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Politik

Krankenhaus­behandlungen: „Anforderungen und Realität klaffen auseinander“

Dienstag, 29. November 2016

Berlin – Der AOK-Bundesverband hat mehr Zentralisierung und Spezialisierung im stationären Bereich gefordert. Dadurch könne die Behandlungsqualität in den Kliniken erhöht werden, wie der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Martin Litsch, heute anlässlich der Vorstellung des Qualitätsmonitors 2017 erklärte. Darin werden unter anderem die Qualitätsberichte von 1.645 Krankenhäusern ausgewertet, die Patienten in den Bereichen Herzinfarkt, Schlaganfall, Cholezystektomie, Operation bei Femurfraktur, Mammachirurgie und Ovariektomie behandelt haben. 

Ein Ergebnis dieser Auswertung ist: „Die fachlich konsentierten Anforderungen und die Versorgungs­wirklichkeit klaffen auseinander“, wie Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin, einer der Autoren des Monitors, erklärte. Als Beispiel nannte er die Bereiche Herzinfarkt und Mammachirurgie. „Nach den Leitlinien sollte ein Herzinfarkt­patient nach 60 Minuten versorgt sein“, sagte Mansky. „Das geht aber nur, wenn das Krankenhaus entsprechend ausgerüstet ist und ein Herzkatheterlabor vorhält.“ Ein Viertel der Kliniken versorge jedoch weniger als 34 Fälle pro Jahr. Da sei es nicht ganz einfach, diese Strukturen vorzuhalten. Diese Kliniken hätten auch die Spezialisten nicht, die man für die Behandlung von Herzinfarktpatienten brauche.

Mammachirurgie: Ein Viertel der Kliniken behandelt weniger als acht Fälle pro Jahr
„Etwas mehr als die Hälfte der Kliniken, die Herzinfarktpatienten versorgen, haben am Standort ein Herzkatheterlabor mit durchgängiger Bereitschaft. 40 Prozent der Kliniken haben ein solches Labor jedoch nicht“, erklärte Mansky. In kleinen Kliniken liege dieser Anteil sogar bei 80 Prozent. Dennoch seien in diesen Kliniken im Jahr 2014 hoch­gerechnet knapp 22.000 Herzinfarkte behandelt worden, also etwa jeder zehnte Herz­infarktpatient. „Wir haben keinen Mangel an Herzkatheterlaboren, wir haben sogar eine Überversorgung“, betonte Mansky. „Doch die Patienten landen nicht dort, wo diese Plätze sind.“

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Ähnliches gelte in der Mammachirurgie. „OnkoZert empfiehlt mindestens 100 Erst­behand­lungen pro Jahr und mindestens 50 pro Operateur“, fuhr Mansky fort. Die Versorgungswirklichkeit sehe jedoch ganz anders aus. Denn die Hälfte der Kliniken liege unterhalb dieses Wertes. Ein Viertel aller Kliniken, die im Jahr 2014 mammachirurgische Eingriffe durchführten, hätte sogar weniger als acht Fälle behandelt. „Es gibt Handlungs­bedarf hinsichtlich einer Leistungskonzentrationen in den entsprechend ausgestatteten Kliniken“, fasste er zusammen. „Das würde sofort qualitätsverbessernd wirken. Dazu braucht man keine langen Gutachten.“

„Die Planungsbehörden müssen die Patientensteuerung besser initiieren“
„Wir wissen viel, aber wir müssen es auch zur Umsetzung bringen“, betonte Litsch. „Deshalb legen wir jetzt den Qualitätsmonitor vor. Wir wünschen uns, dass die Planungsbehörden der Länder diese Liste aktiv nutzen.“

Litsch betonte, dass die Rettungskette aus seiner Sicht nicht funktioniere: „Bei einem Herzinfarkt ruft man 112, der Rettungswagen kommt und fährt den Patienten dann irgendwohin. Der Rettungswagen darf aber nicht ins nächste Krankenhaus fahren, sondern in das geeignetste. Warum das nicht organisierbar ist, will mir nicht so recht einleuchten.“ Es müsse Aufgabe der Planungsbehörden der Länder sein, die Patienten­steuerung besser zu initiieren. Das sei möglich, auch ohne die wohnortnahe Versorgung zu gefährden. © fos/aerzteblatt.de

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