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Politik

CDU-Papier: Gleiche Vergütung für gleiche Leistung

Dienstag, 29. November 2016

/dpa

Berlin – Der Bundesfachausschus­s Gesundheit und Pflege der CDU will die sektorüber­greifende Ver­sorgung befördern und denkt unter anderem laut über die Angleichung der Vergütung für Leistungen von Kliniken und Niedergelassenen nach. Das geht aus einem Beschluss des Ausschusses hervor, dem der langjährige gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion und derzeitige Finanzstaatssekretär Jens Spahn vorsitzt.

„Die sektorengebundene Verteilung der finanziellen Mittel und die sich daraus ergeben­den unterschiedlichen Vergütungssysteme im Bereich der Akutversorgung (ambulant – EBM bzw. GOÄ /stationär – DRG und Investitionskostenzuschüsse durch die Länder) setzen falsche Anreize“, heißt es in dem Papier, das dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) vor­liegt. Gleiche Leistungen im ambulanten und stationären Bereich würden unter­schied­lich vergütet.

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Beispiele, wie unterschiedlich die Bezahlung ist, hat die Kassenärztliche Bundesvereini­gung (KBV) der Frankfurter Allgemeinen Zei­tung genannt, die zuerst über das Papier be­richtete. Demnach könne ein Krankenhaus zum Beispiel 1.900 Euro für einen Leis­ten­bruch abrechnen, während sich die durchschnittlichen Kosten einer ambulanten Opera­tion auf rund 528 Euro be­lie­fen. Die Krampfaderentfernung kostet laut KBV rund 280 Euro, während die Klinik etwa 2.004 Euro erhält. Für die Arthroskopie am Kniegelenk sind es etwa 384 Euro in der am­bu­lanten und 1.763 Euro in der stationären Versorgung.

Das Problem der Vergütung zeigt sich nach Ansicht des CDU-Fachausschusses „deutlich beim Beleg- und Honorararztwesen, das überdies durch ein Nebeneinander von Erlaub­nis- und Verbotsvorbehalt in der Leis­tungs­­­­erbringung gekennzeichnet ist“. Darüber hi­naus würden die ambulanten Leis­tun­gen bei den jährlichen Budgetverhand­lun­gen im Krankenhausbereich nicht standardi­siert berücksichtigt. „Die Folgen sind unter anderem ein fort­dauernder Streit um die finan­ziellen Mittel der Versicherten­gemeinschaft sowie in Teilen eine Fehlsteuerung der me­di­zi­nischen Versorgung“, so die CDU.

Der Bundesfachausschuss fordert daher, eine einheitliche Vergütung für vergleichbare ambulante und stationäre Leistung nach dem Motto „Gleiche Vergütung für gleiche Leis­tung“. Um das umzusetzen, schlagen die Abgeordneten leistungsbezogene Behand­lungs­­pauschalen vor. Eigene Vor­schlä­ge, wie genau ein einheitliches Vergütungssystem aussehen soll, macht der Fachausschuss nicht. Vielmehr regen die Abge­ordneten an, dass der Erweiterte Bewertungsausschuss ein unabhängiges Insti­tut damit beauf­tragt, ein gemeinsames Vergütungssystems zu entwickeln.

Dem Ausschuss der CDU ist bewusst, wie deutlich die Umsetzung der Vorschläge ins be­stehende System der Finanzie­rung eingreifen würde. Diese be­deute auch eine Ände­rung der besteh­en­den Krankenhausfinanzierung, heißt es. Die Änderungen würden dem Prinzip „ambu­lant vor stationär“ aber eine erhöhte Bedeutung verschaffen. „Durch die Aufhebung der sektorengebundenen Verteilung der finanziellen Mittel können Effizien­zen im Gesundheitswesen gehoben und gleichzeitig Über-, Unter- und Fehlversorgung abge­baut werden“, zeigt sich der CDU.Ausschuss überzeugt.

Neben der Finanzierung stellen die Gesundheitspolitiker der CDU weitere Forderungen auf, die aus ihrer Sicht notwendig sind, um eine sektorenübergreifende Versorgung zu verbessern. Sie wünschen sich etwa, dass Behandlungsabläufe und Prozesse optimiert werden. Notwendig sei – unter Wahrung der Therapiefreiheit – eine stärkere Vernetzung der Leistungserbringer innerhalb und zwischen den Sektoren, heißt es. Gestärkt werden müssten zudem interdisziplinäres Arbeiten und eine gemeinsame Indikationsstellung.

Der Ausschuss macht sich auch für eine sektorübergreifende Versorgungsplanung stark. Das gelte vor allem für Krankenhausplanung, regionale Verteilung der niederge­lassenen Ärzte und die Notfallversorgung einschließlich Rettungsdienst. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #720358
RALiRa
am Freitag, 2. Dezember 2016, 10:15

und wie sieht es aus mit QS-Gleichstellung?

Es ist ionteressant, das eine gleiche Vergütung gefordert wird, aber der Nebeneffekt, nämlich die Einhaltung von strengsten QS-Vorgaben und Mindestmengen durch Krankenhäuser, von den Niedergelassenen ausgeblendet wird.
Gleiches Geld? Nun ja, vielleicht dann, wenn die gleichen Strukturvorgaben des G-BA auch eingehalten werden und transparent gemacht werden.
Avatar #715079
mhfk
am Mittwoch, 30. November 2016, 09:09

Vergleich von Äpfeln und Birnen

Bevor man die Leistung auf dem Papier rein nach dem Kostenaspekt beurteilt, muss man sich vor Augen führen, dass eine Vielzahl der Eingriffe im Krankenhaus ambulant gar nicht durchführbar wären, sei es durch Immobilität oder Komorbidität. Und natürlich ist es teurer, eine Bronchoskopie bei einem komorbiden Patienten zu machen, der nebst Anästhesie-Standby bei möglichem schwierigem Atemweg während des Eingriffs, post-interventionell ein Überwachungs- oder Inteisivbett braucht. Sowohl der Pflegeaufwand, der im ambulanten Sektor bis auf einen Bruchteil wegfällt, als auch die Aus- und Weiterbildung des Personals, dass irgendwann mal im ambulanten Sektor arbeiten soll sind bereits jetzt nicht ausreichend abgebildet.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 29. November 2016, 21:29

Als ob die Krankenhäuser

die ambulante Notfallversorgung kostenfrei leisten würden - früher war das ein Nebeneffekt des ohnehin vorhandenen Nachtdienstes in den Krankenhäusern. Die völlig unnötige "Politik der offenen Tür" ist ja von den Krankenhäusern als "Patienteneinfangeinrichtung" ausgeweitet worden.
Zudem laufen bei mir ständig Patienten auf, die für eine ambulante Behandlung oder Untersuchung im KH undbedingt eine Einweisung benötigen - weil allein die Pauschale für vorstationäre Maßnahmen fast so hoch ist wie die stationäre DRG-Pauschale.
Um auf das Beispiel Leistenhernie zurückzukommen: Der Honorarumsatz für die Operation beruht doch nicht auf einer realistischen Kalkualtion sive Wirtschaftlichkeitsberechnung - sobald ein realistischer Unternehmerlohn eingepreist wird, ensteht ein kalkulatorischer Verlust
Avatar #111427
benkpe
am Dienstag, 29. November 2016, 20:02

gleiche Vergütung für gleiche Leistung

Die Absicht klingt zu nächst einmal gut, doch um das umzusetzen müsste das komplette DRG-System geändert werden.
In der DRG Pauschale für die Leistenhernie steckt eben nicht das gleiche wie in der ambulanten Operation einer Leistenhernie.
nur ein paar Unterschiede:

a) Schon das Patientenkollektiv ist unterschiedlich. Voraussetzung für die stationäre Durchführung sind Komorbiditäten z.B. COPD oder schwer einstellbarer insulinpflichtiger Diabetes
usw.
b) die gesamte Notfallversorgung an 365 Tagen rund um die Uhr ist in der stationären DRG eingepreist und im ambulanten Bereich völlig außen vor.
c) die kompletter Medikamentenversorgung für die Behandlungstage ist in der stationären Leistung eingepreist.
d) die Komplikationen bis hin zur Intensivbehandlung z.b. kurzfristige Nachbeatmung bis 24 h sind in der stationären Leistung mit enthalten.
e)die Nachbehandlung ist in den stationären Pauschalen zum großen Teil enthalten.
kurz der Vergleich der DRG Pauschale für die stationäre Durchführung einer LH-OP, mit der Pauschale für die ambulante OP ist wegen erheblich unterschiedlichem Leistungsinhalt irreführend.
LNS

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