Medizin

Augenheilkunde: Trockenheit, Glare, Halo und Starburst als Folge der LASIK-Chirurgie

Montag, 28. November 2016

Silver Spring/Maryland – Nach einer LASIK-Operation können viele Menschen mit Myopie oder anderen Brechkraftfehlern auf eine Brille verzichten. Die refraktive Chirurgie, die durch einen Gewebeabtrag die Hornhautkrümmung verändert, ist jedoch nicht frei von Nebenwirkungen und Risiken, die die US-Zulassungsbehörde FDA in zwei Studien untersucht hat, deren Ergebnisse jetzt in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.4587) veröffentlicht wurden.

Neben der Linse bestimmt vor allem die Hornhaut die Brechkraft des Auges. Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, die Brechkraft durch einen augenärztlichen Eingriff zu verändern. Am häufigsten wird die Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK) angeboten. Dabei wird nach Abheben der äußeren Hornhautschichten (Flap) mit einem Laser ein Teil des Bindegewebes der Hornhaut abgetragen, wodurch sich nach Zurückklappen des Flaps die Hornhautkrümmung verändert. Die Operation kann eine Kurzsichtigkeit mit bis zu 10 Dioptrien und eine Weitsichtigkeit mit bis zu 4 Dioptrien korrigieren und in der Regel einen Astigmatismus beheben. 

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Die Operation hat sich in den klinischen Studien, die in den USA vor einer Zulassung durchgeführt wurden, als sicher erwiesen. Die FDA blieb jedoch skeptisch und hat deshalb eigene Nachuntersuchungen durchgeführt. In den beiden PROWL-Studien („Patient-Reported Outcomes With LASIK“) füllten die Patienten beim Augenarzttermin einen Online-Fragebogen aus. Dabei wurde streng darauf geachtet, dass die behan­deln­den Ärzte keinen Einblick in die Daten hatten. Es sollte verhindert werden, dass die Ärzte das Urteil ihrer Patienten beeinflussen, die vielleicht aus Dankbarkeit Nebenwir­kun­gen banalisierten oder ganz verschwiegen. 

Die PROWL-1-Studie wurden an einem militärischen Zentrum durchgeführt. Die 262 Patienten waren aktiv im Militärdienst (Durchschnittsalter 29 Jahre). An der PROWL-2-Studie nahmen 312 Zivilisten (Durchschnittsalter 32 Jahre) teil, die an fünf privaten Praxen oder akademischen Zentren behandelt wurden. Die LASIK-Operationen wurden nach dem üblichen Standard mit Geräten durchgeführt, die die FDA zuvor zugelassen hatte. Einen und drei Monate nach der Operation fanden in beiden Studien Nachunter­suchungen statt, bei denen die Patienten auch die Online-Fragen beantworteten. In der PROWL-1-Studie gab es nach sechs Monaten eine weitere Nachuntersuchung und Befragung. 

Wie Malvina Eydelman und Mitarbeiter der FDA in Silver Spring/Maryland berichten, haben sich die Symptome bei den meisten Patienten nach der Operation verbessert. Der Anteil der Patienten mit einem normalen „Ocular Surface Disease Index“-(OSDI-)Score (er beurteilt den Erkrankungskomplex „trockenes Auge“) ist in beiden Studien gestiegen. Es gab jedoch auch Patienten, die vor der Operation beschwerdefrei waren und nach der LASIK-Operation erstmals über trockene Augen klagten. Etwa 28 Prozent der Patienten mussten in dem OSDI-Score hochgestuft werden.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung sind Doppelbilder, „Glare“ (eine übermäßige Lichtausbreitung von reflektierenden Objekten), Halos (Lichtringe um Lichtquellen) und ein „Starburst“ (Strahlen um punktförmige Lichtquelle wie auf Fotos). Wenigstens eines dieser Symptome wurde in der PROWL-1-Studie von 43 Prozent und in der PROWL-2-Studie von 46 Prozent der Patienten angegeben. 

Die meisten scheinen sich mit den Folgen der Operation zu arrangieren. Zwischen ein bis vier Prozent waren jedoch mit ihrer Sehleistung nicht zufrieden. Eine Unzufrie­den­heit mit der Operation gaben ein bis zwei Prozent der Befragten an. Eydelman schließt allerdings nicht aus, dass in Wirklichkeit mehr Patienten unzufrieden waren. Sie vermutet, dass einige Teilnehmer ein positives Fazit für sich gezogen haben könnten, weil sie sich selbst für den Eingriff entschieden haben und dies jetzt nicht mehr rück­gängig machen können. © rme/aerzteblatt.de

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