stelle wirkten die Pflegereformen hingegen. „Die Prävalenz der Leistungsbe­rechtigten ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen“, erklärte Rothgang. Die Steigerung sei jedoch keine Folge einer höheren Morbidität, sondern eine Folge der ers­ten Reformschritte, die auf Leistungsverbesserungen für niedrige Pflegestufen und am­bu­lante Leistungen wie die Verhinderungspflege zielten.

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Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, räumte ein, dass die Pfle­gestützpunkte, in denen die Versicherten beraten werden sollen, ihre Aufgaben nicht im erhofften Maße erfüllen könnten. „Sie sind eine gut gemeinte Struktur“, sagte er. „Doch die Strukturen sind zu statisch.“ Er plädierte deshalb dafür, keine neuen Pflegestütz­­punk­te zu eröffnen, solange es keine Bedarfsprüfung gegeben habe. „Wir sprechen uns da­für aus, zu einer Diskussion zwischen den Beteiligten vor Ort zu kommen“, sagte Straub. „Dazu sollten die regionalen Pflegekonferenzen stärker genutzt werden.“ Zudem müssten die Versicherten verstärkt online informiert werden. Dafür hätten die Ersatz­kassen jetzt die Seite www.pflegen-und-leben.de freigeschaltet.

Der Pflegereport weist zudem regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern aus. So spielt die Pflege in Heimen die größte Rolle in Schleswig-Holstein. Hier werden 40,5 Prozent der Pflegebedürftigen stationär gepflegt. Dementsprechend ist die Kapazität an Plätzen in Pflegeheimen mit 49,2 pro 100 Pflegebedürftigen die höchste im Bundes­ge­biet. In Brandenburg sind hingegen 26,9 Plätze pro 100 Pflegebedürftige verfügbar. Da­gegen werden in Brandenburg die meisten Menschen durch ambulante Pflegedienste oder allein durch die Familie versorgt. Bei dem Anteil der Pflegedienste wird Branden­burg (28,5 Prozent) nur von Hamburg (29,2), Sachsen (29,0) und Bremen (28,7) über­troffen.

Beeinflusst wird die Form der Pflege dem Report zufolge außerdem von der Einkom­menshöhe der Pflegebedürftigen. Bei geringem Einkommen reduzieren die privaten Zu­zahlungen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pflegebedürftiger im Heim gepflegt wird. Wäh­rend in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sowie in Berlin, Hamburg und Bre­men zwischen den Jahren 2050 und 2060 die Zahl der Pflegebedürftigen steigen wird, sind in den ostdeutschen Bundesländern ausnahmslos deutliche Rückgänge zu erwar­ten. Zugleich wird sich der Anteil Hochbetagter erhöhen. Bis zum Jahr 2060 werden drei von vier pflegebedürftigen Männern 80 Jahre und älter sein, von den pflegebedürftigen Frauen knapp 85 Prozent. © fos/aerzteblatt.de

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