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Medizin

Prädiabetes erhöht Herz-Kreis­lauf-Risiko

Sonntag, 27. November 2016

dpa

Zhanjiang – Ein erhöhter Blutzucker geht langfristig bereits unterhalb des heute üblichen Grenzwerts zur Diagnose des Typ 2-Diabetes mit einem erhöhten Risiko auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtsterblichkeit einher. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 355: i5953) auf der Basis von 53 prospektiven Kohortenstudien mit mehr als 1,6 Millionen Teilnehmern.

Der Typ 2-Diabetes ist gekennzeichnet durch eine Insulinresistenz, die dauerhaft zu einem erhöhten Blutzucker führt. Als Grenzwert für die Diagnose gelten international ein Nüchternblutzucker von 7,0 mmol/l (126 mg/dl) oder ein HbA1c-Wert von 6,5 Prozent. Die meisten Diabetologen sind sich jedoch einig, dass der Erkrankung eine Phase mit einer eingeschränkten Glukosetoleranz vorausgeht. 

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Wann dieser „Prä“-Diabetes beginnt, ist jedoch umstritten. Die Weltgesundheits­organisation zieht die Grenze bei einem Nüchternblutzucker von 6,1 mmol/l (110 mg/dl), für die American Diabetes Association sind bereits Werte über 5,6 mmol/l (100 mg/dl) bedenklich. Die entsprechenden HbA1c-Grenzwerte sind 5,7 Prozent und 6,0 Prozent. 

Ein erhöhtes Diabetes-Risiko besteht auch, wenn im oralen Glukosebelastungstest nach zwei Stunden ein Blutzucker von 7,8 mmol/l (140 mg/dl) oder höher gemessen wird. Er ist neben einem Nüchternblutzucker von 5,6 mmol/l (100 mg/dl) für die Nationale VersorgungsLeitlinie der Grenzwert, ab dem mit dem Patienten über ein mögliches Diabetesrisiko geredet werden sollte und eine Änderung des Lebensstils anzustreben ist.

Diese Empfehlungen sind zwar in erster Linie auf die Vermeidung eines späteren Typ 2-Diabetes ausgerichtet, sie könnten jedoch an Überzeugungskraft gewinnen, wenn den Patienten in dieser Phase eine konkrete Gefährdung seiner Gesundheit vor Augen geführt werden könnte. Eine Grundlage hierfür legt jetzt ein Team um Yunzhao Hu von der Universität der chinesischen Provinz Guangdong in Zhanjiang vor. Die chinesischen Kardiologen haben die Daten von 53 prospektiven Studien mit insgesamt 1,6 Millionen Teilnehmern ausgewertet, die den Einfluss des Blutzuckers auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall oder Gesamtsterblichkeit untersucht haben.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass bereits der niedrige Grenzwert der American Diabetes Association mit einem erhöhten Risiko in allen vier Endpunkten verbunden ist: Ein Prädiabetes nach den Kriterien der American Diabetes Association (5,6-6,9 mmol/l oder 100-125 mg/dl) war während der im Durchschnitt 9,5-jährigen Nachbeobachtungszeit mit einem Anstieg der Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 13 Prozent verbunden. Das Risiko auf eine koronare Herzkrankheit stieg um 10 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 6 Prozent und das Gesamtsterberisiko um 13 Prozent. Alle relativen Risiken waren aufgrund der großen Teilnehmerzahl statistisch signifikant. 

Bei jedem Anstieg des Blutzuckers nimmt das Risiko zu. Wird der Prädiabetes nach den WHO-Kriterien gestellt, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko um 26 Prozent, das koronare Risiko um 18 Prozent, das Schlaganfallrisiko um 17 Prozent und das Gesamtsterberisiko um 13 Prozent. Bei dem Kriterium gestörte Glukosetoleranz sind es bereits 30 Prozent (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), 20 Prozent (Koronare Herzkrankheit), 20 Prozent (Schlaganfall) und 32 Prozent (Gesamtsterblichkeit).

Diese Dosis-Wirkungsbeziehung, die aus den drei unterschiedlichen Kriterien abzulesen ist, unterstreicht die Glaubwürdigkeit der Zahlen. Dass ein Prädiabetes für die Patienten mit einem echten Krankheitsrisiko verbunden ist, steht für Hu deshalb außer Zweifel. © rme/aerzteblatt.de

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