NewsAuslandTom Price: Wofür steht der neue US-Gesund­heitsminister?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Tom Price: Wofür steht der neue US-Gesund­heitsminister?

Mittwoch, 30. November 2016

Washington – Der künftige US-Präsident Donald Trump hat gestern den ehemaligen ­or­thopädischen Chirurgen Tom Price für den Posten des US-Ge­sund­heits­mi­nis­ters no­mi­nie­rt und damit eine Kehrtwende in vielfacher Hinsicht eingeleitet. Doch wofür steht der Arzt?

Der erzkonservative Republikaner Tom Price aus Georgia ist so etwas wie ein rotes Tuch für alle Befürworter der Gesundheitsreform des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. Denn seit Verabschiedung der als Obamacare bekannten Reform, die erstmals eine allgemeine Versicherungspflicht in den USA einführte, brachte Price immer wieder Gegenanträge ein.

Während der Orthopäde damit bisher stets ins Leere lief, hat er als künftiger Gesund­heitsminister eine Plattform, von der er die Demontage dieser Reform vorantreiben kann. Mit seinem neuen Posten wird Price eine Schlüsselposition im Kabinett des designierten US-Präsidenten Donald Trump besetzen.

Anzeige

Er ist damit nicht nur zuständig für den unter Obama eingeführten Affordable Care Act, einem Bundesgesetz, das den Zugang zur Kran­ken­ver­siche­rung regelt. Er ist auch ver­ant­wortlich für die 130 Millionen US-Amerikaner, die Leistungen aus dem Medicare-Pro­gramm für Pensionäre oder Medicaid für Bedürftige beziehen. Darüber hinaus zahlt sein künftiges Ressort bisher die Zuschüsse für die umstrittene Organisation Planned Parent­hood (PPFA). PPFA ist eine gemeinnützige Organisation, die vor allem in der Sexualme­di­­zin, Gynäkologie und Familienplanung aktiv ist. Dazu gehören auch die Themen Ver­hü­tungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche.

Entsprechend groß sind die Erwartungen nach Prices Nominierung bei den Gegnern der legalen Abtreibung, den sogenannten „Lebensschützern“, die Trumps Personalent­schei­dung überschwänglich begrüßten. „Die ausgeprägten Pro-Life-Werte von Price und sein vergangenes Abstimmungsverhalten machen ihn zu dem richtigen Mann, um eine Be­hörde zu reformieren, die von einer aggressiven Abtreibungsagenda bestimmt war“, sagte Ashley McGuire von der Catholic Association. Die Pro-Life-Aktivisten gehen davon aus, dass Price dem Medizindienstleister Planned Parenthood den Geldhahn zudreht und die kostenlose Vergabe von Verhütungsmitteln sowie die Bezahlung von Schwan­ger­­­schafts­ab­brüchen durch die Krankenkasse beenden wird.

Zwischen der noch amtierenden Regierung und den katholischen Bischöfen der USA schwelte zudem über Jahre hinweg Streit über das sogenannte Verhütungsmandat, das Arbeit­geber grundsätzlich zu einer Kostenübernahme für Kran­ken­ver­siche­rungspolicen verpflichtete, die den Zugang zu Verhütungsmitteln gewährleisten. Während Obama einen Kompro­miss anbot, der zu einer Kostenübernahme durch die Regierung geführt hätte, wehrte sich die katholische Kirche aus prinzipiellen Gründen dagegen.

Mit Price an der künftigen Spitze des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums jubilieren nun die Abtrei­bungsgegner, während Frauenrechtlerinnen bestürzt sind. „Er kann das Rad der Ge­schich­te mehrere Jahre zurückdrehen“, klagt die Präsidentin von Planned Parenthood, Cecile Richards. Die Nummer zwei der Demokraten im Repräsentantenhaus, Steny Hoyer, bemängelt darüber hinaus, dass dem Tea-Party-Mann die Expertise fehle, um milliardenschwere Budgets zu verwalten. „Traditionell sind solche Positionen für Perso­nen vorgesehen, die über erhebliche Erfahrung mit der Verwaltung verfügen.“

Doch Price ist ehrgeizig. Ginge es allein nach ihm, verschwände nicht nur Obamacare, sondern auch die 1965 eingeführte freie Gesundheitsfürsorge für ältere und bedürftige US-Amerikaner. Ihm schwebt vor, Obamacare, Medicare und Medicaid vollständig zu pri­vatisieren. Die Bürger erhielten Gutscheine, mit denen sie eigene Versicherungen zum Teil bezahlen könnten, und dürften die gezahlten Prämien für die Policen von der Steuer absetzen.

Nach Einschätzung des Vizepräsidenten der Gesundheitsorganisation Kaiser Family Foun­dation, Larry Levitt, profitierten „die jungen, gesunden und reichen Leute“ von einer solchen Reform. Für alle anderen werde es problematisch.

Ob Price sich tatsächlich traut, Medicare und Medicaid, die in der Bevölkerung durchaus etabliert sind, anzutasten, ist aber nicht ausgemacht. Price müsse aufpassen, nicht über das Ziel hinauszuschießen, sagen einige Beob­achter. Zumal Medicare und Medicaid in der Bevölkerung durchaus etabliert sind und Trump im Wahlkampf versprochen hatte, die beliebten Programme nicht anzurühren. © kna/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. September 2020
Washington – Für Verwirrung sorgte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit überarbeiteten Hinweisen zur Übertragung des Coronavirus. Vorgestern war bekannt geworden, dass die Behörde entgegen der bislang
US-Gesundheitsbehörde zieht Hinweis zu Coronaübertragung zurück
21. September 2020
Washington – US-Präsident Donald Trump hat verkündet, dass das Land bis April kommenden Jahres genug Coronaimpfstoffe für alle Amerikaner haben werde. Es ist ein ambitioniertes Ziel, da bisher noch
Trump: Impfstoff für jeden Amerikaner im April
18. September 2020
Washington – Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat ihre umstrittenen neuen Richtlinien für Coronatests laut einem Zeitungsbericht gegen den ausdrücklichen Rat von Experten veröffentlicht.
US-Regierung lockerte Coronatestregeln gegen Widerstand von Experten
10. September 2020
Washington – Seit Beginn der Coronapandemie sind Wissenschaftlern zufolge allein in den USA mehr als 190.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus Daten der Universität
Mehr als 190.000 Coronatote in den USA und hohe Dunkelziffer bei Infizierten
4. September 2020
Berlin – Die Bundesregierung ist nicht bereit, die durch einen Austritt der USA aus der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) verursachten Beitragsausfälle auszugleichen. Das geht aus einer Antwort der
Berlin übernimmt Beitragsausfälle für WHO-Austritt der USA nicht
3. September 2020
Washington – Die US-Gesundheitsbehörde CDC trifft Vorbereitungen für die Verteilung eines potenziellen Impfstoffes gegen SARS-CoV-2 bereits ab Ende Oktober. Zugleich räumte sie ein, dass es sich dabei
US-Behörde bereitet Verteilung von Coronaimpfstoff vor
2. September 2020
Washington – Die US-Regierung lehnt eine Teilnahme an der internationalen Initiative Covax ab, die einen fairen weltweiten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen garantieren soll. Die USA ließen sich nicht
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER