Politik
Grüttner verteidigt Ökonomisierung im Gesundheitswesen
Montag, 28. November 2016
Frankfurt am Main – Gegen die häufig geäußerte Kritik an der Ökonomisierung der Medizin hat sich der hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner (CDU), gewandt. Angesichts des demografischen Wandels, sinkender Arztzahlen und begrenzter finanzieller Mittel müssten an den Gesundheitssektor marktwirtschaftliche Maßstäbe angelegt werden, sagte er am vergangenen Wochenende in einem Grußwort auf der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen.
Es sei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen ökonomisch umgegangen werde, betonte er. „Unser Gesundheitswesen braucht Ökonomie. Die Frage ist, wie weit sie gehen darf“, sagte er. Nicht das Fallpauschalen-System in Krankenhäusern an sich sei problematisch, sondern mit dem System verbundene Fehlanreize.
Der Minister betonte auch die Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Versorgung. So müssten in Zukunft Mindestmengen durchgesetzt und der Qualitätswettbewerb angekurbelt werden. Wenn es bei Krankenhäusern zu Abschlägen für unzureichende Qualität komme, dürften diese nicht von Dauer sein: „Wir werden nicht akzeptieren, dass es schlechte Qualität gibt“, sagte er. Ansonsten werde ein Krankenhaus aus dem Krankenhausplan herausgenommen, stellte er klar.
Die Delegiertenversammlung der Ärztekammer forderte das hessische Ministerium für Soziales und Integration im Gegenzug auf, im neuen Krankenhausplan eine ausreichende ärztliche und pflegerische Personalbesetzung als wichtiges Kriterium für eine hochwertige Patientenversorgung festzulegen.
Die chronische Unterfinanzierung der Kliniken im Bereich der Investitionsmittel führe zu Personalabbau, der Überlastung und Demotivation des verbleibenden Personals zur Folge habe, kritisierten die Delegierten. Wer aber die Qualität der Patientenversorgung wirklich verbessern wolle, müsse Strukturkriterien als Voraussetzung für eine gute Patientenversorgung festlegen, forderte das hessische Ärzteparlament. Dazu gehöre zwingend eine ausreichende Personalausstattung.
Die Delegierten forderten in diesem Zusammenhang auch, bei der Novellierung des Krankenhausplanes für eine ausreichende Zahl von Notaufnahmestationsbetten zu sorgen, um für Not-und Großschadensfälle gewappnet zu sein. „Diese Festlegung ist Voraussetzung, um in einem Flächenland wie Hessen die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen“, erklärten die Delegierten.
Ein weiterer Diskussionspunkt der Kammerversammlung war die von Bund und Ländern geplante Reform des Medizinstudiums.
© hil/aerzteblatt.de

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