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Augenärztliche Versorgung in Seniorenheimen mangelhaft

Mittwoch, 30. November 2016

/ berwis, pixelio.de

Berlin – In deutschen Pflegeheimen hat rund die Hälfte der Bewohner Sehprobleme. Das zeigt die Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) der Stiftung Auge, die heute erstmals in Berlin präsentiert wurde. Bei fast 40 Prozent der Bewohner stellt dabei der Transport zum Augenarzt die größte Hürde dar. Die Stiftung möchte aufgrund des Versorgungsdefizits im Frühjahr 2017 Vertreter aus dem Pflege­bereich und Kostenträger einladen, um Lösungsansätze zu besprechen.

Der letzte Augenarztbesuch lag bei den Studienteilnehmern durchschnittlich vier Jahre zurück. Dabei empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte, ab dem 40. Lebensjahr ein- bis zweimal jährlich einen Augenarzt zur Vorsorge aufzusuchen. Denn viele Augen­erkran­kungen sind altersbedingt. Das Sehvermögen sei zudem ausschlaggebend dafür, dass auch betagte Menschen weiterhin selbstständig leben können, sagte Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorstandsmitglied der Stiftung Auge. Wie wichtig älteren Menschen ihre Autonomie ist, bekräftigte auch Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D. Das gelte für Senioren in Pflegeheimen ebenso wie für diejenigen, die zu Hause leben.

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Am häufigsten stellten die Augenärzte bei den Senioren einen grauen Star fest (53 Prozent), der in mehr als der Hälfte der Fälle als operationswürdig eingeschätzt wurde. Von einem Glaukom waren 17 Prozent betroffen. Unbehandelt führt der zu hohe Augendruck in vielen Fällen zu Erblindung. „Behandelt wurde der grüne Star aber nur bei sechs Prozent der Heimbewohner“, sagte Robert P. Finger, Oberarzt und Professor für ophthalmologische Epidemiologie und neuroretinale Bildgebung an der Universitäts-Augenklinik Bonn. Bei über einem Drittel lautete die Empfehlung der Ärzte, eine rasche Vorstellung beim Facharzt innerhalb von zwei Monaten, bei sechs Prozent war sogar eine sofortige Vorstellung notwendig.

Ein anderes häufig beoachtetes Versorgungsdefizit waren Sehhilfen. „Oft fehlte schlicht die passende Brille für die Nähe und die Ferne“, sagte Finger. Bei jedem der 600 unter­suchten Bewohner könnte eine optimierterte Brille die Sehschärfe um mindestens eine Zeile auf einer Sehtafel verbessern, berichtete er. Das verringere auch die Sturzgefahr. Im Rahmen der Studie befragten und untersuchten Ärzte von 14 Augenkliniken Bewoh­ner deutschlandweit in 32 Heimen. Das durchschnittliche Alter lag bei 83 Jahren.

Hürden, einen Augenarzt aufzusuchen:

  • fehlender Transport (39 Prozent)
  • fehlende Unterstützung/Hilfe (19 Prozent)
  • fehlende subjektive Notwendigkeit (12 Prozent)
  • Kosten (6 Prozent)
  • keine barrierefreie Augenarztpraxis (5 Prozent)

Warum die Bewohner die jährliche Augenarztvorsorge nicht wahrnahmen, haben die Forscher ebenfalls im Rahmen der Studie erhoben. Etwa 39 Prozent gaben den Transport als Hürde an. Fast jedem Fünften fehlte eine begleitende Person als Unterstütung beim Arztbesuch und zwölf Prozent sahen keine Notwendigkeit.

Tatsächliche Versorgungslage schlechter
„Wir können davon ausgehen, dass OVIS eine noch relativ positive Darstellung der tatsächlichen Versorgungslage zeigt“, schätzt Finger. Denn es hätten nur 20 Prozent der Bewohner der untersuchten Seniorenheime an der Studie teilgenommen, die vermutlich eher zu den gesunden Senioren gehören würden, führte Finger fort.

Peter Heinz, Facharzt für Augenheilkunde in Schlüsselfeld, plädierte unter anderem dafür, die Mitarbeiter der Alten- und Pflegeeinrichtungen darauf zu schulen, Anzeichen für schlechtes Sehen zu erkennen und sich frühzeitig um eine Vorstellung beim Augen­arzt zu kümmern. Darüber hinaus könne aber schon jetzt jeder Augenarzt selbst aktiv werden und sich mit Pflegeheimen in Verbindung setzen, um ein Screening und die anschließende Versorgung in die Wege zu leiten.

Die vollständigen Daten der Studie sollen die Autoren Anfang nächsten Jahres zur Publikation einreichen. © gie/aerzteblatt.de

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